Max Ophüls

Meister opulenter Bilder: Max Ophüls Vergrößern
Meister opulenter Bilder: Max Ophüls
Max Oppenheimer
Geboren: 06.05.1902 in Saarbrücken, Deutschland
Gestorben: 26.03.1957 in Hamburg, Deutschland

Auch heute noch wird er vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Bilder, der Opulenz, der eigenwilligen Charaktere und der Vielschichtigkeit und -deutigkeit seiner Werke geschätzt: Max Ophüls. Als Sohns des betuchten Textilkaufmannes Leopold Oppenheimer besuchte Ophüls die Saarbrückener Kaiserlich-Königliche Oberrealschule, die er jedoch schon vor dem Abitur mit dem Wunsch, Schauspieler zu werden, verlässt. So wendet er sich nicht nur gegen die Hoffnung der Eltern, eigentlich sollte er in das Geschäft des Vaters eintreten, sondern auch gegen seine Heimatstadt. Doch letzteres versucht er zunächst vergeblich. So spielt er 1919 am Stadttheater Saarbrücken und wechselt ein Jahr später - mit dem Segen des Vaters - nach Stuttgart. Hier legt er sich schon zum Schutze der Eltern das Pseudonym Ophüls zu. Ein Name, den sich sein Lehrer, der Regisseur Fritz Holl, ausdenkt.

1921/22 hat Ophüls ein Engagement am Stadttheater Aachen, die beiden Jahre darauf am Stadttheater Dortmund. Da er aber als Schauspieler nicht sonderlich erfolgreich ist, überträgt ihm der damalige Intendant mit dem Stück "Tageszeiten der Liebe" die erste Bühnenregie. Dennoch arbeitet Ophüls auch in den nächsten Jahren immer noch als Schauspieler. So tritt er 1925 als Spielleiter und Schauspieler den Vereinigten Stadttheatern Barmen Elberfeld (heute Wuppertal) bei, wechselte aber bald ans berühmte Burgtheater in Wien. Hier wird er nach seiner vierten Inszenierung Opfer einer antisemitischen Diffamierung und erhält die Kündigung. Doch Wien hat auch Positives für Ophüls zu bieten. Er lernt die Schauspielerin Hilde Wall kennen, die er 1926 heiratet und die am 1. November 1927 in Frankfurt am Main den gemeinsamen Sohn Marcel, den späteren Dokumentarfilmer, zu Welt bringt.

In Frankfurt arbeitet Max Ophüls am Neuen Theater. Für die Spielzeit 1928/29 geht er an die Vereinigten Theater in Breslau. Dort bleibt er bis 1931. Dann folgt er dem Ruf nach Berlin an die Meinhard-Bernauer-Bühnen, gefolgt von einer Inszenierung am Lessing Theater. Zwischendurch ist er auch für das Berliner Kabarett Katakombe tätig, arbeitet immer wieder für den Hörfunk und als Kolumnist. Mit dem Film kommt er erstmals in Berührung, als man ihm die Dialogregie und die Regieassistenz für den Film "Nie wieder Liebe" unter der Regie von Anatole Litvak überträgt. Dannach geht es Schlag auf Schlag: Für die UFA inszeniert Ophüls den Kurzfilm "Dann schon lieber Lebertran" nach einem Buch von Erich Kästner. Mit der Abend füllenden Komödie "Die verliebte Firma" packt Ophüls 1932 gleich einen Stoff über das Filmemachen an. Hier bezieht sich der Humor daraus, dass bei einem Filmprojekt das Hauptdarstellerpaar derart verkracht, ist, dass ständig Drehtage verpatzt werden.

Anschließend verfilmt er mit "Die verkaufte Braut" die gleichnamige komische Oper von Smetana. Hier sorgt vor allem das Komiker-Duo Karl Valentin und Liesl Karstadt für zusätzliches Vergnügen. Mit "Lachende Erben" kommt es 1933 zu der schon länger anvisierten Zusammenarbeit mit Heinz Rühmann, der hier den trinkfreudigen Neffen eines gealterten Sektfabrikanten und Junggesellen mimt, der nur Erben darf, wenn er es schafft, vier Wochen lang keinen Alkohol zu trinken. Mit "Liebelei" (ebenfalls 1933) nach einem Theaterstück von Arthur Schnitzler schafft Ophüls zwar endlich auch künstlerisch seinen Durchbruch, doch die inzwischen in Deutschland regierenden Nazis machen es dem jüdischen Regisseur unmöglich, weiter unter diesem Regime zu arbeiten. So emigriert Ophüls einen Tag nach dem Reichstagsbrand zunächst nach Frankreich, unternimmt aber auch filmische Abstecher nach Italien und den Niederlanden. Von einem Aufenthalt nach Moskau, wo er einen Zwei-Jahres-Vertrag erhalten soll, kehrt er nach nur zwei Monaten frustriert zurück.

