Jon Avnet

Jon Avnet hatte als Regisseur nur mit "Grüne Tomaten" großen Erfolg. Vergrößern
Jon Avnet hatte als Regisseur nur mit "Grüne Tomaten" großen Erfolg.
Fotoquelle: s_bukley/shutterstock.com
Jonathan Michael Avnet
Geboren: 17.11.1949 in Brooklyn, New York, USA

Nach einem Wirtschaftsstudium ging Jon Avnet an das American Film Institute und bekam ein Stipendium für ein Regiestudium. Seine ersten Erfolge hatte er allerdings in der Funktion des Produzenten. So zeichnete er 1983 für "Lockere Geschäfte" mit dem damals noch völlig unbekannten Tom Cruise verantwortlich. Der TV-Film "Die Trennung" (1986) markierte Avnets Einstieg ins Regiefach. Erst 1992 sollte sein zweiter Film folgen, und der wurde gleich ein Riesenerfolg. Alle Welt ließ sich von der mal amüsanten, mal sentimentalen Frauengeschichte im Whistle Stop Café rühren, wo "Grüne Tomaten" serviert und alle Menschen gleich behandelt werden. Es sei denn, er ist ein Bösewicht: Der landet auch schon einmal im Barbecue.

Sein nächster Film war eine Katastrophe in jeder Hinsicht: "Das Baumhaus" (1994) mit Kevin Costner ist eine nostalgische Jugendgeschichte aus der Zeit des Vietnamkriegs. Costner als pazifistischer Veteran gibt allerlei Belehrendes von sich. So viel erhobenen Zeigefinger wollte weltweit niemand sehen, die Einspielergebnisse waren katastrophal. Keineswegs besser war leider auch "Aus nächster Nähe" (1996) mit Robert Redford und Michelle Pfeiffer, eine überzeichnete, voller Klischees steckende Liebesgeschichte aus dem TV-Milieu.

Auch Avnets Regie-Arbeit "Red Corner - Labyrinth ohne Ausweg" (1997), ein antichinesisches Plädoyer für Demokratie, ist am besten gekennzeichnet durch die bekannte Weisheit: "Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht." Richard Gere spielte die Hauptrolle. Als Produzent oder ausführender Produzent betreute er unter anderem: "Tango und Cash" (1989), "Verrückte Zeiten" (1989), die Filmreihe "Mighty Ducks - Das Superteam" (1992, 1994, 1996), den Kostümfilm "Die drei Musketiere" (1993), das tränenlastige Säuferdrama "When a man loves a woman" (1994), die Beziehungskomödie "Miami Rhapsody" (1994), die Klamotte "George, der aus dem Dschungel kam" (1997), das Drama "Gefühle, die man sieht..." (2000), den Scifi-Thriller "Sky Captain and the World of Tomorrow" und das Krimidrama "Kurzer Prozess - Righteous Kill" (2008).

Weitere Filme von Jon Avnet: "Uprising - Der Aufstand" (2001), "88 Minutes" (2006).

Die Kunst Lügengeschichten als wahr zu erzählen: Begegnung mit Jon Avnet, dem Regisseur von "Grüne Tomaten"

Prisma: Es tut gut, eine so ruhige, im besten Sinne altmodisch poesievolle Erzählung zu verfolgen zwischen all den Hau-Ruck-Stories, die uns in den Kinos um die Ohren geknallt werden.
Avnet: Ich bin tief enttäuscht vom amerikanischen Kino, seiner Brutalität, seiner Häßlichkeit. Man sagt, das sei unterhaltsam, der Erfolg scheint das zu bestätigen, doch es hat einen schreckliche Auswirkung auf die amerikanische Gesellschaft, wobei man sagen muß, die Wirkung ist gegenseitig.

Prisma: Ich glaube, es fehlt vor allem an persönlichen Annäherungen an Geschichten, viele Filme könnten ebenso gut von einem Computer gemacht sein, man spürt keine wirkliche Regie.
Avnet: Es liegt daran, daß viele keine Beziehung zu ihrem Sujet haben. Ohne Beziehung zu einer Geschichte kann ich nicht arbeiten.

Prisma: Wie kamen Sie zum Film?
Avnet: Ich hatte beim Theater gearbeitet, habe dann einen Film inszeniert und ein Stipendium beim amerikanischen Filminstitut erhalten. Danach war ich ausführender Produzent in der Hoffnung, eines Tages eine Regie zu bekommen. Doch diese Leute haben mich reingelegt und nach drei Jahren gesagt, die Budgets seien zu hoch und sie könnten mich nicht als Regisseur verkaufen.

Prisma: Das hat dann noch eine ganze Weile gedauert, wenn "Grüne Tomaten" ihr Kinodebüt ist?
Avnet: Das Problem war vor allem: für die Filme, die ich mir vorstelle, muß ich völlig freie Hand haben und das haben in den USA nur eine Handvoll Regisseure. Anders hätte ich einen Film wie "Grüne Tomaten" aber überhaupt nicht drehen können. Das hätte schrecklich werden können.

Prisma: Haben sie am Drehbuch selbst mitgeschrieben?
Avnet: Fannie Flagg hat das Originalscript nach ihrem Roman geschrieben und ich habe es dann nach meinen Vorstellungen weiterentwickelt. Das hat sehr lange gedauert: vom September 1987 bis Drehbeginn im Juni 1991. Es hat mich insgesamt eine Menge Geld gekostet, diesen Film zu machen.

