Joel McCrea

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Joel McCrea, Strahlemann im Wilden Westen
Joel Albert McCrea
Geboren: 05.11.1905 in South Pasadena, Kalifornien, USA
Gestorben: 20.10.1990 in Woodland Hills, Los Angeles, Kalifornien

Obwohl Joel McCrea bereits 1923 ins Filmgeschäft zunächst als Komparse einstieg und er ab 1927 erste richtige Rollen hatte, begann seine eigentliche Filmkarriere erst 1937 mit Frank Lloyds "Wells Fargo", auch "Frisco Express" genannt, in dem auch seine Frau Frances Dee mitspielte. Zwei Jahre später besetzte ihn der große Cecil B. DeMille in "Union Pacific - Diese Frau gehört mir". Zu diesem Zeitpunkt hatte McCrea schon in mehreren Dutzend Filmen vor der Kamera gestanden, bei George Cukor, Howard Hawks, King Vidor und William Wyler.

Auf seiner 1000-Hektar-Farm unweit von Los Angeles verbringt Joel McCrea soviel Zeit wie im Studio: Er ist ein Westerner von Geblüt. Seine Rinderfarm macht ihn zum Multimillionär, lange bevor er zum Leinwandhelden wird. Als Pferdebursche und Maultierkutscher beginnt er in Hollywood. Der eine Großvater - so erzählt Joel - habe noch gegen Indianer gekämpft, der andere kam während des Goldrauschs mit dem Planwagen an die Westküste. Und auch sonst führt dieser Mann ein äußerst ungewöhnliches Schauspielerleben: Als er 1990 mit 84 Jahren an einer Lungenembolie im Krankenhaus stirbt, hält ihm Frances Dee - nach 57 Jahren Ehe - die Hand.

"Niemand schreibt für mich ein Drehbuch. Man schreibt sie für Gary Cooper. Und wenn man ihn nicht kriegt, werde ich gefragt," sagt er, doch das stimmt ihn nicht traurig, er ist ein guter Freund von "Coop". Düsternis und Resignation ist nie das Ding von Joel McCrea, er ist mit sich selbst im reinen, ist nicht auf das Star-Image angewiesen.

Er spielte die Helden der amerikanischen Geschichte, Sam Housten und Buffalo Bill, Bat Masterson und Wyatt Earp - meist nicht in den großen Ausstattungsepen, sondern in kleinen und sympathischen Billigfilmen von so wunderbaren Regisseuren wie Ernest B. Schoedsack & Merian C. Cooper, Jacques Tourneur, Byron Haskin, Joseph Newman und William Wellman, der später zu einem der Großen wird.

Joel McCrea ist der Hollywoodregisseur John L. Sullivan in Preston Sturges' Satire "Sullivans Reisen" (1941). Weil er einen möglichst realistischen Film über die Armen in Amerika drehen will, hüllt er sich selbst in Lumpen, schläft in Asylen und geht betteln. Eine vorzügliche Vorstellung gibt er - unter demselben Regisseur - in der temporeichen Komödie "Palm Beach Story - Atemlos nach Florida" (1942) mit Claudette Colbert und Mary Astor, einer Komödie um eine Ehefrau, die die Unabhängigkeit anstrebt, aber mit ihr nicht fertig wird. Denn McCrea als ihr Ehemann trottet ihr verbissen, aber liebevoll hinterher. Sie trifft auf einen Millionär, der ein Prototyp männlicher Überheblichkeit ist, gerät in einen Schlafwagen an eine Jagdgesellschaft, die grölend und total besoffen den halben Zug in Stücke schießt. Und am Ende ist die Frau frustriert von ihrer Freiheit und kehrt zum trottligen, aber lieben Ehemann zurück.

Bei Alfred Hitchcock ist McCrea 1941 in "Mord" der "Auslandsreporter" Johnny Jones, der sein Land lautstark vor der braunen Gefahr warnt: "In Europa gehen die Lichter aus, wappne dich mit Stahl, Amerika!"

