Jean-Paul Rappeneau

Jean-Paul Rappeneau
Geboren: 08.04.1932 in Auxerre, Frankreich

Nach dem Jurastudium ist er gemeinsam mit Volker Schlöndorff und Jean-Claude Carriére Assistent bei Louis Malle. Das ist fast eine Freundschaft, und als Malle stirbt, ist das - obwohl die Freunde lange vorbereitet sind - ein Schock. Als Rappeneau beginnt, selbst Filme zu inszenieren, ist er bereits ein bekannter Drehbuchautor. Er hat für Malle "Zazie" (1960) und "Privatleben" (1961) geschrieben, für Alain Cavalier den Romy-Schneider-Film "Kampf auf der Insel" (1961) und für Philippe de Broca "Abenteuer in Rio" (1963), den Erfolgsfilm mit Jean-Paul Belmondo.

Für seine Debüt-Inszenierung "Leben im Schloss" (1966) erhält er den Prix Louis Delluc, "Musketier mit Hieb und Stich" (1971) läuft im Wettbewerb von Cannes, und "Die schönen Wilden" mit Yves Montand und Catherine Deneuve ist 1975 ein großer Kinoerfolg: Zwei ganz normalen Bürger rasten eines Tages aus, entfliehen ihrer Normalität entfliehen und finden in der Fremde eine Erfüllung ihres bislang wenig aufregenden Lebens. Nelly entflieht dem gewalttätigen Bräutigam und trifft auf der Karibikinsel den erfolgreichen Parfüm-Manager Martin, der ebenfalls von seinem Alltag angeödet ist. Und der alternde Beau verliebt sich in die zickige Blondine, verliert sie wieder und findet sie schließlich zum Happyend. Locker schöne Oberflächlichkeit, ein bisschen zu schick gestylt, aber unterhaltsames Kino.

1981 dreht Rappeneau "Feuer und Flamme" mit Yves Montand, Isabelle Adjani und Lauren Hutton: Die flotte Pauline Valance ist jung, hübsch und intelligent. Dabei hat sie nicht nur mit Haus und Familie alle Hände voll zu tun. Auch in der großen Politik will sie ihre Frau stehen. Sie hat sie zwei quirlige Schwestern und eine Großmutter am Hals, denn die Mutter ist tot, und der Vater hat sich sein Leben lang nicht um die Familie gekümmert. Als dieser Windhund und Charmeur eines Tages überraschend nach Paris zurückkehrt, stiftet er überall Verwirrung. Isabelle Adjani sieht hüsch aus, entfaltet unentwegt Hektik, und Yves Montand grimassiert grell aber liebenswert. Beide Stars werden allerdings von dem herben Charme und der dezenten Perfektion von Laura Hutton, die Papas Geliebte spielt, an die Wand gespielt.

Rappenaus nächster Film wird ein riesiger Erfolg - nicht nur in Frankreich, wo er mehrere Césars erhält: "Cyrano von Bergerac" (1989), Edmond Rostands Theaterstück in einer aufwändigen Kinoversion, in der vor allem Gérard Depardieu als brillanter Komödiant fasziniert. Der Film wird für fünf Oscars nominiert und erhält die begehrte Auszeichung für seine Kostüme. 1995 entsteht eine wunderschöne, aufwändige Verfilmung von Jean Gionos "Der Husar auf dem Dach". Der Film ist zu teuer, um das Geld einzuspielen, denn die poetisch stille Spielart, die leise Faszination ist nicht jedermanns Sache: Die Provence 1832. Ein schöner junger Offizier auf der Flucht durchquert ein Cholera-Gebiet und nimmt sich Zeit, zu helfen und zu pflegen. Er rettet dabei die schöne junge Pauline, die auf der Suche nach einem mysteriösen Ehemann ist. Alle sind von der Besetzung begeistert, von Juliette Binoche als Pauline de Théus und Olivier Martinez als Angelo. Das ist ein Traumpaar - für eine Weile auch im wirklichen Leben.