Obwohl sich einige Projekte nicht verwirklichen lassen, entstehen in dieser Zeit Werke wie der Dekorfilm "Zärtliche Feindin", der von Brechts "Dreigroschenoper" inspirierte "Komödie ums Geld" (beide 1936), das Melodram "Yoshiwara" (1937), "Werther" (1938) - eine freie Adaption des Goethe-Werkes -, "Von Mayerling bis Sarajewo" (1940) über die letzten Tage des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand bis zum Attentat in Sarajewo, und "Ohne ein Morgen" (beide 1940) vor dem Hintergrund des Kabarett-Milieus im Pariser Montmartre. Im Kriegsjahr 1941 - obwohl inzwischen eingebürgerter Franzose und Mitglied der französischen Armee - flieht Ophüls erneut vor den Nazis zunächst in die Schweiz, wo er am Zürcher Schauspielhaus zwei Stücke inszeniert. Da er in der Schweiz aber keine Arbeitserlaubnis erhält, muss er weiterziehen. Diesmal geht er unter großen Gefahren über Frankreich, Spanien und Portugal für acht Jahre in die USA.

Doch die Traumfabrik hat für Ophüls zunächst keine Verwendung. Er lebt lange von der Unterstützung des United Jewish War Relief. Mit seinem Freund Erich Pommer will er 1943 den Film "The Man Who Killed Hitler" drehen, doch man kann die Gelder für das Projekt nicht auftreiben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhält Ophüls seinen ersten Regievertrag in den USA. Doch die Regie zu "Vendetta" wird schon nach wenigen Tagen wegen Meinungsverschiedenheiten mit Produzent Howard Hughes an Preston Sturges übergeben. 1947 dreht Ophüls das gelungene Kostüm- und Fecht-Abenteuer "Der Verbannte" (1947) mit Douglas Fairbanks jr., in dem im 17. Jahrhundert Oliver Cromwell mit seinen Leuten den Sohn des enthaupteten Karl sogar noch ins niederländische Exil verfolgt. 1948 folgen "Brief einer Unbekannten" und mit"Gefangen" ein exzellent gespieltes Melodram mit James Mason, der auch in dem 1949 gedrehten "Schweigegeld für Liebesbriefe" die Hauptrolle übernimmt.

Nach Frankreich zurückgekehrt, gelingen Ophüls einige seiner besten Filme wie "Der Reigen" (1950), "Pläsier" und vor allem sein letzter Film "Lola Montez" (1955), ein opulentes Filmmahl um Lust, Leid und Liebe, das gegen seinen Willen in Frankreich gekürzt wird. Seit 1954 übernimmt Ophüls auch wieder Hörspielregiearbeiten für den Südwestfunk in Baden-Baden und den Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Außerdem übernimmt er auf Wunsch Gustaf Gründgens die Regie zu "Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit" am Hamburger Deutschen Schauspielhaus. Am Tag der Premiere (5. Januar 1957) wird Ophüls ins Krankenhaus eingeliefert, wo er knapp drei Monate später stirbt. Beerdigt wird er aber in Paris, auf dem Freidhof Père-Lachaise. Seine Autobiographie "Spiel im Dasein" wurde erst 1959, zwei Jahre nach seinem Tod veröffentlicht. In Würdigung der Verdienste des Regisseurs vergibt die saarländische Landeshauptstadt Saarbrücken jährlich den Max Ophüls Preis. Ziel ist die Auszeichnung und Förderung von Nachwuchs-Regisseuren und -Regisseurinnen im deutschsprachigen Raum.

Weitere Filme von Max Ophüls: "Une histoire d'amour" (die französischer Version von "Liebelei", 1933, "On a volé un homme", "Eine Diva für alle" (beide 1934), "Divine", "La valse brillante" (Kurzfilm), "Ave Maria de Schubert" (Kurzfilm), "La tendre ennemie" (alle 1935) und "Madame de ..." (1953).

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