Thema der Woche

Schön giftig - Toxische Pflanzen

Ein Genuss für die Augen, ansonsten aber nur mit größter Vorsicht zu genießen: Toxische Pflanzen

Hochgiftig: Finger weg vom Goldregen
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Suppe mit Gänseblümchen, der Kuchen aus Sand, das alles garniert mit dicken roten Beeren. Sieht lecker aus, fast wie bei Mama. Völlig ungezwungen beziehen Kinder die Natur in ihr Spiel ein. Nur manchmal wird ein Ernstfall daraus. Was so farbenfroh aussieht und die Phantasie anregt, kann giftig sein. Tückisch, wenn die bunten kleinen Kügelchen zwar wie Johannisbeeren aussehen, in Wirklichkeit aber von Eibe, Vogelbeere oder Kirschlorbeer stammen. Auch Erwachsene sind vor Täuschungen nicht gefeit. Der leckere Bärlauch wird beim lukullischen Spaziergang schon mal mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen verwechselt.

Was dem Menschen zum Schaden gereicht, ist für Pflanzen Selbstschutz. Mit Dornen, Bitterstoffen oder mit unterschiedlichen Giften wehren sie sich gegen Schädlinge und Fressfeinde. So wissen Pferde und Kühe genau, um welches Weidekraut sie besser einen Bogen machen. Viele Insekten hingegen bedienen sich gerne des giftigen Grüns, weil es ihnen selbst nichts ausmacht, sie damit aber für ihre Feinde ungenießbar werden.

Menschen, vor allem kleine, sollten der Gefahr vorbeugend aus dem Weg gehen. Dies gilt vor allem für das giftige Quartett. Leben kleine Kinder in Haushalt oder Nachbarschaft, rät der Naturschutzbund (NABU) daher zum Verzicht auf folgende Pflanzen im Garten, auf jeden Fall an Spielplätzen, Schulen und Kindergärten: Goldregen (alle Teile giftig.), Pfaffenhütchen (Gift in den Samen), Stechpalme (Früchte giftig) und Seidelbast (alle Pflanzenteile giftig).

Ansonsten heißt die Devise für Hobbygärtner: Respekt ja, doch keine Panik. Haushalts-chemikalien und Medikamente sind in statistischer Hinsicht eine größere Gefahrenquelle als Gartenpflanzen. Doch gut, wenn sich Erwachsene mit den gängigsten heimischen Giftpflanzen auskennen und ihre Kinder warnen. Das Manko fehlender Kenntnis soll ein eigens von der Stadt München angelegter Giftgarten für Eltern und Kinder beheben. Auch einschlägige Ratgeber klären auf (G. Dietrich, E. Kalous, Keine Angst vor Giftpflanzen: Pflanzen kennen - Kinder schützen, AV Buch, 128 Seiten, 19.90 Euro).

Zum Glück kommt es bei toxischen Blumen und Beeren auch auf die Menge an: Eine einzige Giftbeere wirkt noch nicht lebensbedrohlich. Der Körper reagiert mit einem Schutzreflex, dem Erbrechen. So sind Vogelbeere, Zwergmispel und Heckenkirsche nur gering giftig. Lediglich in größeren Mengen verspeist, führen sie zu Erbrechen und Durchfall. Weitere gesundheitliche Folgen sind nicht zu befürchten.

Auch im Gemüsegarten ist nicht alles verzehrbar. Kinder sollten rohe Bohnen, grüne Tomaten und Kartoffeln meiden. Und bei einigen Pflanzen am Wegesrand führt schon die Berührung zu üblen Erfahrungen. Die Beeren des Schwarzen und Roten Holunders können wegen ihres schwach giftigen Inhaltstoffs Sambunigrin Verdauungsstörungen verursachen. Gekocht ergeben sie einen bekömmlichen, äußerst vitaminreichen Saft, der sich zum Trinken oder fürs Gelee eignet. Der Hautkontakt mit dem Saft der Herkulesstaude - auch als Riesenbärenklau und Herkuleskraut bekannt - ruft Symptome wie bei einem Sonnenbrand hervor und kann tödlich enden.

Vorsorglich ist es sinnvoll, die Hotline der nächsten Giftnotzentrale parat zu halten: Sie erfahren sie bei der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder” unter www.kindersicherheit.de. bär

Foto: Archiv


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