Trevor Howard

Trevor Howard als Captain Bligh in "Meuterei auf der Bounty" Vergrößern
Trevor Howard als Captain Bligh in "Meuterei auf der Bounty"
Trevor Wallace Howard
Geboren: 29.09.1916 in Cliftonville, Kent, Großbritannien
Gestorben: 07.01.1988 in Bushey, Hertfordshire, England, Großbritannien

Als Schauspieler ist er der romantische Typ wie in David Leans "Begegnung" (1945) gleich nach dem Krieg: Ein junger Mann mit abgrundtief traurigen Augen und einem freudlosen Gesicht, in dem die schmerzhaften Zeichen der Vergangenheit jede Hoffnung auf künftiges Glück zunichte machen. Howard kennt die Situation als ehemaliger Fallschirmspringer und Luftwaffenoffizier im Zweiten Weltkrieg. So besetzt man ihn häufig als britischen Offizier, etwa in dem aufregend realistischen Gangsterfilm "Sträfling 3312" (1947) von Alberto Cavalcant, dem berühmten brasilianischen Dokumentaristen und im legendären "Der dritte Mann" (1949) von Carol Reed. Reed war auch der Regisseur von Howards Debütfilm "The Way Ahead" (1944).

In den Endvierziger Jahren beginnt sich dann langsam die wirkliche Karriere des Schauspielers abzuzeichnen, der immer wieder überzeugend das schicksalhafte Scheitern von Abenteurern porträtiert. Immer häufiger sieht man Howard in der Rolle solch gebrochener Figuren, die zum Höchsten und Gemeinsten fähig sind und deren Niederlage am Ende meist im Vergleich zu ihren Fähigkeiten unendlich schäbig ist. In Cliftonville in Kent wird Trevor Howard 1916 geboren. Sein Vater ist Engländer, seine Mutter Kanadierin schottischer Abstammung. Kurz nach seiner Geburt kommt Trevor Howard nach Colombo auf Ceylon, wo er bis zu seinem achten Lebensjahr aufwächst. Die Schule besucht er in England, das Clifton College, wo Michael Redgrave sein Klassenkamerad ist. Nach der Schulzeit besucht er die Londoner Royal Academy of Dramatic Arts, und erregt Aufsehen, als er bereits während des letzten Jahres auf der Akademie eine Hauptrolle auf einer Londoner Bühne spielt.

Bis zum Kriegsausbruch steht er fast ausschließlich in klassischen Rollen auf verschiedenen Londoner Bühnen, schließlich am Old Vic und ab 1939 ist er Mitglied des Shakespeare-Ensemble in Stratford-upon-Avon an. Dann bricht der Zweite Weltkrieg aus, und Trevor Howard wird eingezogen. Als Fallschirmjäger macht er die Invasion auf Norwegen und Sizilien mit. Nach dem Krieg und den ersten Bühnen-Engegements spielt er im ersten Film, in Carol Reeds "The Way Ahead" (1944), danach bei Anthony Asquith "The Way to the Stars" (1945). Mit Reed dreht er auch nach dem "Dritten Mann" die Joseph-Conrad-Verfilmung "Der Verdammte der Inseln" (1951), den Film "Der Schlüssel"(1958) nach Jan de Hartog, mit William Holden und Sophia Loren.

In "Die Verdammten der Inseln" spielt er den Peter Willems, der aus der Gosse kommt. Er hat bei der niederländischen Handelsgesellschaft Unterschlagungen gemacht, doch der gütige Kapitän Lindgard gibt dem gestrauchelten noch einmal einen Vertrauensposten auf einer Südseeinsel. Aber wieder enttäuscht Willems: Er missbraucht das Vertrauen des blinden alten Häuptlings und verführt dessen geliebte Tochter, verrät die geheimgehaltene Schiffahrtsroute seines Gönners an einen arabischen Händler. Carol Reeds Film besticht durch die ausgezeichnete Schwarzweißfotografie, die Klima und Atmosphäre eindringlich erfasst. Ralph Richardson spielt den Gönner und die Araberin Kerima die exotische Schönheit.

