Taylor Hackford

Vielseitiger Regisseur mit Hang zum Dokumentarischen: Taylor Hackford Vergrößern
Vielseitiger Regisseur mit Hang zum Dokumentarischen: Taylor Hackford
Taylor Hackford
Geboren: 03.12.1944 in Santa Barbara, Kalifornien, USA

Für seinen Kurzfilm "Teenage Father" erhielt Taylor Hackford 1978 den Oscar. Das gibt dem aufstrebenden jungen Fernsehmann die nötige Reputation. Zu der Zeit hatte der 33-jährige schon eine ganze Reihe von Lebenserfahrungen hinter sich.Taylor Hackford studierte zunächst Politologie. Als Entwicklungshelfer in Bolivien lernte er spanisch und machte sich mit der reichen spanischen Kultur vertraut. Er fasste den Entschluß, sich den Medien zuzuwenden. Er fing ganz unten an, sortierte Post, machte Handlangerarbeiten und hatte dann die Chance, selbst fürs Programm zu arbeiten.

Mit Beiträgen über Rock-'n'-Roll-Veranstaltungen und Aufzeichnungen von Konzerten wurde er zum Profi, dann wendete er sich dem Tagesgeschehen zu. Bereits hier bekam er mehrere Anerkennungen und Auszeichnungen, darunter zwei Emmy-Awards. In vielfach preisgekrönten abendfüllenden Dokumentarfilmen über Leben und Werk exponierter Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Kultur und Politik fand er seinen Weg. Das Dokumentarische, die Realität blieb auch für seine Spielfilmarbeit später sein Credo.

1980 gab Hackford sein Kinodebüt mit "Alle meine Stars", ein am Dokumentarfilm orientiertes Porträt der Popmusikszene. Bereits sein zweites Werk "Ein Offizier und Gentleman" (1982) war sowohl Publikums- wie Kritikererfolg. Der Film, der vier Oscar-Nominierungen erhielt - Nebendarsteller Lou Gossett jr. erhielteinen der beiden Oscars - spielte 100 Millionen Dollar ein. Er erzählt die rührende Geschichte von einem heimat- und bindungslosen jungen Mann, der auf dem Offizierslehrgang vom egoistischen Einzelgänger zum verantwortungsbewussten 'Gentleman' erzogen wird. Richard Gere ist der amerikanische Held, und Debra Winger steigt an seiner Seite mit nach oben. Brillant gemacht, ist der Film in der Idealisierung der Militärerziehung dennoch fragwürdig.

"Gegen jede Chance" (1983/84) ist ein Remake von Jacques Tourneurs berühmtem Film "Goldenes Gift": Jeff Bridges als entlassener "Football"-Star verfällt einer neurotischen Millionärin und gerät in ein Netz von Intrigen, denen er nur knapp entkommt. In seinem vierten Spielfilm "White Nights - Nacht der Entscheidung" (1985) wendete sich Taylor Hackford wieder der Musikszene zu. Im Mittelpunkt steht ein in den Westen geflohener russischer Ballettänzer, der durch eine Notlandung wieder auf russischen Boden gelangt, und von einem schwarzen Steptänzer, der während des Vietnamkrieges in den Osten geflohen war. Zusammen wollen sie in den Westen türmen. Der starbesetzte Film - neben Mikhail Barischnikow spielen Gregory Hines, Helen Mirren und Isabella Rossellini - ist von der üblichen Kalte-Kriegs-Tendenz Hollywoods geprägt.

Stilsicherer ist Hackford, wenn er sich mit Musikthemen befasst, so bei der Dokumentation über Rock'n Roll-Legende Chuck Berry "Chuck Berry Hail! Hail! Rock 'n' Roll" (1987) und dem von ihm produzierten Film "La Bamba" (1987) über den sehr jung verunglückten kalifornischen Rocksänger Ritchie Valens. Hackford kannte den Regisseur und Produzenten Daniel Valdez vom Fernsehstudio, wo er bereits zwölf Jahre zuvor den Film im Kopf hatte. Gemeinsam mit Valdez spürte er die Familie des Künstlers in Venezuela auf und sicherten sich deren Unterstützung. In "Verschworen auf Leben und Tod" (1993) - der Film wird bei uns als "Blood in... Blood Out" verliehen - erzählt Taylor Hackford die Geschichte von drei Mitgliedern einer Chicano-Gang in East Los Angeles. Der Film umschließt einen Zeitraum von zwölf Jahren und schildert die Lebensläufe, die sich trennen und kreuzen. Das Ganze dauert drei Stunden und ist dramaturgisch hervorragend gestaltet. Die amerikanische Kritik und das Publikum dachten anders, der Film wurde ein Flop.