Man sieht Joel McCrea in den unterschiedlichsten Filmen: Da ist das Horrorspektakel "Graf Zaroff - Genie des Bösen" (1932) von Irving Pichel und Ernst B. Schoedsack, das auf einer Kurzgeschichte von Richard Connell beruht. Der Film zählt zu den Meisterwerken des Genres. Großwildjäger Rainsford ist vom Jagdfieber getrieben, dessen Ausmaße ihn selbst gelegentlich erschrecken. Bei einem Schiffbruch gerät er in die Gewalt des fürchterlichen Grafen Zaroff, ein Geisteskranker russischer Abstammung, bei dem sich das Jagdfieber pervertiert hat. Die expressionistischen Kulissen, die großen, melodramatischen Gebärden und der Sprachduktus erinnern an Stummfilme. Der Film entstand in einer Produktionspause von "King Kong und die weiße Frau" (deshalb dieselben Kulissen), zeigt wie dieser Fay Wray in der weiblichen Hauptrolle und erreichte ebenfalls Klassikerstatus.

"Infame Lügen" (1936) von William Wyler mit Merle Oberon und Miriam Hopkins beruht auf "Children's Hour", einem der bekannten und heiß umstrittenen Bühnenstücke von Lillian Hellman, der berühmten amerikanischen Schriftstellerin und Wegbegleiterin von Dashiell Hammett. Ging es im Stück um das Lügengespinst einer Schülerin, die aus dem Verhältnis zweier Lehrerinnen eine amoralische Affäre strickt, so hat Wyler in seiner ersten Verfilmung des Stoffes das gleichgeschlechtliche Verhältnis in eine Dreierbeziehung umgearbeitet. Doch dank der hervorragenden schauspielerischen Interpretation und Gregg Tolands Schwarzweißkamera wird daraus ein eindrucksvoller Film, im Gegensatz zu der ziemlich spekulativ ausgewalzten späteren Version "Infam" mit Shirley MacLaine und Audrey Hepburn.

Joel McCreas Lieblingsrollen allerdings sind immer wieder die Westerner wie in "Vogelfrei" (1949) von Raoul Walsh mit Virginia Mayo und Dorothy Malone, der in die Reihe der schönsten klassischen Werke des Genres gehört. Der 1949 unter dem Titel "Colorado Territory" gedrehte Film zeigt Joel McCrea als gehetzten Outlaw, der sich vor seinen Verfolgern in den Bergen von Colorado verbirgt.

"Revolverlady" (1950) von Louis King mit Shelley Winters, Elsa Lanchester und Marie Windsor ist ein Remake des Western-Erfolges "Der große Bluff" (mit Marlene Dietrich und James Stewart). Shelley Winters gründet mit Elsa Lanchester ("Frankensteins Braut") zur Tarnung einen Saloon, um ihre Rachegelüste zu kaschieren. Das Etablissement wird zur Attraktion des kleinen Ortes, allerdings zum Leidwesen des aufrechten Sheriffs Tom alias Joel McCrea, der sich in Frenchie verliebt, ohne etwas von ihren düsteren Hintergedanken zu ahnen.

"Wichita" (1955) von Jacques Tourneur zeigt McCrea als Wyatt Earp, der nach Wichita kommt, einer Stadt in Kansas, die durch den Anschluss an die Bahnlinie Bedeutung erlangt, aber auch Gesindel anzieht. Bei einem Banküberfall zeigt sich Wyatt als unerschrockener Revolvermann und schützt den Ort und seine Einwohner. Deshalb macht man ihn zum Sheriff. Wyatt ist dafür der richtige Mann, unerschrocken räumt er in der Stadt auf, wenn das auch nicht allen Geschäftsleuten in Wichita gefällt, weil manche von ihnen mit den Banditen miese Geschäfte machen. McCrea spielt Wyatt Earp als echten Helden.