In den Fünzigerjahren ist Howard häufig auch der romantische Held als Protagonist, umgeben von schönen Frauen. So ist der der fehlbare Hartry Scobie in der Grahame-Greene-Verfilmung "Das Herz aller Dinge" (1953) mit Maria Schell. In Lewis Milestones Remake von "Meuterei auf der Bounty" (1962) spielt er neben Marlon Brando den Captain Bligh oder in "Colonel von Ryan's Express" (1964) von Mark Robson den Gegenspieler von Frank Sinatra. Es ist die Geschichte um die 1943 gelungene Massenflucht allierter Soldaten aus einem italienischen Kriegsgefangenenlager. Sinatra ist der amerikanische Offizier, Howard der englische Major: Er ist unnachgiebig und sieht das Taktieren des Amerikaners als Verrat an. Es ist ein schwelende Auseindersetzung zwischen den beiden Hauptfiguren.

In "Ryans Tochter" (1969) von David Lean ist er der Bauernpriester. Es ist ein Dorf an der irischen Küste, es geht um irische Aufständische. Sarah Miles und Robert Mitchum spielen ein Paar, dessen Ehe in diesem Konflikt zerstört werden wird. Trevor Howard wird in seinen Altersrollen immer skurriler, dieser trockene Sarkasmus, der ihn immer begleitet, nimmt zu, seine so sparsam eingesetzten Gesten und Mimik machen ihn zu einem der ganz feinnervigen Schauspieler und in den Altersrollen hat er etwas Absonderliches, Kauziges. Beispielweise der Richard Wagner in Viscontis "Ludwig II." (1972), der verbannt wird, dem die ganzen Unterwürfigkeiten, die er leisten muss, letztlich in seiner Eigenwilligkeit und Größe so gar nichts anhaben können.

Oder in Alain Tanners "Lichtjahre entfernt" (1981) spielt er den sonderlichen Alten, der im irischen Moor Flugapparte baut, selbst fliegt, und so unbeirrbar und stur und ganz bei sich ist. Listig blickt er aus den Augenwinkeln, aber fast so etwas wie Weisheit liegt auch in seinem Blick. Zu Trevor Howars wichtigen Filmen gehören auch Michael Andersons "In 80 Tagen um die Welt" (1956), Guy Hamiltons "Manuela" (1957), John Hustons "Die Wurzeln des Himmels", Bernhard Wickis Kennwort: Morituri (1964), Tony Richardsons "Der Angriff der leichten Brigade" (1968), Sidney Lumets Sean-Connery-Film "Sein Leben in meiner Gewalt" (1972), Jack Golds "Schlacht in den Wolken" (1976) und Richard Attenboroughs "Gandhi" (1981).

Weitere Filme vmit Trevor Howard: "Achtung: grün!", "I See A Dark Stranger" (beide 1946), "Unvergessene Jahre" (1947), "Die große Leidenschaft" (1949), "Der goldene Salamander" (1950), "Odette", "Auf falscher Spur", "Der Ritt der Lady Godiva" (alle 1951), "The Stranger's Hand", "Ein Fressen für die Fische" (beide 1952), "Nächte in Lissabon" (1955), "Himmelfahrtskommando", "Der Sonne entgegen" (beide 1956), "Der Mann, den keiner kannte", "Stowaway Girl" (beide 1957), "Malaga", "Söhne und Liebhaber" (beide 1960), "Patricia und der Löwe" (1962), "Hedda Gabler", "The Invinvible Mr. Disraeli", "Plädoyer für einen Mörder" (alle 1963), "Der große Wolf ruft", "Geheimaktion Crossbow" (alle 1964), "L - Der Lautlose" (1965), "Mohn ist auch eine Blume" (1966), "Der Kampf", "Spion zwischen zwei Fronten" (beide 1967), "Luftschlacht um England" (1969), "Die Entführung des David Balfour", "Papst Johanna", "Maria Stuart, Königin von Schottland" (alle 1971), "Katholiken" (1973), "Brillanten und Kakerlaken", "Der Graf von Monte Christo", "Der Mann aus Metall" (1974), "Ein Mann namens Hennessy" (alle 1974), "Die Schande des Regiments" (1975), "Meteor" (1977), "Hurricane", "Superman" (1978), "Die Seewölfe kommen" (1979), "Der Missionar" (1983), "Camelot - Der Fluch des goldenen Schwerts" (1984), "Im Herzen des Landes" (1985), "Frohe Weihnacht, Mrs. Kingsley", "Peter der Große", "R.A.M.S. - Drei Frauen und kein Baby" (alle 1986), "Die letzten Tage in Kenya" (1987), "Der Fremde am Strand" und "Unholy - Dämonen der Finsternis" (beide 1988).

Zur Filmografie von Trevor Wallace Howard
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