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Die Filmgeschichte ist voll von Kreaturen, die erst beim zweiten Hinsehen die Herzen des Publikums erobern. War nicht auch das außerirdische Herzenskind "E.T." ein im Grunde recht hässliches Geschöpf? Genauso funktioniert auch der von den stets innovativen und kreativen Betreibern des Walt-Disney-Ablegers "Pixar" entworfene und via Computer zum Leben erweckte Roboter Wall-E.
Einst dazu geschaffen, den herumliegenden Unrat zu entsorgen, fristet Wall-E - betrieben mit Solarenergie - seit mehr als 700 Jahren auf der fast leblosen Erde ein tristes Dasein. Tag für Tag wird Müll eingesammelt, zu Würfeln gestanzt, die dann zu wolkenkratzerhohen Türmen gestapelt werden.
Doch Wall-E hat einen Traum, den Traum von einer besseren Welt. Er ist alles andere als frei von Gefühl, schaut sich immer wieder eine Sequenz des Musicals "Hello, Dolly" auf Video an und ist ganz hin und weg bei Szenen der Zweisamkeit.
Wall-Es Langeweile erfährt eine unerwartete Wende, als ein Raumschiff den Roboter EVE entsendet. Wall-E verknallt sich Hals über Kopf in den (weiblichen?) Gefährten und würde zu gern die bei "Hello, Dolly" abgeguckte Liebe praktizieren.
Auch wenn sich EVE nicht stets von einer liebenswerten Seite zeigt, folgt ihr Wall-E ins All. Dort harrt die degenerierte Menschheit seit Jahrhunderten auf einer riesigen Raumbasis der Rückkehr zur Erde. Das große Abenteuer kann beginnen...
Lebendige Maschinen mit Herz sind eine Spezialität der Kreativkräfte um Pixar-Chef John Lasseter. Zu ihren Erfolgen gehören "Die Unglaublichen", "Die Monster AG", "Findet Nemo" und zuletzt der rattenscharfe "Ratatouille". Trotz düsterer Bilder entfaltet auch das jüngste Werk aus den Pixar-Studios eine zauberhaft verzaubernde Welt, bietet sanfte Zivilisationskritik, ein Hauch rührseliger Romantik - und jede Menge Spaß.
WALL-E ist nicht nur allerbeste, hochprofessionell gestaltete Unterhaltung, sondern gleichzeitig eine vor ideenreichen Details strotzende Reminiszenz an die Filmhistorie – bis hin zu den vielsagenden Gesten eines Buster Keaton und direkten Zitaten aus Stanley Kubricks Science-Fiction-Meilenstein "2001 - Odyssee im Weltraum". Die Animatoren können nicht nur dem Computer erstaunliche Welten entlocken, sie kennen und lieben Kino!
PS: Auch der rasante wie zauberhafte Vorfilm "Presto" hat es in sich. Stephan Mertens
Foto: Disney studios/PIXAR