Interview

Frau Dr. Leitner, welche Heilkraft haben Gedichte?


Felizitas Leitner, Fachärztin für Allgemeinmedizin
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Dr. Felizitas Leitner: Wer richtig krank ist, bei dem gerät immer etwas aus dem Lot. Der muss seine innere Mitte wiederfinden. Dabei können Gedichte sehr helfen.

Prisma: Welche Gedichte eignen sich besonders?
Leitner: Gedichte, die die eigenen Gefühle und Sorgen spiegeln oder Trost spenden. Nehmen Sie Robert Gernhardt. Seine Erfahrungen mit Herzinfarkt und Krebsleiden, an dem er 2006 starb, verarbeitete in seinen Gedichten wunderbar sensibel und pointiert.

Prisma: Bei welchen Krankheiten verspricht die Poesie-Therapie größtmöglichen Heilerfolg?
Leitner: In meiner allgemeinärztlichen Praxis habe ich häufig mit Rücken- und Herz-Kreislaufbeschwerden zu tun. Diese Leiden eignen sich vorzüglich zum Brückenschlag von der körperlichen zur psychosozialen Dimension. Mit dem richtige Gedicht kann ich fruchtbare Gespräche mit dem Patienten in Gang setzen und sein Nachdenken über persönliche, familiäre oder berufliche Probleme beflügeln.

Prisma: Verstehen Sie die Poesie mithin als Teil der sprechenden Medizin?
Leitner: Ja genau. Denn nicht immer bringt die Hochleistungsmedizin mit dem neuesten Kernspin-Tomografen oder einem zusätzlichen EKG das beste Ergebnis. Interview: bär

Das Gedicht. Gefühlter Puls, rezeptfreie Gedichte. Von der Heilkraft der Poesie, hg. von Anton G. Leitner, 167 S., 12 Euro

Foto: privat


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