Jim McBride

Jim McBride
Geboren: 16.09.1941 in New York, USA

Ein Tag im Leben des David Holtzmann skizziert der junge New Yorker Filmemacher Jim McBride in seinem ersten Film. Der junge Mann will Wirklichkeit mit Kamera und Tonband dokumentieren, doch er muss feststellen, dass aus seiner Wirklichkeit Fiktion wird. Sein Freund, ein Pop-Art-Künstler sagt: "Das Leben einiger Leute sind gute Filme, das einiger anderer schlechte Filme. Dein Leben ist kein besonders gutes Drehbuch."

Holtzmans Fehler ist es, dass er Subjekt und Objekt gleichermaßen sein will, auf der einen Seite das suchende, alles überschauende Auge, auf der anderen Seite das Objekt seiner Untersuchung. Mit "David Holtzmans Tagebuch" debütiert McBride 1967, und ausgerechnet über das Filmfestival in Mannheim, wo er den Großen Preis erhält, wird er international bekannt. Der Film, der 2500 Dollar kostet, ist sowohl vom Cinema verité als auch von der nouvelle vague der Franzosen beeeinflusst.

Originell von der Idee her, aber abstrus unlogisch erscheint indes McBrides zweiter Film, der Science-Fiction-Comic "Glen und Randa" (1971). Es geht um zwei Teenager, die nach dem atomaren Holocaust das geheimnisvolle Metropolis suchen, das sie aus ihrem Superman-Comic kennen. Rudolf Wurlitzer, der schon mit Robert Frank und Monte Hellman zusammengearbeitet hatte, schrieb das vielversprechende Drehbuch. Noch einmal bedient sich McBride stilistisch bei der nouvelle vague. Das Publikum ist nicht unzufrieden, die Kritik ist negativ bis ausfällig.

"Atemlos" (1982), ein Remake von Godards Kultfilm "Außer Atem" spielt in Los Angeles. Jesse, der Held, verhökert geklaute Autos. Wieder mal hat er ein paar Puppen abgeschleppt, denen er seine Fahrkünste beweisen will, während Blaulicht hinter ihm her ist. Aus Versehen tötet er einen Polizisten, der Reflex macht ihn zum Mörder. Dann folgt die Begegnung mit der erotischen Französin Monica, mit der er nach Mexiko fliehen will. Man könnte "Breathless" als einen teilweise explosiv erotischen Thriller genießen, wenn man Richard Gere nicht zu genau ansieht und nicht an Godards Film denkt. Doch beim nächsten Film vergißt man jede Häme:

"The Big Easy - Der große Leichtsinn" (1986) ist ein bald böses, dann wieder liebevolles Genrebild von New Orleans, der französischsten Stadt der USA. Es geht um eine attraktive Staatsanwältin, um Korruption und schwunghaften Heroinhandel innerhalb der Polizei. Schnoddrig, furios, mit einer herrlichen Musik- Mischung aus Cajun, Soul, Blues und Ragtime.

1989 erzählt McBride in seinem Film "Great Balls of Fire" die Legende vom Rock-'n'-Roll und vom prominenten Gegenspieler und Konkurrenten des King of Rock'n Roll, Jerry Lee Lewis. Der fiel drei Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg bei seinen Fans in Ungnade, weil er 1958 die 13-jährige Tochter seines Cousins ehelichte. Zwar gelang es Familie und Firma, mit diesem Schock fertigzuwerden, doch das Publikum war empört und wandte sich schroff von seinem Idol ab. Die vielversprechende England-Tournee musste Lewis vorzeitig abbrechen, zu groß waren die Proteste.

Während McBride 1992 einer sehr schwachen Story "Schatten der Leidenschaft" durch eine starke atmosphärische Schilderung Leben einhauchte, konnte die spanisch-britische Romanverfilmung "Geheimnisse" (1994) nach Arturo Perez-Reverte bei uns kaum Interesse wecken. 1997 folgten der irisch-britische Film "Der Informant" und der TV-Film "Pronto", 2000 die Biografie "Meat Loaf - To Hell and Back".

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