George Cukor

Als "Frauen-Regisseur" verschrien: George Cukor Vergrößern
Als "Frauen-Regisseur" verschrien: George Cukor
George Dewey Cukor
Geboren: 07.07.1899 in New York City, USA
Gestorben: 24.01.1983 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Nur wenige Regisseure haben es auf eine so lange und fruchtbare Karriere gebracht wie der Amerikaner George Cukor. Mehr als ein halbes Jahrhundert hielt er sich im schnellebigen Filmgeschäft. Etliche seiner Filme sind aus der Geschichte des Kinos nicht mehr wegzudenken. Dass er dabei oft als "Frauen-Regisseur" tituliert wurde, war nicht nach seinem Geschmack, zeigt aber seine gewisse Vorliebe für sogenannte weibliche Stoffe. Schon in jungen Jahren landete Cukor am Broadway, zunächst als Inspizient, um schon Mitte der Zwanzigerjahre zu einem der führenden Bühnenregisseure aufzusteigen. Im frühen Tonfilm führte er zunächst Dialogregie bei "Virtuos Sin" (1929) und - ungenannt - bei Lewis Milestones Klassiker "Im Westen nichts Neues" (1930).

Nach einigen Arbeiten als Co-Regisseur wurde "Tarnished Lady" (1931) sein Solo-Debüt. Bald stieg er in Hollywood zu einem der meistbeschäftigten und erfolgreichsten Regisseure der 30er Jahre auf. "Dinner um acht" (1933) war ein stargespickter Dialogfilm. Seine nächsten Werke waren überwiegend Literaturverfilmungen: "Vier Schwestern" (1933) nach einem bekannten Erbauungsromans des 19. Jahrhunderts, "David Copperfield" (1935) nach Charles Dickens, und "Die Kameliendame" (1936) nach Alexandre Dumas d. J., worin sich wieder einmal zeigte, dass niemand schöner und fotogener leidet als Greta Garbo. Neben "Anna Karenina" (1935, von Clarence Brown) und "Ninotschka" (1939, von Ernst Lubitsch) war dies ihre bekannteste Rolle.

Cukor war zunächst als Regisseur von "Vom Winde verweht" (1939) vorgesehen, wurde aber von Filmmogul David O. Selznick durch den offenbar pflegeleichteren Victor Fleming ersetzt. Zu einem von Cukors eigenwilligsten und gleichzeitig typischsten Filmen wurde "Die Frauen" (1939). Das ironische Gesellschaftsporträt versammelt alle Darstellerinnen, die im damaligen Hollywood Rang und Namen hatten, vor der Kamera (Joan Crawford, Norma Shearer, Joan Fontaine, Paulette Goddard, Rosalind Russell, um nur einige zu nennen). In dem ganzen Film ist kein einziger Mann zu sehen. Damit war Cukor endgültig als "Frauenregisseur" abgestempelt.

Es folgte die brillante Screwball-Comedy "Die Nacht vor der Hochzeit" (1940) mit Katharine Hepburn in einer ihrer markantesten Zicken-Rollen. "Die Frau mit den zwei Gesichtern" (1941) war dagegen eine erfolglose Komödie und ein trauriger Abschied für Greta Garbo, die danach nie wieder in einem Film auftrat. Mit "Das Haus der Lady Alquist" (1943, mit Ingrid Bergman) wandte sich Cukor erfolgreich dem subtilen Horror zu. In "Ein Doppelleben" (1947) ermordet ein Schauspieler, der sich zu sehr mit seiner Rolle als Othello identifiziert, seine Frau. "Die ist nicht von gestern" (1950) war wieder eine Komödie, die der Hauptdarstellerin Judy Holliday einen Oscar einbrachte.

Das zum Gegenstand zahlreicher Legenden gewordene Musikmelodram "Ein neuer Stern am Himmel" (1954) zeigt den Aufstieg eines Revuegirls zum Star. Parallel dazu hangelt sich ihr Mann vom gefeierten Filmschauspieler zum Alkoholiker herab, der am Ende Selbstmord begeht. Als der Film in die Kinos kam, war er von annährend drei Stunden auf 120 Minuten herunter geschnitten. Cukor betrachtete diese verhackstückte Fassung nicht mehr als sein Werk. 1983 tauchte überraschend das verschollene Material wieder auf, so dass der Film heute wieder in der Originallänge von 177 Minuten zu sehen ist. Vielleicht wegen des Ärgers um "Ein neuer Stern am Himmel" wurde seine nächste Arbeit, "Knotenpunkt Bhowani" (1955), ein untypischer Cukor-Film, ein aufwändiges Epos über kulturelle Spannungen in Indien. "Machen wir's in Liebe" (1960) war eine charmante Komödie, in der es zwischen Marilyn Monroe und Yves Montand nicht nur auf der Leinwand merklich knisterte. Cukor war es auch, der 1962 unter dem Titel "Something's Got To Give" die letzten Filmbilder von Marilyn Monroe drehte. Der mysteriöse Tod des Sexsymbols ließ den Film unvollendet.

Das Hit-Musical "My Fair Lady" (1963) war wieder ein großer Erfolg für Cukor, der letzte übrigens. Seine letzten Filme waren entweder uninspirierte Auftragsarbeiten wie "Alexandria - Treibhaus der Sünde" (1968) oder mittelmäßige Literaturverfilmungen wie "Reisen mit meiner Tante" (1972) nach Graham Greene. Das gilt auch für die erste sowjetisch-amerikanische Ko-Produktion, "Der blaue Vogel" (1975), die ebenfalls erfolglos blieb. In den Achtzigerjahren war Cukor hauptsächlich für das Fernsehen tätig und drehte Mini-Serien wie "Hollywood" (1980). Sein letzter Kinofilm "Reich und berühmt" (1981, mit Jacqueline Bisset und Candice Bergen) schließt zumindest teilweise an alte Qualitäten an. Cukor war in seiner Karriere fünfmal für den Oscar nominiert ("Vier Schwestern", "Die Nacht vor der Hochzeit", "Ein Doppelleben", "Die ist nicht von gestern" und - zum ersten und einzigen mal erfolgreich - für "My Fair Lady").

Weitere Filme von Cukor: "Sylvia Scarlett" (1935), "Romeo And Juliet" (1936), "Die Schwester der Braut" (1937), "Susan und der liebe Gott" (1940), "Erpressung" (1941), "Die ganze Wahrheit" (1942), "Ich werde dich wiedersehen" (1944), "Edward, mein Sohn" (1948), "Ehekrieg" (1949), "A Life Of Her Own" (1950), "Pat und Mike" (1951), "Happy End ... Und was kommt dann?" (1952), "Die unglaubliche Geschichte der Gladys Glover", "Theaterfieber" (beide 1953), "Wild ist der Wind" (1957), "Girls" (1957), "Die Dame und der Killer" (1960), "Nur wenige sind auserwählt" (1959), "Der Chapman-Report" (1961) und "Das Korn ist grün" (1978).

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