Frank Capra

Unbeirrbarer Optimist: Frank Capra Vergrößern
Unbeirrbarer Optimist: Frank Capra
Frank Capra
Geboren: 18.05.1897 in Palermo, Italien
Gestorben: 03.09.1991 in La Quinta, Kalifornien, USA

Der Giftmord mit Fortsetzungen, das makabre Spiel für zwei schrullige alte Damen mit mitleidvollen Herzen für einsame, alte Männer ist bis heute dem Kino- und Fernsehzuschauer in aller Welt ein Begriff: "Arsen und Spitzenhäubchen" (1944) ist die schwarze Komödie schlechthin. Frank Capra hat sie inszeniert. In das merkwürdig plüschige Haus des makabren Damenduos kommt eines Tages Neffe Mortimer hereingeschneit. Der kreuzbrave Theaterkritiker sieht, was vorgeht und bekommt das Gruseln gelehrt. Denn hier begegnet er auch noch seinem armen verrückten Bruder Teddy, der sich für Roosevelt hält, dem irrsinnigen "Dr. Einstein" und seinem anderen Bruder Jonathan, der wie Frankensteins Ungeheuer aussieht und Karriere als Serial Killer gemacht hat.

Wie nun mit Entsetzen Scherz getrieben wird, wie der ahnungslose Mortimer (Cary Grant) Klarheit in dem Chaos sucht und schließlich auch findet, das sucht in der Filmgeschichte seinesgleichen. Eine vergnügliche, hintergründige Story mit allerlei burlesken und satirischen Einfällen, bei denen Capra vom Hollywood-Monsterkino bis zur kalauernden Polizeiposse nichts ausläßt. "Arsen und Spitzenhäubchen" entsteht 1941, wird aber erst 1944 uraufgeführt.

Mit sechs Jahren kam Frank Capra aus dem fernen sizialinischen Palermo mit seinen Eltern nach Amerika. Sie waren Bauern und erhofften sich nach der Jahrhundertwende in Kalifornien das große Glück. Frank war früh vom Kino fasziniert. Eigentlich wollte er Chemiker werden, deshalb studierte er an der Technischen Hochschule. 1918 trat der überzeugte Patriot in die Armee ein, wo er Mathematik unterrichtete. Nach dem Militärdienst war er ohne Arbeit, jobbte als Kellner, Küchenjunge und Aushilfsarbeiter, bis ihn eine Zeitungsnotiz auf den Film aufmerksam machte. Als Gagman begann er bei Hal Roach, war Hausregisseur des Komikers Harry Langdon. Das sind undankbare Auftragsarbeiten, denn die erfolgreichen Komödienstars servierten ihre eigenen Gags und brauchten den Regisseur nur als szenischen Arrangeur - auch wenn einige Chronisten meinen, Capra habe den siegreichen Einfaltspinsel miterfunden. Immerhin zählt die Langdon-Komödie "Der starke Mann", die er 1926 inszenierte, zu den komischen Schätzen der Stummfilmzeit. Einen ersten größeren Erfolg feierte er schließlich mit der frühen Screwball-Komödie "Vor Blondinen wird gewarnt" (1931)

1934 gelang Frank Capra dann ein persönlicher Film. Der bedeutete gleich den künstlerischen Durchbruch: "Es geschah in einer Nacht" mit Cary Grant und Claudette Colbert. Ellie ist eine unmögliche Tochter. Sie vergisst die Millionen des Herrn Papa und heiratet den Tunichtgut King Westley. Aber dann begegnet sie dem Reporter Warne, und nun gibt es allerlei Verwirrungen. Dies ist eine der besten Frank-Capra-Komödien. Es gab fünf Oscars, für die beiden Hauptdarsteller, den Regisseur, den Drehbuchautor und den Film selbst. Zudem wurde der Film ein großer Publikumserfolg.

Damit begann eine Serie von Komödien, die den naiven Optimismus der Roosevelt-Ära in der Weltwirtschaftskrise repräsentierten. "Mister Deeds geht in die Stadt" (1936) zeigte Gary Cooper als Tuba-Bläser und Freizeitdichter Longfellow, der seine Millionenerbschaft an notleidende Farmer verteilen möchte und wegen seiner seltsamen Haltung entmündigt werden soll. Doch Korruption und Inhumanität kommen nicht gegen das starke Individuum an.