Gespräch mit dem Filmemacher

Zum Budget:
Es gab immer teure Filme, darin sehe ich nicht die Frage. Es geht darum, daß in Europa unterschiedliches Kino gemacht wird. Die Tradition des französischen Kinos, das ist intimes Kino, aber es sind auch Filme wie "Die Kinder des Olymp", Filme, in denen es viel zu sehen gibt, wo das Spektakel, um es einmal so zu nennen, eine große Rolle spielt. Die Stärke des europäischen Kinos liegt in seiner Verschiedenheit.

Über das amerikanische Kino:
Wenn man es mit Amerika vergleichen will, erscheint das amerikanische Kino viel einheitlicher und ich glaube nicht an ein uniformiertes Kino. Ich mache die Filme, die ich Lust habe zu machen. Unser Kino ist nicht auf einem einzigen Modell aufgebaut.

Über die Nouvelle Vague:
Die Nouvelle Vague hat sich gegen einen Akademismus gewandt, der lange Zeit vorherrschte, dagegen, daß das Kino von einer Gruppe beherrscht wurde. Sie hat sich aber auch als Gruppe etabliert, sie hat Plätze eingenommen, die es im französischen Kino einzunehmen galt. Von einem Establishement zu einem anderen, aber das ist gut so: es gibt in der Geschichte des Kinos keine Regeln. Alle Filme sind unterschiedlich. Ich glaube nicht, daß man eine bestimmte Art von Filmen zurückweisen kann, um andere zu privilegieren.

Über Juliette Binoche, seine Hauptdarstellerin:
Ich habe sie von Anfang an gewollt. Schon vom Äußeren her sieht sie der im Buch beschriebenen Person sehr ähnlich. Tatsächlich wollte ich aber schon lange mit ihr arbeiten, sie ist einzigartig. Bisher hatte sie eher das Intime der von ihr dargestellten Personen gespielt, hier spielt sie mehr mit dem Körper, das hat ihr gefallen.
Andererseits hat sie diesem Abenteuerfilm, wenn man so sagen kann, etwas von der Seele gegebem, von dem Mysterium, das ich im Grunde von ihr erwartete.

Ein Märchen?
Ja, ein Ritterroman! Ich bin beeinflußt von den Erzählungen und Legenden meiner Jugend, und Giono war es auch. Bei ihm findet man Parzival, die Romane der Tafelrunde, die bretonischen Sagen, aber auch die germanischen. Siegfried, ein Ritter, der von seiner Mutter großgezogen wird, mitten in einem Wald, der seine Mutter nicht verlassen kann, der Abenteuer bestehen, den Drachen bekämpfen und schließlich eine Dame treffen muß... Hier war der Drache vielleicht die Cholera... Je mehr es auf das Ende des Films zugeht, um so mehr habe ich versucht, in dieser märchenhaften Atmosphäre zu sein, in dem Zauberwald... Warum nicht Märchen, das Märchen ist die Basis von allem.

Das Ende des Films
Für mich finden sie sich eines Tages wieder, ich mag das Buch wirklich gerne, aber am Ende, da ist nichts. Ich liebe das Buch, aber es ist kein absolutes Meisterwerk, es gibt keine Intrige. Das Drehbuch haben wir zu dritt geschrieben, das heißt, ich habe zunächst mit Nina Companeez gearbeitet und später mit Jean-Claude Carriére für die Dialoge. Es war nicht einfach, einen Handlungsstrang zu finden: Die Geschichte ist im Roman eher so etwas wie eine komplentative Reise, mit einer Stimme aus dem Off. Was das Verhältnis der beiden Protagonisten angeht, so muß man genau hingucken, ob zwischen den Worten etwas passiert. Und tatsächlich passiert so gut wie gar nichts (das sieht man auch im Film).
Auch der Grund für die Reise von Pauline ist im Buch so wage, sie sagt "Im Prinzip gehe ich zu meiner Schwiegermutter", aber was soll man damit anfangen? Es ist etwas schwach für den Ausgangspunkt eines Films. Es sagt gar nichts. Wir haben also überlegt, wenn es eine Schwiegermutter gibt, dann gibt es auch einen Ehemann. Und daß dieser Ehemann am Ende sagt, eines Tages würde er Pauline loslassen, das hat folgenden Grund: in Notizen von Giono habe ich gelesen, daß er vorhatte, einen Roman zu schreiben, der "Pauline" heißen sollte, und es sollte die Geschichte Paulines sein, wie sie in Italien während der Revolution Angelo sucht.

