Guillaume Depardieu

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Bleib einfach bei mir! Florence Loiret-Caille und Guillaume Depardieu als Isabelle und Bruno
Guillaume Depardieu
Geboren: 07.04.1971 in Paris, Frankreich
Gestorben: 13.10.2008 in Garches, Frankreich

Er stand ganz im Schatten seines Vaters, obwohl er bereits mit vielen Filmen sein enormes schauspielerisches Potential unter Beweis stellte: Guillaume Depardieu. Trotz der Tatsache, dass ein Großteil des Schaffens von Guillaume leider nicht den Weg auf deutsche Kinoleinwände fand - einige seiner Werke wurden immerhin im Fernsehen gesendet -, ist sein Name natürlich auch in Deutschland kein unbekannter. Er fiel hier vor allem in den Rollen auf, in denen er ausgerechnet seinen Vater bzw. dessen Rollen in jungen Jahren mimte. Denn der Nachwuchsstar gab sein Kinodebüt 1991 in Alain Corneaus "Die siebente Saite", wo er einen Musiker in jungen Jahren spielte, der später von Gérard Depardieu dargestellt wurde.

Dies wiederholte Guillaume Depardieu 1998 in dem TV-Mehrteiler "Der Graf von Monte Christo". Hier mimte er den jungen, unbedarften Edmond Dantès, der dann im fortgeschrittenen Alter von seinem Vater gespielt wurde. Außerdem war hier auch seine ebenfalls schauspielernde Schwester Julie Depardieu mit von der Partie. Beide, Guillaume und Julie, sind aus der Ehe Gérard Depardieus mit der älteren Schauspielkollegin Elisabeth Guignot hervorgegangen.

Sein zweiter Film "Der Killer und das Mädchen" (1993) zeigt Guillaume als Killer-Lehrling von Jean Rochefort an der Seite von Marie Trintignant, die er später in "Lügen wie gedruckt" (1998) als durchgeknallte Aufschneiderin entführte. Größere Aufmerksamkeit zog Guillaume auch in Deutschland mit seiner mit dem César gekrönten Rolle in Pierre Salvadoris herrlicher Tragikomödie "Die Anfänger" (1995) auf sich. In der Rolle des sympathischen Verlierers Fred gelang es Depardieu, die komischen Effekte seines linkischen Auftretens geschickt zu dosieren und das Publikum für seine großen Vorsätze und kleinen Taten zu begeistern.

Was er mit seinem Vater gemein hatte, war die physische Präsenz, die er trotz seiner schmächtigen Statur ausstrahlte. Guillaume Depardieu war einer der wenigen jungen Schauspieler, die mit dem ganzen Körper zu spielen wissen. In Frankreich längst zum begehrten Darsteller und umworbenen Jungstar gereift, stand ihm der endgültige Durchbruch in Deutschland noch bevor. Die Rolle des Pierre in Leos Carax' "Pola X" (1999) war für Depardieu sicherlich eine Herausforderung, doch leider taugt der Film nicht viel. So dürfte er leider nicht dazu beitragen, Guillaume auch weit über die französische Landesgrenze hinaus zu einem der anerkanntesten Schauspieltalente in Europa zu machen.

Doch nicht nur auf der Leinwand sorgte Guillaume für Gesprächsstoff: Wiederholt kam er mit dem Gesetz in Konflikt. So ließ er sich etwa alkoholisiert am Steuer erwischen und wegen Drogenhandels wurde er 1993 zu drei Jahren Haft verurteilt, davon zwei Jahre auf Bewährung. Für Schlagzeilen sorgte Guillaume auch im Juni 2003, als er sich in Paris das rechte Bein amputieren ließ. Seit einem Motorrad-Unfall 1995 litt er unter starken chronischen Schmerzen, nachdem er sich im Krankenhaus mit Staphylokokken infiziert hatte. Eine Antibiotika-Behandlung der Bakterien Staphylococcus aureus scheiterte, so dass er zum letzten Mittel - der Amputation - griff.

Ebenfalls 2003 wurde Guillaume, der zeitweise alkohol- und drogenabhängig war, wegen des Gebrauchs einer Schusswaffe zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Im Dezember 2004 erschien seine Biographie "Im Schatten meines Vaters", in dem er von der Hassliebe zu seinem Vater berichtete, dem er eine Mitschuld an seiner Entwicklung gab, da sich dieser in der Kindheit zu wenig um ihn gekümmert habe. Nachdem er im Juni 2008 wegen erneuter Trunkenheit am Steuer zu einer zweimonatigen Haftstrafe verurteilt worden war, gab am 13. Oktober 2008 schließlich das Management von Gérard Depardieu bekannt, dass Guillaume an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich bei Dreharbeiten zu dem Thriller "The Way Beyond - L'enfance d'Icare" in Rumänien zugezogen hatte, gestorben ist. Ebenfalls posthum kam in Deutschland das Drama "A real life - Au voleur" in die Kinos,, die zärtliche wie poetische Liebesgeschichte eines hinkenden Gauners mit einer frustrierten Aushilfslehrerin, die gemeinsam die zivilisatorischen Zwänge, die sie umgeben, zumindest für einen Moment vergessen können.

Weitere Filme mit Guillaume Depardieu: "Ganz so schlimm ist er auch nicht" (1974), "Les paroles invisibles" (1992), "Die Geschichte des Jungen, der geküsst werden wollte" (1994), "Ricky" (1996), "Vous etes un crime" (1997 - mit Anne Parillaud), "Alliance cherge doigt" (1997 - mit Carmen Maura), "Marthe ou la promesse du jour" (1997), "Lügen wie gedruckt" (1998), "Zaide" (mit Jeanne Moreau und wiederum mit Schwester Julie), "Café in Flammen" (beide 1999), an der Seite von Papa Gérard in "Les Misérables - Gefangene des Schicksals", "Le détour", "Elle et lui au 14ème étage" (alle 2000), "Zaïde, un petit air de vengeance", "L' aquarium", "Napoleon" (alle 2001), "Liebe deinen Vater", "Peau d'Ange - Engel weinen nicht", "Vergiftete Moral", "Comme un avion" (alle 2002), "Process" (2003), "Milady" (2004), "Célibataires" (2006), "Die Herzogin von Langeais", "Les yeux bandés", "La France", "Peur(s) du noir" (alle 2007), "De la guerre", "Versailles", "Ein Schloss in Schweden", "Stella", "Circuit fermé" (alle 2008).

Foto: Projektor

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