Prisma:Es ist sehr schön wie sie diese im Grunde elegisch sentimentale Geschichte immer wieder auflockern und Kitsch verhindern. Ohne einfühlsame Regie hätte das schrecklich werden können.
Avnet: Oh ja. Das Geheimnis ist im Grunde einfach: Ich wollte den Film unbedingt machen, weil ich die Charaktere liebe. Worum ich mich aber immer am meisten bemühe, ist es, einen ausgeprägten und organischen Wechsel im Ton zu erreichen. Das hält Spannung aufrecht, vor allem wenn die Story dramatisch wie humorvoll ist. Humor, schwarzer Humor besonders liegt mir und das hilft ungemein. Ich glaube, es ist mir gelungen Gefühlsduselei zu eliminieren. Emotion ist wichtig, sie darf nur nicht zur Sentimentalität werden. Ich habe gefürchtet, daß amerikanische Zuschauer über Frank Bennetts Schicksal erbost sein könnten, doch sie lachten, sie verstanden, daß das eine emotionale, nicht eine wörtliche Entwicklung ist: Eine Geschichte, die von einer Erzählerin vorgetragen wird, die eine Lügnerin ist, aber alles, was diese 82jährige Frau erzählt, nimmt man ihr ab. Lügengeschichten gehören sowieso zum Schönsten. Als Kind habe ich phantasievollsten Geschichten zusammengelogen und ich glaube, jedes Kind tut das. Und das Geheimnis ist: Lügengeschichten haben oft ihre innere Wahrheit, ihre soziale Bedeutung, können Menschen helfen und sind dann wieder höchst moralisch.

Prisma: Wo beginnt bei Ihnen eine Idee für einen Film? Jemand sagte mir einmal: Beim Klang einer Melodie, bei anderen ist es die Story selbst, wie ist das bei Ihnen?
Avnet: Der erste Schritt bei mir ist ein Gefühl und wenn das Gefühl für ein Sujet stark genug ist, dann ist das der Motor. Das ist natürlich irgendwo auch erschreckend, weil das eine recht amorphe, undefinierbare Sache ist. Ich glaube, ich habe nicht das Talent jener Regisseure, die ich bewundere wie Martin Scorsese, Bernardo Bertolucci, das einzige, was ich tun kann, ein ganz starkes Gefühl umzusetzen, hart zu arbeiten, um zu schaffen, daß dieses Gefühl deutlich wird. Wie schafft man es, die Beziehungen der Menschen untereinander glaubhaft zu machen? Die Art, wie Geheimnisse verschleiert und enthüllt werden, hat eine Bedeutung, die Schockoladeriegel, die Evelyn in sich hineinstopft, die abrupt direkte Art wie Ninny ihre Erzählungen beginnt, das ist wichtig, das macht es wohl aus, daß der Zuschauer vergißt, daß das 140 Minuten dauert. Und wenn ich Talent als Filmemacher habe, dann liegt das hierin, daß ich mich immer wieder bemühe, den Empfindungsreichtum der Figuren für den Zuschauer verständlich zu machen.

Prisma: Für eine solche Art der Annäherung an eine Geschichte bedarf es ja doch sicher eines hervorragenden Kameramanns und eines guten Schnitts?
Avnet: Ich schneide den Film selbst, den Cutter brauche ich nur fürs Handwerkliche. Kamera und Produktionsdesigner sind die wichtigsten am Set. Ich lege sehr viel Wert auf unterschiedliche Farbtöne, einige Szenen sind in einem ganz bestimmten Licht gedreht. Da gibt es von Szenen in Pastellfarben bis zu Momenten, wo die Farben ganz ausgewaschen wirken.

Prisma: Wie steht es mit dem amerikanischen Filmgeschäft? Gegenüber Europa scheint es zumindest noch zu florieren.
Avnet: Das amerikanische Kino ist reich, es hat den Amerikanern viel Geld gebracht, es dominiert die Welt, zumindest gilt das heute noch. Wie die Zukunft aussieht, wird sich zeigen, denn das Problem ist: Die Kosten geraten außer Kontrolle, die Filme werden immer teurer und die Studios haben Angst vor einem Stoff wie "Grüne Tomaten", weil es das ist, was sie einen 'Execution-Film' nennen (weil er fürs große Geschäft zu billig ist, als Flop aber ausreicht, ein kleines Studio zu ruinieren, Anm. des Autors). Bei einem Film wie diesem, der 15 Millionen Dollar kostet, muß man heute an allen Ecken und Enden sparen, bei den Statisten, den Dekorationen, immer wieder muß der Designer sich etwas einfallen lassen, um aus Kostengründen zu tricksen.

Prisma: Können die Multimillionenproduktionen eigentlich noch die Kosten einspielen?
Avnet: Einige sicher, andere nicht, doch wenn ein solcher Film floppt, dann ist der Verlust unermeßlich. Im Grunde funktioniert aber das Geschäft mit dem Film deshalb schon, weil es ja da noch die Fernseh- und Videovermaktung gibt und die ist in den USA ungleich höher als in Europa.

Prisma: In ihrem nächsten Projekt fürs Fernsehen geht es um Apartheid, und es spielen Schauspieler wie Harry Belafonte, Marlon Brando, Jane Fonda und Sidney Poitier, die sich auch privat sehr stark gegen Rassenterror eingesetzt haben. Rassismus und Ausländerhaß ist ja derzeit überall eine Gefahr.
Avnet: Es wird zur Zeit immer schlimmer, nicht nur in Deutschland, dem Irak und Bosnien, auch bei uns in den USA. Vielleicht liegt das auch daran, daß in der Politik keine Leute von Profil an der Macht sind. Wer bei uns die Wahrheit sagt, hat keine Chance, gewählt zu werden. Das ist die Wahrheit, eine schreckliche Wahrheit. Es gibt Leute, die könnten abhelfen, doch die sind nicht gefragt.

Mit Jon Avnet sprach Heiko R. Blum im August 1992.


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