Die jungen Schauspielerinnen in Frankreich...
Wir haben wirklich viele gute junge Schauspielerinnen in Frankreich, aber was uns fehlt, sind die Schauspieler: Für den Husaren habe ich wirklich alle jungen französischen Schauspieler gesehen, und der einzige, der in Frage kam, war Olivier Martinez.

Literaturverfilmungen (von Zazie bis zum Husaren)
Ich glaube nicht, daß mein nächster Film die Verfilmung eines der großen literarischen Werke der Weltliteratur sein wird, aber die Motivation für einen Film in einem Buch zu finden, erscheint mir unter Umständen interessanter, als von nichts auszugehen. Die weiße Seite mit Feder und Tinte, wenn die Freiheit zu groß ist, dann braucht man manchmal Jahre, um sich für die oder andere Idee zu entscheiden. Wenn man sich dagegen mit einem Buch schlägt, dann erhält man dadurch eine kreative Stimulation, die mir zur Zeit sehr gefällt. Man wird sehen. Ich habe viele Ideen, aber ich bin noch im Flugzeug des Husaren, ich muß noch den Motor abstellen, den Gurt abschnallen, ich muß landen, um ein anderes Flugzeug zu finden.

Klassische Literatur?
Letzten Sommer habe ich Chateaubrian gelesen. Ich gehöre einer Generation an, die viel gelesen hat. Ich habe in einer literarischen Atmosphäre gelebt, damals war es die Literatur des 19. Jahrhunderts, die einen faszinierte. Als ich Jean Giono gelesen habe, habe ich diese Atmosphäre wiedergefunden, mit dem Film habe ich Personen in Szene gesetzt, die mich meine ganze Jugend hindurch begleitet hatten. Ich war bei mir zu Hause in der Nähe von Stendhal. Stendhal war für mich einer der größten.

Louis Malle
Sein Tod war keine Überraschung, seit einem Jahr haben wir mit Sorge seine Gesundheit verfolgt. Ich kenne ihn seit langem, gemeinsam mit Volker Schlöndorff war ich sein Assistent: Ich war sein Drehbuchautor, Volker war sein Assistent, Carriére gehörte auch noch dazu. Durch das Charisma, das er besaß, hatte er eine ganze Gruppe um sich versammelt. Er hat uns sehr viel beigebracht, ich habe viel von ihm gelernt: ich war sein Assistent, und er sagte mir, du kannst Drehbücher schreiben. Und dann haben wir "Zazie" für das Kino umgeschrieben.
"Zazie" (von Raymond Queneau) ist übrigens auch ein Initiationsroman, ein Bildungsroman, wenn man so will, ebenso wie der Husar auf dem Dach: das Mädchen Zazie kommt nach Paris, da ist Streik, sie verbringt drei Tage dort und erlebt eine Menge Dinge, als sie nach den drei Tagen von ihrer Mutter gefragt wird, was sie gemacht hat, antwortet sie: 'Ich bin älter geworden'. Angelo könnte dasselbe sagen.

Der Streik
Der Streik geht über die eigentlichen Forderungen hinaus, es geht um eine tiefsitzende Angst der Franzosen am Ende dieses Jahrhunderts. (München, Januar 1996)

Zur Filmografie von Jean-Paul Rappeneau
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