Edward Dmytryk

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Regisseur Edward Dmytryk
Edward Dmytryk
Geboren: 04.09.1908 in Grand Forks, British Columbia, Kanada
Gestorben: 01.07.1999 in Encino, Kalifornien, USA

Edward Dmytryk stieg in Hollywood nach dem Muster aller großen Regisseure auf: Über die verschiedenen Stadien des Laufburschen zum Cutter und Chef-Cutter, um schließlich über Serien zu Spielfilmen zu gelangen. 1935 inszenierte er sein Kinofilmdebüt "The Hawk". 1943 erregt sein Film "Hitlers Kinder" Aufmerksamkeit. Dmytryk, der sich nicht nur als Cutter mit der Theorie des Filmschnitts auseinandersetzte, hatte darüber hinaus als Filmtheoretiker Vorlesungen gehalten und Bücher über sämtliche Aspekte des Filmemachens publiziert. Zwischen 1935 und 1975 hat er 50 Filme gedreht.

1949 entstand "Das Haus der Sehnsucht". Das trostlose Emigrantenmilieu von New York in kühler Tristesse und nüchterner Sachlichkeit beobachtet, man denkt unwillkürlich an Vittorio De Sicas "Umberto D." und an Roberto Rossellinis "Rom, offene Stadt". Geschildert wird die Tragödie eines italienischen Arbeiters, der dem Geiz seines Bauherren zum Opfer fällt, weil dieser die Sicherheitsvorschriften nicht beachtet. Das Einzelschicksal wird zum Beispiel für die soziale Stellung des Arbeiters und besonders des Emigranten in dem dollarschweren Steinmeer von Manhattan. Unvergessen die Gesichter der Darsteller: Sam Wanamaker, Lea Padavona, Kathleen Ryan, Bonar Colleano. Ein Meisterwerk!

Doch das McCarthy-Komitee nahm Anstoß an dem Film. Gemeinsam mit Carl Foreman, Rouben Mamoulian, Dalton Trumbo und anderen wurde Edward Dmytryk zu einer Geldstrafe und Gefängnishaft verurteilt. Er saß ein halbes Jahr, dann ging er auf die Forderungen des Komitees ein, denunzierte Kollegen, kaufte sich frei - wie Elia Kazan und viele andere auch. Dymytryk hat das später bedauert, auch wenn er es nicht faktisch aussprach, und wie all die anderen hat er zur Entschuldigung gesagt, er habe nur Namen genannt, die ohnehin bekannt waren. 1951 wurde er in den Vereinigten Staaten wieder aufgenommen und durfte weiterdrehen. In David Helperns McCarthy-Report "Hollywood on Trial" sagte auch Dmytryk 1976 aus.

1958 sagte Dmytryk in einem Gespräch: "Ich glaube, wir müssen zu politischen Fragen Stellung beziehen, weil wir auch als Künstler in die Politik verwickelt sind. Jede unserer Arbeiten unterstützt - ob wir es wollen oder nicht - eine politische Seite. Wir leben in einem demokratischen Land, das heißt aber auch: Wir sind die, die Politik machen. Und wenn wir Politikern erlauben, nach ihrem (und nicht unserem) Belieben zu handeln, dann ist das unsere Schuld." Nur einmal noch - es war im gleichen Jahr und nach der Flucht vor dem McCarthy-Urteil - gelang es Dmytryk, einen Film von gleicher künstlerischer Vollendung zu drehen. "Die teuflische Falle" (1949) ist nur ein Thriller, aber es ist ein perfekt inszenierter Film, eine Art Vorläufer von Henri-Georges Clouzots "Die Teuflischen". Zu seinen besten Filmen zählen die Chandler-Verfilmung "Leb wohl, Liebling" (1944) mit Dick Powell als Philip Marlowe, "Unvergessene Jahre" (1946) mit John Mills, "Kreuzfeuer - Crossfire" (1947) mit Robert Ryan und Robert Mitchum und "The Sniper" (1952) mit Adolphe Menjou und Arthur Franz.

Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Dmytryk zu einem zuverlässigen Konsum-Regisseur. Zwar drehte er noch Filme mit eigenwilliger Note, gewiss findet man auch Höhepunkte, doch den Standard von "Haus der Sehnsucht" erreichte er kaum noch. Vor allem aber spürt man in seinen späteren Filmen die Diskrepanz zwischen dem sozialen oder politischen Engagement und einer stilistischen Unsicherheit, ob man den ambitionierten, aber allzu privat konzipierten Israel-Film "Der Gehetzte" mit Kirk Douglas (1953) denkt oder an "Die Caine war ihr Schicksal" (1954) mit Humphrey Bogart. Beim Publikum waren die Filme von Dmytryk beliebt, vor allem "Die Caine war ihr Schicksal", der Western "Die gebrochene Lanze" (1954), der Graham-Greene-Reißer "Das Ende einer Affäre" (1955) mit Deborah Kerr und Van Johnson, "Die linke Hand Gottes" (1955), "Das Land des Regenbaums" (1957) oder die seltsame Legende "Ein sonderbarer Heiliger" (1961) mit Maximilian Schell, "Die Unersättlichen" mit Alan Ladd und Carroll Baker und "Wohin die Liebe führt" (1963) mit Susan Hayward und Bette Davis.

Kein Erfolg war das "Blaue Engel"-Remake von 1959 und sein später "Blaubart"-Film mit Richard Burton, den Dmytryk unter dem Pseudonym Luciano Sacripanti 1972 drehte. 1975 inszenierte er in England "Ein Mann rechnet ab" (The 'Human' Factor). Seine erfolgreiche Westernreihe mit Filmen wie "Die gebrochene Lanze" (1954) mit Spencer Tracy, "Warlock" (1959) mit Richard Widmark und "Alvarez Kelly" (1965) mit William Holden setzte er 1968 mit dem aufwendigen "Shalako" mit Brigitte Bardot und Sean Connery fort. "Shalako" ist wie der im Vorjahr entstandene Film "Anzio" im Grunde ein Kriegsfilm, denn in beiden Fällen packt den Helden die Lust am Töten.

Einen ambitionierten und spannenden Film drehte Dmytryk 1964 mit "Die 27. Etage" mit Gregory Peck und Diane Baker. Der erfolgreiche Wissenschaftler David Stillman weiß plötzlich nicht mehr, was um ihn herum vorgeht. Er erkennt seine Freundin nicht, sucht vergeblich nach Spuren in der Vergangenheit und wird von geheimnisvollen Leuten verfolgt. Der Zuschauer bleibt eine Weile ratlos, bis er mutmaßt, dass dem guten David übel mitgespielt wird. Der Physiker hat nämlich eine Formel entwickelt, mit der man atomare Kraft ohne Radioaktivität nutzen kann. Kalte-Kriegs-Strategen war derlei freilich nicht genehm. Die Story beruht auf einem Roman von Howard Fast, der 1949 unter dem Einfluss von Hiroshima entstanden war. Dmytryks Regie wandelt auf Hitchcocks Spuren, bleibt aber eher vordergründig.

Dmytryk war nach 1975 nur noch als Filmdozent tätig. Seit 1948 war er bis zu seinem Tode mit der Schauspielerin Jean Porter verheiratet. Der Regisseur starb am 1. Juli 1999 an Herz- und Nierenversagen. Weitere Filme von Edward Dmytryk: "Zwei schlagen zurück" (1945), "Treffpunkt Hongkong" (1955), "Die jungen Löwen" (1957) und "Auf glühendem Pflaster" (1961).

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