Katja Riemann

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Gehört zur ersten Garde der deutschen Darstellerinnen: Katja Riemann.
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Katja Riemann
Geboren: 01.11.1963 in Kirchweyhe, Deutschland

Sie war noch Studentin, als es für sie einen Adolf-Grimme-Preis in Gold gab. Kein Zufall. Zehn Jahre später im Juni 1998 gibt es wieder Gold: der Bundesfilmpreis für die beste Schauspielerin des Jahres 1997. Ihre beiden Erfolgsfilme hießen "Die Apothekerin" und "Bandits". Aus dem "Lieschen" in Reinhard Baumgarts Faust-Inszenierung ist eine gefeierte deutsche Schauspielerin geworden, die bei den internationalen Filmfestspielen Venedig 2003 mit dem Preis als beste Darstellerin für ihre Rolle in dem zähen Drama "Rosenstraße" ausgezeichnet wurde.

Katja Riemann kommt in Bremen als Tochter eines Lehrer-Ehepaars zur Welt. Schon der Teenager erweist sich als musisches Kind: Unterricht in Ballett, Klavier, Flöte, und Gitarre. Beim Tanzstudium in Hamburg stellt sie fest, dass der Beruf des Tänzers der schwerste Beruf der Welt ist und "niemand mit dieser Ausbildung das tun kann, wonach ich mich sehnte: Tanztheater, Pina Bausch." Sie geht als Hospitantin ans Westfälische Landestheater nach Castrop-Rauxel und studiert dann vier Semester an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. In Hannover macht Katja Riemann ihr Vordiplom. Das dritte Semester ist ein Urlaubssemester, und da hat sie ihr erstes großes Engagement: Der Bühnen- und Fernsehregisseur Peter Beauvais besetzt sie in der anspruchsvollen Marga-Berck-Verfilmung "Sommer in Lesmona". Für diesen Sechsteiler erhält sie 1988 den Adolf-Grimme-Preis in Gold.

Reinhard Baumgart, der Drehbuchautor von Lesmona, empfiehlt sie Dieter Dorn für die Münchner Kammerspiele. Dort wird sie dann engagiert. Sie spielt das Lieschen im "Faust", eine Blinde in Botho Strauss' "Besucher", die Ismene in "Phaedra" von Racine. Während der Kammerspiel-Zeit hat sie auch mit Volker Schlöndorff an "Frauen vor Flusslandschaft" gearbeitet; Florian Hopf hatte eine Bühnenfassung von Heinrich Bölls Roman hergestellt. Die zweite Fernseharbeit macht sie bei einem großen Publikum bekannt: Neben Götz George und Eberhard Feik als Schimanski und Tanner spielt sie die Titelrolle im WDR-Tatort "Katjas Schweigen" - eine intelligente Person, ein junges Mädchen mit dunkler Vergangenheit, aber sehr viel Selbstwertgefühl.

Zu dieser Zeit hat Katja Riemann schon bei den Kammerspielen gekündigt. Sie möchte frei sein, sich selbst ihr Leben "zurechtbiegen" und dabei auch neue künstlerische Wege versuchen - sagte sie damals in München. Doch Freiheit ist das eine, künstlerische Besessenheit das andere: Alexander Lang. Katja Riemann spielt unter seiner Regie die Amalia in Schillers "Räuber". Alexander Lang wird ein wichtiger neuer Mentor für sie. Doch das Engagement in Berlin steht unter einem schlechten Stern: Im Schillertheater gehen die Lichter aus. Die ersten Erfolge auf dem Bildschirm haben Katja Riemann bekannt gemacht, Fernseh- und Kinoangebote sind die Folge.

Theodor Kotulla gibt ihr in "Von Gewalt keine Rede" (1990) als Nele eine sehr präzise Entfaltungsmöglichkeit. An diesem Film besticht die plausible Definition der Rolle der Frau: Ihr Verhalten ist einfach anders als das der Männer, und die reagieren mit Unverständnis, weil sie eigenen, denen der Frau zuwiderlaufenden Denkstrukturen folgen. Als sie nach der Vergewaltigung nicht mit sich fertig wird und Max, der von all dem nichts weiß, aus dem Weg geht, kommt er nur mit der typischen Floskel: So kommst du bei mir nicht weiter - so nicht - und das brüllend. Kotullas Regie-Leistung liegt vor allem darin, dass es ihm gelingt, ein genaues Psychogramm der Frau zu entwerfen, und das verdankt er Katja Riemann, einer überzeugenden Nele, die selbst den routinierten Heiner Lauterbach als Ehemann Max an die Wand spielt. Und auch Lisa Kreuzer als Erika ist eine stärkere Person als ihr Ehemann - Peter Sattmann in der Rolle des psychisch gestörten Stararchitekten. Für den Film erhält Katja Riemann eine Goldene Kamera - und sie gewinnt die Freundschaft von Peter Sattmann, ihrem Gegenspieler im Film und künftigem Gefährten im Leben.

