Marco Ferreri

War immer für einen Skandal gut: Regisseur Marco Ferreri Vergrößern
War immer für einen Skandal gut: Regisseur Marco Ferreri
Marco Ferreri
Geboren: 11.05.1928 in Mailand, Italien
Gestorben: 09.05.1997 in Paris, Frankreich

Am Ende eines Arbeitstages geht der Industriedesigner Glauco zu seiner kranken Frau nach Hause. Während er das Abendessen vorbereitet, findet er einen alten Revolver und reinigt ihn. Er speist, schläft mit dem Dienstmädchen, erschießt seine Frau und verlässt mit Koffern das Haus. Mit einer Segeljacht reist er nach Tahiti. "Dillinger ist tot" von 1968, war einer der wichtigsten Filme des italienischen Regisseurs Marco Ferreri. Die innere Logik einer aberwitzigen Handlung prägte seine besten Filme. Ferreri war der Anachronismus in Person, lakonisch, frappierend wie der eben zitierte Film. Er gab sich wortkarg, reagierte auf Kritik nicht selten schroff und zynisch, erwies sich aber, wenn man einmal mit ihm ins Gespräch kam, als beredter, geistvoller Erzähler.

Ferreri hat krasse Filme gedreht, groteske und bösartige Filme, die oft mit lustvoller Konsequenz Tabus zerstörten und gesellschaftliche Normen satirisch auf die Spitze trieben. In seinem erfolgreichsten Werk "Das große Fressen" (1973) ließ er eine dekadente Gesellschaft sich zu Tode fressen, "Die letzte Frau" (1975) endet mit der verzweifelten Kastration des Helden. "Ich glaube, der Mann ist auf dem Weg in den Untergang. Es bleibt ihm nichts weiter als das pure Überleben und je schwächer er wird, um so stärker wird die Frau."

Wie eine Demonstration dieser düsteren These mutet "Affentraum" (1978) an. Hier stirbt das Männlichkeitssymbol King Kong vor dem New Yorker World Trade Center. Der ehemalige Journalist Ferreri war 1951 an der "Documenti mensili" beteiligt, einer magazinartigen Filmreihe, an der Antonioni, De Sica, Alberto Moravia, Visconti und Cesare Zavattini mitarbeiteten. 1956 ging er nach Spanien, wo er mit seinen ersten Spielfilmen "Los Chicos" (1958), "Die kleine Wohnung" (1958) und "Der Rollstuhl" (1960) wichtige Akzente für sein späteres Werk setzte. In den beiden letztgenannten Filmen geht es um die Probleme alternder Menschen, um Einsamkeit und Not und eine oft makabre Phantasie, damit fertig zu werden. Der bitterböse Witz und der harte Realismus, mit denen er seine düster poesievollen Geschichten erzählt, war hier schon voll entwickelt. Probleme des Alterns greift er etwa auch 1990 mit "Haus der Freuden" wieder auf.

Gegenüber all seinen schrillen Filmen wirkte die Bukowski-Verfilmung "Ganz normal verrückt" von 1980 seltsam leise und zurückhaltend. Ferreri reizte dieser Mann, der 1920 in Andernach geboren, in Los Angeles aus der Randgruppe der Säufer- und Penner-Szene heraus ins Rampenlicht geholt, zur Kultfigur des 20. Jahrhunderts wurde und zur Begeisterung vor allem der westeuropäischen Schikeria auf den Teppich spuckte. Eine enge Freundschaft verband seit "Dillinger ist tot" Marco Ferreri und Michel Piccoli. Der französische Theater- und Filmschauspieler trat nicht nur in zahlreichen Filmen des Italieners auf, man sah sie auch häufig privat zusammen in Paris oder Rom, in Berlin oder in Cannes, wo man Ferreri 1995 eine Werkschau widmete.

Weitere Filme von und mit Marco Ferreri: "Die Italienierin und die Liebe" (1961), "Die Bienenkönigin" (1963), "Il Professore" (Segment des Episodenfilms "Controsesso"), "La donna scimmia" (beide 1964), "L'uomo dei 5 palloni" (Segment des Episodenfilms "Oggi, domani, dopodomani"), "Marcia nuziale", "Casanova '70" (Darsteller), "Break-Up" (alle 1965), "Corrida!" (Doku, 1966), "L'harem" (1967), "Il seme dell'uomo" (1969), "Perché pagare per essere felici" (Doku, TV) , "Die Audienz" (beide 1970), "Allein mit Giorgio" (1971), "Berühre nicht die weiße Frau" (1973), "Yerma" (TV, 1978), "Mein Asyl" (1979), "Die Zukunft heißt Frau" (1981), "Die Geschichte der Piera" (1982), "I Love You" (1986), "Come sono buoni i bianchi" (1988), "Le banquet" (TV, 1989), "Fleisch" (1991), "Diario di un vizio" (1993) und "Nitrato d'argento" (1996). .


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