Blind Date am Spielbrett

So schwer wie Kinderkriegen: Wie der Dortmunder Uwe Rosenberg den Spiele-Oscar holte

Dutzende Spiele hat Uwe Rosenberg bereits erfunden
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So jemand taugt nie zum echten Bauern. Zwar liefert das harte Landleben des 17. Jahrhunderts die Story zu Uwe Rosenbergs Brettspiel "Agricola". Doch für den Spiele-Autor selbst hat Morgenstund derzeit kein Gold im Mund. Wer ihn vormittags anruft, muss mit erheblicher Bettschwere in seiner Stimme rechnen.

Seit der 38-Jährige Ende Oktober in Essen den Branchen-Oscar, den Deutschen Spiele Preis, einheimste, ist nichts mehr wie es war. Messetrubel, Presserummel, Fan-Anfragen, das volle Programm: "Bin total fertig", brummt der gefragte Mann in den Hörer. Schließlich brütete er noch bis tief in die Nacht über einer Testrunde für eine neue Spielidee.

Rosenberg ist Spiele-Erfinder. Klingt nach einem lockeren Job, aber nur für Menschen, die sich ans gemachte Brett setzen. Vor zehn Jahren, nach dem Abschluss seines Statistikstudiums, fasste Rosenberg den Entschluss, sich hauptberuflich der Entwicklung von Spielen zu widmen. Den Mut dazu und ein kleines Finanzpolster verdankte er seinem bereits während der Studienzeit veröffentlichten Kartenspiel "Bohnanza". Damit wurde der Autor bis in die USA bekannt. Seither tüftelt er in seinem Dortmunder Atelier an neuen Spielen und lebt ansonsten in Gütersloh.

Schon als Kind war Rosenberg vom Spielfieber gepackt. Später begann er, bei Spielen, die ihn faszinierten, die Regeln zu verändern und neue taktische Finessen einzubauen. Auch die Diplomarbeit verleugnet nicht seine wahre Leidenschaft: "Wahrscheinlichkeitsverteilungen beim Memory" hieß das Thema. "Mit Zahlen umgehen und in mehrstufigen Folgerungen denken", dieses Talent, so Rosenberg, benötige der Statistiker ebenso wie der Spieleautor.

Wie muss ein gutes Spiel beschaffen sein? "Man sollte leicht hineinkommen, so dass es auch Leute, die einen anstrengenden Tag hinter sich haben, gerne spielen", sagt Rosenberg. "Außerdem muss es gedankliche Tiefe haben, damit jeder Spieler seine eigenen Strategien entwickeln kann."

Der Erfolg von "Agricola" gibt ihm recht. Seit seiner Präsentation im Herbst 2007 hat es sich 60000 mal verkauft, davon 45000 mal ins Ausland. Damit gehört es zu den "German Games", anspruchsvollen Gesellschaftsspielen, die neben Autos und Maschinen längst deutsche Exportschlager sind. Wie bei den stilprägenden Bestsellern "Die Siedler von Catan" und "Carcassonne" gehören eine durchdachte Strategie und die phantasievolle Story zu den Markenzeichen dieser Spiele, während das Glück eine eher bescheidene Rolle spielt.

Ein gutes halbes Jahr lagen bei "Agricola" zwischen der Grundidee und der ausgereiften Konzeption. Wochen, in denen Rosenberg zunächst mit mehreren Einfällen schwanger ging, ehe er sich völlig in sein Atelier zurückzog, um ein Konzept zu entwerfen und auf dem Spielbrett zu erproben.

Dann ging es in die heiße Phase. Mehr als 200 Testspiele mit Freunden, Bekannten und in Spieleclubs. "Das ist die Nagelprobe. Ich merke, wo es hakt, bekomme oft noch zusätzliche Anregungen." Am Ende war "Agricola" das, was es heute ist: ein Spiel mit neun Spielplänen, mehr als 300 Spielsteinen und 360 Aktionskarten für mehr als eine Million taktische Varianten.

Zugleich ist das aber auch die schönste Etappe auf dem Weg zum Spiel. Etwas, das dem Spiele-Erfinder das beglückende Gefühl gibt, "ein Baby auszutragen." Viele Testspieler lernt Rosenberg in speziellen Internetforen kennen. "Das Treffen ist meist so etwas wie ein Blind Date", berichtet er. Man kommt spielend ins Gespräch und lernt sich kennen. "Manchmal geht‘s nur um Spielzüge. Aber oft sitzen wir bis spät abends zusammen, reden über Gott und die Welt und haben zusammen viel Spaß." bär

Bauer, Hafen, Schiffe

Dutzende Spiele hat Uwe Rosenberg bereits erfunden. Mit 'Agricola' (Lookout Games, 43 Euro) erzielte er den endgültigen Aufstieg in die Top-Autoren-Liga. Bei der Spielemesse in Essen stellte er jetzt 'Le Havre' vor, ein Brettspiel um Hafenbau und Schifffahrt.

Foto: privat


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