Dieter Pfaff

Kam erst spät zur Schauspielerei: Dieter Pfaff Vergrößern
Kam erst spät zur Schauspielerei: Dieter Pfaff
Dieter Pfaff
Geboren: 02.10.1947 in Dortmund, Deutschland
Gestorben: 05.03.2013 in Hamburg, Deutschland

Seine Charakterrollen als "Der Dicke", "Sperling" und "Bloch" machten ihn zu einem der beliebtesten deutschen Schauspieler: Dieter Pfaff, der am 5. März 2013 im Alter von 65 Jahren in Hamburg an den Folgen einer Lungenkrebs-Erkrankung starb. Bis Mitte 30 war Pfaff Theaterdramaturg, dann Autor, Regisseur und Professor für Bildende Kunst in Graz. Bis er als 35-jähriger ins Schauspielfach wechselte und mit 40 plötzlich den Berliner Polizeikommissar Sperling ("Sperling und das Loch in der Wand", 1995) für sich neu entdeckte. "Ich habe viel zu lange gewartet, bis man mir Toprollen anbot, statt selbst aktiv zu werden. Auch habe ich mir erst spät eingestanden, dass ich nicht Regisseur, sondern Schauspieler sein will. Das ist mit richtigen Entschlüssen wie mit gutem Wein: Sie brauchen Zeit zu reifen".

Pfaff hatte zuvor jahrelang "begleitende Nebenrollen" gespielt, die bekannteste vielleicht die des skurrilen Polizisten "Otto" in der ARD-Vorabendserie "Der Fahnder". Aber erst mit der "Beförderung" zum Polizeikommissar ging es steil bergauf. Nach den ersten "Sperling"-Folgen kam der unkonventionelle Franziskanerpater Ludger in Johannes Rebens Filmserie "Bruder Esel". Pfaff spielte den Pater, der sich Hals über Kopf in eine von Renate Krößner gespielte Frau verliebt, die Kutte an den Nagel hängt und ein neues Leben beginnt. Für "Bruder Esel" und "Sperling" wurde Pfaff 1997 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Schon vor diesen Hauptrollen fiel Pfaff immer wieder im Fernsehen auf, so musste er etwa in "Das Phantom - Die Jagd nach Dagobert" gegen einen Erpresser ankämpfen, machte in Serien wie "Der Fahnder" und "Balko" eine gute Figur. Mit dem Sperling aber hatte der ebenso gemütliche wie wendige Dicke für sein Ego die richtige Rolle gefunden. "Es ist einer, der sehr viel erlebt hat, nicht zynisch und nicht resignativ geworden ist, der noch eine Liebe und eine Hinwendung hat zu den Leuten", sagte Pfaff zu seiner Rolle. Natürlich ist für eine Fernsehserie ein gutes Buch, ein einfallsreicher Regisseur und ein gutes Team notwendig und das war im ersten "Sperling" vorhanden mit Rainer Basedow als Autor und Dominik Graf als Regisseur.

Inzwischen hatte es mit wachsendem Zuschauererfolg weitere "Sperling"-Folgen gegeben: "Sperling und das Spiel gegen alle", "Sperling und die verlorenene Steine", "Sperling und die gefallenen Engel" (alle 1996), "Sperling und der brennende Arm", "Sperling und der falsche Freund", "Sperling und die Tote aus Vilnius" (alle 1997), "Sperling und das schlafende Mädchen" (1998), "Sperling und das große Ehrenwort", "Sperling und das letzte Tabu", "Sperling und das Krokodil im Müll" (alle 2000), "Sperling und der stumme Schrei" (2001), "Sperling und der Mann im Abseits" (2002), "Sperling und die Angst vor dem Schmerz", "Sperling und die letzte Chance" (beide 2003), "Sperling und der Fall Wachutka", "Sperling und die Katze in der Falle" (beide 2005), "Sperling und die kalte Angst" (2006). Und zweimal stand Dieter Pfaff auch an der Seite seines schwedischen Kollegen "Beck" alias Haber als Sperling vor der Kamera: in "Kommissar Beck - Das tote Mädchen" (2006) und in "Kommissar Beck - Tödliche Kunst" (2007).

Eine weitere Paraderolle spielte Dieter Pfaff überdies in der losen Filmreihe "Bloch", in der er einen Psychotherapeuten verkörpert, der kundig und humorvoll die Abgründe der menschlichen Seele erforscht. Die einzelnen Folgen: "Bloch - Schwarzer Staub", "Ein begrabener Hund" (beide 2001), "Bloch - Tausendschönchen", "Bloch - Silbergraue Augen", "Bloch - Fleck auf der Haut" (2003), "Bloch - Schwestern", "Bloch - Ein krankes Herz", "Bloch - Der Freund meiner Tochter" (alle 2004), "Bloch - Die Wut", "Bloch - Der Mann im Smoking" (beide 2006), "Bloch - Der Kinderfreund" (2007), "Bloch - Die blaue Stunde", "Bloch - Vergeben, nicht vergessen" (beide 2008), "Bloch - Schattenkind", "Bloch - Bauchgefühl", "Bloch - Tod eines Freundes" (alle 2009), "Bloch - Verfolgt", "Bloch - Die Geisel", "Bloch - Der Heiland" (alle 2010), "Bloch - Inschallah" (2011), "Bloch - Der Fremde", "Bloch - Heißkalte Seele" (beide 2012), "Bloch - Das Labyrinth", "Bloch - Die Lavendelkönigin" (beide 2013).

Daneben sah man Dieter Paff auch immer wieder in TV- und Kinofilmen, eine Auswahl: Rainer Erlers köstliche Satire "Mein Freund, der Scheich" (1981), "Tatort - Schwarzes Wochenende" (1986) und "Tatort - Zabou" (1987, beide mit Götz Goerge, "Bei mir liegen sie richtig" (1990) mit Dieter Hallervorden, "Manta - Der Film" (1991), "Molls Reisen" (1994), "Kuppke" (1996), "Late Show", "Totalschaden" (beide 1998), "Einer geht noch", "Ich habe Nein gesagt", "Kaliber Deluxe", "Krieger und Liebhaber", "Nie mehr zweite Liga", "Racheengel - Die Stimme aus dem Dunkeln" (alle 1999), "Der tote Taucher im Wald", "Eine Hand voll Gras", "Verhängnisvolles Glück", "Newenas weite Reise", "Fremde Verwandte", "Goebbels und Geduldig" (alle 2000), "Ein Vater zum Verlieben", "Die Affäre Semmeling", "Die Frau, die an Dr. Fabian zweifelte" (alle 2001), "Tatort - Schatten", "Im Schatten der Macht" (beide 2002), "Erinnere dich, wenn du kannst!" (2004), "Der Dicke" (Serie, 2007-2011), "Balthasar Berg - Sylt sehen und sterben" (2012).

Foto: Georges Pauly/NDR

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