![]() |
Dabei bezeichneten die Winzer früher ihren Schaumwein als "Wein des Teufels". Wären die Engländer im 17. Jahrhundert nicht so versessen auf den prickelnden Tropfen gewesen, der ungeliebte Champagner wäre nie zum Synonym für Luxus und das erfolgreichste geografisch geschützte Markenzeichen der Welt geworden.
Aber auch Cognac, Parma-Schinken, Aachener Printen, Spreewälder Gurken und Lübecker Marzipan sind erfolgreiche Produkte mit geschützer geografischer Herkunft – amtlich mit dem Siegel der EU-Kommission versehen und registriert beim Deutschen Patent- und Markenamt in München.
Warum ist es überhaupt wichtig, die Herkunft eines Produktes schützen zu lassen? Das erklärt Wolfgang Hesse vom Schutzverband Dresdner Stollen, in dem 140 Bäcker der sächsischen Landeshauptstadt zusammengeschlossen sind: "Unser Stollen hat sich wie jedes andere Markenprodukt weltweit einen guten Ruf erworben. Und den wollen wir bewahren."
Es geht also ums Geschäft. Zwar schmeckt auch ein Rheinischer Christstollen, doch die hohe Bekanntheit des Traditionsmarke aus Sachsen macht den Dresdner auch international zum Verkaufsschlager.
67 Lebensmittel sind zur Zeit in Deutschland geschützt. Darunter jede Menge Bier wie Kölsch oder Wernesgrüner. Im November kamen Bayerischer Leberkäs und Altbayerischer Senf frisch hinzu.
In allen Fällen handelt es sich um Produkte mit langer Geschichte, deren Qualitätsstandards nachweislich genau eingehalten werden. Der holländische Gouda-Käse steht auf der Warteliste und soll bald im erlauchten Kreis der großen Regionalisten aufgenommen werden. Von der geschützen Herkunft profitiert die Region zweifach. Die Champagne im Nordosten Frankreichs verzeichnet steigende Touristenzahlen.
Kultur und Kulinarik heißt das Konzept: Leckeres Essen, Kellereibesichtigungen und Champagner-Verkostungen.
Davon träumt man auch im fränkischen Steigerwald. Wenn auch weniger exklusiv. Jedenfalls hat die Teichgenossenschaft Neustadt/Aisch-Scheinfeld-Uffenheim bei der EU den geografischen Schutz für den Aischgründer Karpfen beantragt. Eine Spezialität, die in über 1000 Teichen heranwächst.
Michael Rabenstein vom Tourismusverband hofft auf mehr Gäste. An der Kreativität der Gastronomen soll es nicht scheitern. Karpfen-Sushi und eine Bratwurst aus dem Fleisch des schlickliebenden Teichbewohners findet sich auf Speisekarten. Ob das der Region hilft, bleibt allerdings abzuwarten.
Allerdings kann nicht jedes Lebensmittel, das sich mit einer Ortsbezeichnung im Supermarkt präsentiert, von der EU geschützt werden. Rügenwalde liegt in Pommern, das heute zu Polen gehört. Doch die Teewurst, die sich mit diesem Namen schmückt, wird seit Jahren in Bad Zwischenahn hergestellt. Und das liegt bekanntlich bei Oldenburg. hü