"Sacramento" (1961) von Sam Peckinpah ist dagegen ein elegischer Abgesang auf Heldentum. In Kalifornien wird Ende des vorigen Jahrhunderts Gold gegraben. Die Western-Helden sind alt geworden. Vor den beiden Gunfightern Gill (Randolph Scott) und Steve (Joel Mc Crea) braucht kein Gringo mehr zu zittern. Mühsam kommen sie vom Pferd, die Augen sind nicht mehr so klar, das ferne Ziel kaum noch zu erkennen. Dafür erinnern sie sich an das, was einmal schön und wichtig war. Für 20 Dollar holt Steve im Auftrag der Bank Gold ab, sein Freund Gil will ihn vom ehrbaren Weg abbringen - doch Steve bleibt aufrecht.

Ein kleiner Film, wortkarg und lakonisch. Es ist eine Art Abschiedsfilm: Für Randolph Scott war es der letzte Leinwandauftritt, obwohl er noch 25 Jahre lebte, und auch Joel McCrea drehte danach nur noch zwei Filme, bevor er sich auf seine Rinderfarm zurückzog, wo er 1990 an einer Lungenentzündung starb.

Weitere Filme mit Joel McCrea: "Scaramouche" (1923), "A Self-Made Failure" (1924), "Fluten der Leidenschaft" (1926), "The Fair Co-Ed" (1927), "Der Herzschlag der Welt" (1928), "The Jazz Age", "Unsichtbare Fesseln", "So This Is College", "Dynamite" (alle 1929), "The Silver Horde", "Lightnin'", "Once A Sinner" (alle 1930), "Kept Husbands", "Born To Love", "The Common Law", "Girls About Town" (alle 1931), "Business And Pleasure", "Die letzten Vier", "Eine Schreckensnacht auf Hawaii", "The Sport Parade", "Rockabye" (alle 1932), "Scarlet River", "The Silver Cord", "Bed And Roses", "One Man's Journey", "Chance At Heaven" (alle 1933), "Die Spielerin", "Half A Sinner", "The Richest Girl In The World" (alle 1934), "Oberarzt Dr. Monet", Unser kleines Mädchen", "Woman Wanted", "San Francisco im Goldfieber", "Splendor" (alle 1935), "Two In A Crowd", "Adventure In Manhattan", "Mississippi Melodie", "Nimm, was du kriegen kannst" (alle 1936), "Assistenzarzt Dr. Kilder", "Virginia auf Männerfang", "Sackgasse" (alle 1937), "Three Blind Mice", Youth Takes A Fling" (beide 1938), "Musik fürs Leben", "Geheimagenten" (beide 1939), "He Marries His Wife", "Primrose Path" (beide 1940), "Reaching For The Sun" (1941), "The Great Man's Lady" (1942), "Stars On Horseback" (Kurzfilm), "Immer mehr, immer fröhlicher" (beide 1943), "Buffalo Bill, der weiße Indianer", "The Great Moment" (beide 1944), "Der Tod wohnt nebenan" (1945), "Der Mann aus Virginia" (1946), "Die Farm der Gehetzten" (1947), "Flucht nach Nevada" (1948), "Konterbande", "Blutiger Staub" (beide 1949), "Stars In My Crown", "Ohne Gesetz" (beide 1950), "Hollywood Story", "Der große Zug nach Santa Fé" (beide 1951), "Menschenjagd in San Francisco" (1952), "Schuss im Dunkel", "Auf verlorenem Posten" (beide 1953), "Die Teufelspassage", "Der blaue Mustang" (beide 1954), "Einer gegen alle" (1955), "Dakota", "Der Held von Texas" (beide 1956), "Fluch der Gewalt", "Der große Fremde", "Die Rache des Texaners", "Von allen Hunden gehetzt" (alle 1957), "Die Letzten der 2. Schwadron", "Drauf und dran" (beide 1958), "Wichita Town" (TV-Serie, 1959), "Schrei, wenn wir verrecken" (1970) und "Mustang, Bär und Jäger" (1976).

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