Die scharfkantige Vorwitznase aus dem Westfälischen gab fünf Jahre lang bis 1997 seinen komödiantischen Senf in der dann eingestellten "RTL-Samstag-Nacht"-Show dazu (Bayerischer Filmpreis 1994). "News", "Bruder Gottfried", "Derrick" oder "Kentucky Schreit Ficken" lauteten seine festen Rubriken. Das prägt. Der gelernte Bühnenschauspieler ernster Rollen (Schauspielschule Bochum) liebäugelt immer wieder mit dem Kabarett und schreibt sich sein Bühnen-Programm selbst auf den kräftigen 1.90-Meter-Leib. "TV To Die" heißt sein Erstlingswerk in Taschenbuchform, und in 2000 feilt der Ex-Comedian an seinem Soloabend "Alles anders", das im Herbst 2001 auf CD erscheint. Zwei Jahre später kommt die CD "Langstreckenlauf" in die Läden.

Anders verhielt sich Jürgens auf jeden Fall als die meisten seiner "Tatort"-Kollegen. Nach nur sechs Folgen als SFB-Kommissar Robert Hellmann verließ Jürgens im Juni 2000 nach nicht einmal zwei Jahren das Popularitätskarussell (neben Dominic Raacke) und machte Platz für den putzigen Kleinen: Boris Aljinovic. Der Wunsch nach Abwechslung wurde als Grund für die frühe Quittierung seines zur Prime Time genannt. Fernsehen bedeutet für Jürgens viel, aber eben nicht alles.

Er spielte etwa den Tybalt in "Romeo und Julia", später am Theater des Westens in Berlin in der "Dreigroschenoper", gastierte in Shakespeare-Dramen in Bremen, jobbte als Aussteiger und Bierzapfer in Bochum und ging Mitte der Neunziger für drei Jahre ans Schauspielhaus Köln, wo er auch mit Chansonabenden (Texte: Charles Bukowski; Musik: Jacques Brel) auftrat. 1991 holte ihn Adolf Winkelmann für das Kino-Werk "Nordkurve". Jürgens spielt in dem Fußballdrama einen Hooligan. Es folgten der TV-Film "Brandheiß" und "Nacht der Frauen" (1993). Sönke Wortmann setzt 1997 auf den Hünen für die Uni-Satire "Der Campus" (mit Heiner Lauterbach). Jürgens gibt den ebenso findigen wie charmanten Leiter Heribert Kurtz des Uni-Fachbereichs Deutsch für Ausländer.

In Thomas Jahns Kinokrimi "Kai Rabe gegen die Vatikan-Killer" (1998) mimt er den geplagten Regisseur Rufus Lindner, der ein Mordopfer in seiner Schauspieler-Crew zu beklagen hat. Der Kinderfilm "Katja und der Falke" (1999) zeigt ihn in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle als Lkw-Fahrer zwischen Dänemark und Italien, der keine Ahnung von seinen blinden Passagieren Katja und ihrem Falken Kiik hat.

Stefan Jürgens hat mit Frau, drei Kindern und diversen Haustieren Ibiza zu seiner Wahlheimat gemacht, wo in den Drehpausen gerne Feste gefeiert werden, heißt es. Weitere Filme mit Stefan Jürgens: "Tatort - Krokodilswächter" (1996), die Verfilmung der Münchner Bus-Katastrophe "Der Todesbus", "Mein ist die Rache" (beide 1997), "Männer sind wie Schokolade", "Die Friseuse und der Millionär", "Männer und andere Katastrophen" (alle 1998), "Tatort - Dagoberts Enkel", "Tatort - Tödliches Labyrinth", "Das Rätsel des blutroten Rubins" (alle 1999), "Tatort - Von Bullen und Bären", "Tatort - Blüten aus Werder", Marc Rothemunds wenig gelungene Pubertäts-Komödie "Harte Jungs", "Aktion 2/9" (Kurzfilm), "Thrill - Spiel' um dein Leben", "Männer sind zum Abgewöhnen", "Tatort - Das letzte Rodeo", "Tatort - Der Trippler", "Ich pfeif auf schöne Männer" (alle 2000), "Liebe darf alles", "The Musketeer", "Diggity - A Home at Last" (alle 2001), "Was nicht passt, wird passend gemacht", "666 - Trau keinem, mit dem du schläfst", "Oesters van Nam Kee", "Mord an Bord" (alle 2002), "Drei für Robin Hood", "Espresso", "Das unbezähmbare Herz" (alle 2003), "George und das Ei des Drachen", "Die Wette", "Mein Chef und ich" (zehnteilige Comedyserie), "Mensch Mutter" (alle 2004), "Plötzlich berühmt" (2005), "Die Krähen" (2006), "Ich leih' mir eine Familie", "Tatort - Unter uns", "Ossi's Eleven" (alle 2007), "Unter Umständen verliebt" (2011).