Horst Tappert

Tschüss, Derrick! Nach 281 Krimi-Folgen war für
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Tschüss, Derrick! Nach 281 Krimi-Folgen war für Horst Tappert 1998 Drehschluss
Horst Tappert
Geboren: 26.05.1923 in Wuppertal-Elberfeld, Deutschland
Gestorben: 13.12.2008 in München, Deutschland

Horst Tappert begegnen, heißt Oberinspektor Derrick treffen. Selten sind Rolle und Person fürs Publikum mit den Jahren so nahtlos verschmolzen wie bei dem Wuppertaler Beamtensohn, der von 1973 bis 1998 in insgesamt 281 Folgen (bei elf Episoden nahm er sogar auf dem Regiestuhl platz) den stets gefassten Kommissar, korrekt bis in den Krawattenknoten, gab. Wiederkehrende Dialoge wie "Ist gut, Chef!" (Fritz Wepper) wurden beinahe zu geflügelten Worten. Und die auffallend dicken Tränensäcke gestand man dem Oberinspektor mit der wachsenden Zahl seiner Dienstjahre gerne zu. Derrick wurde zur Institution. Er überlebte auch Schlussfolge 281 und wechselte 1998 in "Das Abschiedsgeschenk" (Erstsendung 16. Oktober) auf eigenen Wunsch auf einen Chefposten bei der europäischen Kripo-Behörde Interpol. Die Krimiserie wurde in mehr als 100 Länder verkauft.

Es war der 30. Juli 1973, vormittags, da trat der gelernte Theaterschauspieler erstmals als Kommissar Stefan Derrick (für "Der Mitternachtsbus", Erstsendung: 20. Oktober 1974, ZDF) vor die Kamera. "Ich musste nicht mehr so oft meine Koffer packen", verriet der Vater dreier Kinder einmal hinterher lapidar. Denn bis dahin verdiente Tappert sein Geld unterwegs an deutschen Bühnen und in drei Dutzend TV- und Kinofilmen, vorzugsweise Krimis à la Jerry-Cotton- und Edgar-Wallace: "Das Halstuch" (1962), "Das ganz große Ding" (1966), "Der Kinderdieb" (1966), "Die Rechnung - eiskalt serviert" (1966), "Der Hund von Blackwood Castle" (1967), "Der Gorilla von Soho" (1968), "Kriminalmuseum - Die Reifenspur" (1968), "Der Mann mit dem Glasauge" (1969), "Sieben Tage Frist" (1969), "Sie tötete in Ekstase" (1970), "Inspektor Perrak greift ein" (1970).

Tapperts künstlerische Karriere begann 1945 nach Kriegsgefangenschaft an einem kleinen Theater in Stendal (Sachsen-Anhalt). Erster Höhepunkt vor "Derrick" war 1966 seine Rolle als Posträuber in dem Dreiteiler "Die Gentlemen bitten zur Kasse". Mit dieser heiteren Paraderolle als Chef der englischen Posträuberbande wurde er populär. 1972 übernahm er diese erneut in "Hoopers letzte Jagd", wo er den immer noch auf der Flucht befindlichen Posträuber mimte. Tappert, gelernter Kaufmann, hatte sich nach dem Krieg in Stendal als Buchhalter vorgestellt. Man fragte ihn, warum er nicht Schauspieler werden wolle. Kurz darauf spielte er in "Die Flitterwochen" den Dr. Striebel. Von Paul Rose erhielt Horst Tappert ab 1946 Schauspielunterricht. Seine Theater-Engagements führten ihn von Göttingen über Kassel und Bonn bis an die Kammerspiele nach München (1956-67). 1957 heiratete er Ursula Pistor (seine dritte Ehe), mit der er bis zu seinem Tod zusammen blieb.

Nach "Derrick" standen für Horst Tappert die Veröffentlichung seiner Biografie "Derrick und ich - Meine zwei Leben" sowie einige TV-Projekte mit dem ZDF auf dem Programm. Und man ahnt es: Die Rollen weichen vom Tappert-Typ nicht allzu sehr ab. Den "Derrick" wird er eben nicht mehr los. So ist es nicht verwunderlich, dass er 2004 als Sprecher des Comic-Tapperts in "Derrick - Die Pflicht ruft" dem Ermittler seine Stimme lieh. Bundesverdienstkreuz- und Verdienstorden-Träger Tappert wurden diverse Ehrungen zu Teil, darunter auch eine Ernennung zum "Kriminalhauptkommissar ehrenhalber". 1998 nahm er den Telestar für sein Lebenswerk entgegen.

Weitere Filme mit Horst Tappert: "Schwester Bonaventura", "Der öffentliche Ankläger", "Abwerbung", "Die Trapp-Familie in Amerika", "Helden", "Wir Wunderkinder" (alle 1958), "Der Engel, der seine Harfe versetzte", "Jacqueline", "Das schöne Abenteuer", "Ruf ohne Echo" (alle 1959), "So ist es - ist es so?" (1960), "Spanische Legende", "Zu viele Köche", "Küss mich Kätchen", "Ein schöner Tag" (alle 1961), "Der Abstecher", "Er kann's nicht lassen", "Schneewittchen und die sieben Gaukler" (alle 1962), "Dr. Joanna Marlowe", "Der tödliche Patient", "Zwei Whisky und ein Sofa" (alle 1963), "Elektra", "Sechs Personen suchen einen Autor", "Der Aussichtsturm", "Der Trojanische Krieg findet nicht statt", "Leonce und Lena" (alle 1964), "Judith", "Tatort", "Eine reine Haut" (alle 1965), "Ein Tag in Paris", "Der Mann aus Melbourne", "Carré de dames pour un as" (ungenannt), "Jerry Cotton: Die Rechnung eiskalt serviert", "Der schwarze Freitag" (alle 1966), "Liebe für Liebe", "Ist er gut? - Ist er böse?", "Der Panamaskandal", "Heinrich IV" (alle 1967), "Heißer Sand auf Sylt" (1968), "Transplantation" (1969), "August, der Starke", "Der Kommissar" (eine Folge), "Industrielandschaft mit Einzelhändlern", "Und Jimmy ging zum Regenbogen" (alle 1970), "Rosy und der Herr aus Bonn" (auch "Bleib sauber, Liebling"), "Der Teufel kam aus Akasawa", "Der Kapitän" (mit Heinz Rühmann), "Yester - der Name stimmt doch?" (alle 1971), "Blüten der Gesellschaft", "Der Todesrächer von Soho" (1972), "Der Kommissar" (eine Folge), "Eine Frau bleibt eine Frau" (beide 1973), "Treffpunkt Herz", "Auch ich war nur ein mittelmäßiger Schüler" (beide 1974), "Unsere kleine Welt" (1078), "Der Kardinal - Der Preis der Liebe" (1998) und "Herz ohne Krone" (2003). Außerdem hatte er Auftritte in diversen Shows und Sendungen wie etwa "Die Drehscheibe", "Die Rudi Carrell Show", "Am laufenden Band", "Wetten, dass...?", "Cinématon" (1984) und "In 80 Jahren um die Welt" (2001).

Foto: ZDF/Marhoffer

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