Peter Timms Kinofilm "Ein Mann für jede Tonart" (1992) mit Uwe Ochsenknecht als Dr. Porsche bedeutet den ersten großen Kinoerfolg für Katja Riemann. Zwar fällt es schwer, ihr die Operndiva abzunehmen, doch sie setzt sich mit ihrer lebhaften, impulsiven Art gegen die Klischees der verrückten Liebesgeschichte durch. Danach reißt es nicht mehr ab: Katja von Garniers kurzer Spielfilm "Abgeschminkt!" (1993) wird - nur 60 Minuten lang - ein Überraschungserfolg im Kino und erhält überdies den Deutschen Filmpreis. Sönke Wortmanns "Der bewegte Mann" (1994) bringt die Riemann ganz nach oben. Sie schmeißt Til Schweiger aus der Wohnung, weil er nicht treu sein kann, doch als ein anderer Mann (Joachim Król) sich in ihn verliebt, wird es kompliziert.

Rainer Kaufmanns "Stadtgespräch" (1995) ist eine ihrer großen Rollen: Unter dem Motto "all das, was ihr jeden Tag heimlich tut, aber nicht zu sagen wagt" gibt Radiomoderatrin Monika Krauss ihren Zuhörerinnen - denn an die Frauen wendet sie sich vornehmlich - fromme Ratschläge. Diese Art von Komödien bedeuten zwar ständige Präsenz auf der Leinwand und Erfolg beim Publikum, doch neue Farbe und vor allem die Vielseitigkeit der Schauspielerin Katja Riemann lassen diese und ähnliche Filmrollen nicht erkennen. In Rainer Matsutanis "Nur über meine Leiche" (1995) konnte sie sich hingegen von einer anderen Seite zeigen; sie spielt neben Christoph M. Ohrt als zynischem Edelmacho Fred das Mauerblümchen Rita, das sich zur begehrenswerten Frau mausert. Und schließlich bietet ihr die Rolle der Emma in dem grässlichen Musikfilm "Bandits" die Möglichkeit, Schlagzeug zu lernen.

Weitere Filme mit Katja Riemann: "Tatort - Katjas Schweigen" (1989), "Die Distel" (1991), "Andere Umstände - Ein Baby und drei Väter" (1992), "Polizeiruf 110 - Blue Dream - Tod im Regen" (1993), "Das gläserne Haus", "Deutschlandlied", "Durchreise", "Himmel und Hölle" (alle 1994), "Küss mich!", "Nur aus Liebe" (beide 1995), "Angst hat eine kalte Hand", "Hart aber herzlich: Operation Jennifer" (beide 1996), "Comedian Harmonists" (1997), "Else - Geschichte einer Leidenschaft", "Macht", "Männer sind wie Schokolade", "Verführt - Eine gefährliche Affäre" (alle 1998), "Balzac - Ein Leben voller Leidenschaft", "Long Hello & Short Goodbye" (beide 1999), "Tatort - Die kleine Zeugin", "Goebbels und Geduldig" (beide 2000), "Girl" (2001), "Bibi Blocksberg" (2002), "Der Job seines Lebens" (2003), die Fortsetzung "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen", "Agnes und seine Brüder", "Der Job seines Lebens 2", "Bergkristall" (alle 2004), "Küss mich, Hexe!", "Die Diebin & der General" (beide 2005), "Ich bin die Andere", "Mein Führer", "Das wahre Leben" (alle 2006), "Ein fliehendes Pferd", "Up! Up! To the Sky" (beide 2007), "Romeo und Jutta", "Vulkan" (beide 2009), "Die Grenze", "Die fremde Familie" (beide 2010), "Die Relativitätstheorie der Liebe", "Der Verdingbub" (beide 2011), "Ausgerechnet Sibirien", "Das Wochenende" (beide 2012), "Verratene Freunde" (2013), "Die abhandene Welt" (2015).


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