Sozialkritische Komödie à la Capra: Mr. Deeds ist die Inkarnation des armen, aber anständigen Kleinstädters, der einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen die korrupte Obrigkeit führt und schließlich mit seinem Optimismus alle Schwierigkeiten überwindet. Wieder erhält Capra den Regie-Oscar, der ihm noch ein drittes Mal für den Film "Lebenskünstler" (1937) mit James Stewart und Jean Arthur verliehen wird. Die gleiche Besetzung standauch in "Mr. Smith geht nach Washington" (1939) vor der Kamera, und diesmal erhielt der Film den Oscar für das beste Skript.

1941 lliess sich Capra zum Leiter der Filmproduktion des Kriegsministeriums ernennen und organisierte die bekannte und erfolgreiche Reihe "Why We Fight", für die er namhafte Regisseure gewinnen konnte und selbst einige Filme inszenierte. Dann gründete er gemeinsam mit William Wyler, George Stevens und Samuel Briskin die Firma Liberty Films, für die er auch "Ist das Leben nicht schön?" (1947) inszenierte. Auch dieser Film, wieder mit James Stewart, wurde für den Oscar nominiert: Der himmlische Sendbote Clarence beweist dem lebensmüden George Bailey auf sehr einfache Weise, wie nutzvoll sein Leben ist. Er zeigt ihm, was aus dem Nest Badford Falls geworden wäre, wenn es George nicht gegeben hätte.

All diese Filme spielten vor dem Hintergrund der Roosevelt-Ära. Doch das Besondere an Capra ist, dass er alles mit so leichter Hand servierte, und dass das soziale Engagement in keinem seiner Filme den Ton der ausgleichenden Gerechtigkeit störte: Der eiskalte Geschäftsmann darf ein bisschen Herzblut zeigen, die von ihm Unterdrückten gewinnen gewisse Privilegien, und wenn Protagonist James Stewart dem Mädel von der Heilsarmee die Sammelbüchse aus der Hand schlägt, überkommen ihn sofort Skrupel und er kniet nieder, um die weggerollte Münze aufzuheben. Versöhnliches mit einem Schleier von Patina.

Capras Komödien sind geprägt vom uramerikanischen Glauben an die Allmacht des cleveren und ehrlichen Einzelgängers. Seine liebenswert antiquierten Helden sehen sich zwar stets von Widrigkeiten umgeben, aber Capra hatte nicht den bissig zynischen Ton eines Preston Sturges. Bis zuletzt hing Capra seinem alten Traum nach, noch 1961 in "Die unteren Zehntausend" mit der köstlichen Bette Davis und Glenn Ford.

Das ist eine vergnügliche, leichte Story aus der New Yorker Unterwelt, eine sanfte Variante der "Dreigroschenoper", ein wenig breit ausgewalzt für das Minimum an Handlung, aber liebenswert vor allem wegen der brillanten skurrilen Typen: Da ist die alternde Bette Davis als Apfel-Annie, ein weiblicher Clochard, dem Glenn Ford (als herzhafter Schieber David) und all die anderen Underdogs helfen, eine vornehme Abstammung vorzutäuschen, um ihrer Tochter die Ehe mit einem spanischen Grafen zu ermöglichen.

In seinen Filmen lehrte Capra dem Publikum auch das Heulen, doch am Ende gibt es ein befreites Aufatmen. Denn immer hatte er ein Wunder bereit, und der Schwejk war dem gebürtigen Sizilianer stets nahe, auch in den von ihm produzierten Propagandafilmen der Reihe "Why We Fight": Der tapfere Soldat reagiert in all seiner Unschuld auf die Welt um ihn herum. Capra starb mit 94, als man ihn in Hollywood - nicht in Europa - fast vergessen hatte, obwohl er in den Dreißigerjahren dreimal als Regisseur den Oscar erhalten hatte und er zweimal den besten Film des Jahres präsentierte.

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