Lebensmittel: Siegel der Exklusivität

Geschützt und geschätzt: Marken mit dem Ritterschlag der EU

Seit 1997 - allerdings nur in der EU - geschützt: das Kölsch
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Jetzt knallen sie wieder, die Champagnerkorken. Das festlichste aller Getränke hat Konjunktur. Schließlich will man sich zu Weihnachten und Silvester was Besonders gönnen. Und tatsächlich, wer Champagner trinkt, hat Exklusives im Glas, denn nur der Schaumwein, der in der französischen Weinbauregion Champagne angebaut wird, darf sich mit dem werbewirksamen Namen schmücken.

Dabei bezeichneten die Winzer früher ihren Schaumwein als "Wein des Teufels". Wären die Engländer im 17. Jahrhundert nicht so versessen auf den prickelnden Tropfen gewesen, der ungeliebte Cham­pagner wäre nie zum Synonym für Luxus und das erfolgreichste geografisch geschützte Markenzeichen der Welt geworden.

Aber auch Cognac, Parma-Schinken, Aachener Printen, Spreewälder Gurken und Lübec­­ker Marzipan sind erfolgreiche Produkte mit geschützer geografischer Herkunft – amtlich mit dem Siegel der EU-Kommission versehen und registriert beim Deutschen Patent- und Markenamt in München.

Warum ist es überhaupt wichtig, die Herkunft eines Produktes schützen zu lassen? Das erklärt Wolfgang Hesse vom Schutzverband Dresdner Stollen, in dem 140 Bäcker der sächsischen Landeshauptstadt zusammengeschlossen sind: "Unser Stollen hat sich wie jedes andere Markenprodukt weltweit einen guten Ruf erworben. Und den wollen wir bewahren."

Es geht also ums Geschäft. Zwar schmeckt auch ein Rheinischer Christstollen, doch die hohe Bekanntheit des Traditionsmarke aus Sachsen macht den Dresdner auch international zum Verkaufsschlager.

67 Lebensmittel sind zur Zeit in Deutschland geschützt. Darunter jede Menge Bier wie Kölsch oder Wernesgrüner. Im November kamen Bayerischer Leberkäs und Altbayerischer Senf frisch hinzu.


Manche Lebensmittel mit geografischen Angaben sind geschützt. Zum Beispiel:

  • Kölsch Die helle, obergärige Bierspezialität aus dem Rhein­land wurde 1997 von der EU geschützt. Dieser Schutz gilt allerdings nur in EU-Staaten. In der Türkei, Amerika und Japan wird Kölsch vielfach kopiert.

  • Aachener Printen Als Botschafterin der Karlsstadt wirbt die Printe weltweit – und zwar von der EU geschützt. Schoko- und Mandelprinten sind der Renner wie auch die legendäre Aachener Prinzess-Printe.

  • Nürnberger Rostbratwurst Sie ist sieben bis neuen Zentimeter lang bei einem Durchmesser von eineinhalb Zentimeter. Die Bratwurst, die nur dann den bekannten Namen tragen darf, wenn sie im Stadtgebiet Nürnbergs hergestellt wurde.

  • Dresdner Stollen Zwei Millionen Stück mit einem durchschnittlichen Gewicht von vier Pfund und einem Preis von ca. 20 Euro werden im Jahr weltweit verkauft. Amerikaner sollen das Weihnachtsgebäck auch mit Leberwurst mögen.

In allen Fällen handelt es sich um Produkte mit langer Geschichte, deren Qualitätsstandards nachweislich genau eingehalten werden. Der holländische Gouda-Käse steht auf der Warteliste und soll bald im erlauchten Kreis der großen Regionalis­ten aufgenommen werden. Von der geschützen Herkunft profitiert die Region zweifach. Die Champagne im Nord­osten Frankreichs verzeichnet steigende Touris­­t­en­zahlen.

Kultur und Kulinarik heißt das Konzept: Leckeres Essen, Kellereibesichtigungen und Cham­pag­ner-Verkostungen.

Davon träumt man auch im fränkischen Steigerwald. Wenn auch weniger exklusiv. Jedenfalls hat die Teichgenossenschaft Neustadt/Aisch-Scheinfeld-Uffenheim bei der EU den geografischen Schutz für den Aischgründer Karpfen beantragt. Eine Spezialität, die in über 1000 Teichen heranwächst.

Michael Rabenstein vom Tourismusverband hofft auf mehr Gäste. An der Kreativität der Gastronomen soll es nicht scheitern. Karpfen-Sushi und eine Bratwurst aus dem Fleisch des schlickliebenden Teichbewohners findet sich auf Speisekarten. Ob das der Region hilft, bleibt allerdings abzuwarten.

Allerdings kann nicht jedes Lebensmittel, das sich mit einer Ortsbezeichnung im Supermarkt präsentiert, von der EU geschützt werden. Rügenwalde liegt in Pommern, das heute zu Polen gehört. Doch die Teewurst, die sich mit diesem Namen schmückt, wird seit Jahren in Bad Zwischenahn hergestellt. Und das liegt bekanntlich bei Oldenburg.


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