1995 entstand die aufregende Stephen King-Verfilmung "Dolores", Taylor Hackfords wohl bislang bester Spielfilm. Zwanzig Jahre lang hat die Reporterin Selena St. George ihre Mutter Dolores Clayborne nicht gesehen, in der festen Überzeugung, dass diese beim Unfalltod ihres Vaters die Hände im Spiel hatte. Nun hört Selena, dass ihre Mutter einen Mord begangen haben soll und deswegen vor Gericht gestellt wird. Mit gemischten Gefühlen reist die Reporterin an jenen kleinen Ort auf der Insel Maine, wo die Mutter lebt. Die Begegnung zwischen Mutter und Tochter wird zu einer Reise in die Vergangenheit. Unbarmherzig hart geht Selena mit Dolores um, glaubt ihrer Mutter nichts, hat sie doch selbst die Schatten der Vergangenheit verdrängt: Den Vater, der ihr soviel seelische Schmerzen zugefügt hat, behielt sie in verklärtem Blick, aller Lebensüberdruss traf die Mutter, die sie verachtete.

Drehbuchautor Tony Gilroy schrieb Stephen Kings Romanvorlage völlig um. Ihm und Regisseur Taylor Hackford verdanken wir einen atmosphärisch dichten und einfühlsam inszenierten Film, in dem auch die Musik von Danny Elfman eine dramaturgisch wichtige Rolle spielt. Erstaunlich ist die Haltung gegenüber den Frauen, wie man sie sonst nur von Filmemacherinnen kennt: Sie haben in der Männerwelt nur eine Chance, wenn sie sich brutal zur Wehr setzen. Mehrfach heißt es: "Manchmal muss man eine Hexe sein, um als Frau durchzuhalten". Taylor Hackfords Film ist brillant besetzt: Kathy Bates spielt die Dolores nicht nur glaubwürdig über einen Filmzeitraum von 20 Lebensjahren hinweg, ihr mürrisch abgehärmtes Gesicht strahlt für Momente in wunderbarer Schönheit. Ihr ebenbürtig ist Jennifer Jason Leigh als Selena: Kalt, schön, süchtig, gefährdet, kehrt plötzlich in ihren Zügen Ruhe ein, wenn sie ihre Mutter verstanden hat und mit ihr ausgesöhnt ist. Ungewöhnlich auch Christopher Plummer in der Rolle des altgedienten Polizeidetektivs, dessen ganzer Ehrgeiz nicht in der Aufklärung des Falles liegt, sondern in der Wiedergutmachung eines Makels, der seine Karriere überschattet.

Eine der bemerkenswerten Arbeiten von Taylor Hackford ist 1996 die Entdeckung von Leon Gast. Dessen Film "When We Were Kings" über die Boxlegende Muhammed Ali und seinen Kampf gegen George Foreman von 1974 produziert er, nachdem das Werk 20 Jahre lang unvollendet in der Schublade gelegen hatte. Der Film erhält einen Preis auf dem Sundance Festival und den Oscar 1997. 1997 entsteht der Horrorfilm "Im Auftrag des Teufels". Ein begabter junger Anwalt (Keanu Reaves) kommt nach Manhattan, wo er in eine äußerst renommierte Kanzlei einsteigen kann. Doch sein Chef (Al Pacino) setzt den ehrgeizigen Mann auf Fälle an, die eigentlich jeder Berufsethik Hohn sprechen. Gleichzeitig kommt die Frau des Anwalts (Charlize Theron) unter satanischen Einfluß. "Im Auftrag des Teufels" ist nicht allein ein gut funktionierender Horrorfilm, der seine Schockeffekte wohldosiert und deshalb um so wirkungsvoller einsetzt. Das Werk ist auch ein boshafter Kommentar zum amerikanischen Rechtssystem: alles Teufelswerk.

2000 drehte Hackford "Lebenszeichen - Proof of Life", eine unausgegorene Mixtur aus Drama und Thriller mit Oscar-Preisträger Russell Crowe und Meg Ryan. Brillant dagegen ist seine Regie-Arbeit "Ray" (2004), ein Film über die Musiklegende Ray Charles. nach dem eher durchschnittlichen Drama "Love Ranch - Wahrheit und Liebe" (mit seiner Ehefrau HelenMirren" entstand "Parker", ein harter Actionreißer mit Jason Statham und Jennifer Lopez.

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