| Krimi / Hunsrück |
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Angesichts von Glanz und Grusel in der Vulkaneifel nimmt sich der benachbarte Hunsrück auf den ersten Blick unspektakulär aus. Warum eigentlich? Zeugt doch schon die Moritat vom Räuberhauptmann Schinderhannes von kriminalistischem Potenzial zwischen Mosel, Nahe, Saar und Rhein. Was kann man von den Krimi-Profis der Eifel lernen? Prisma sprach mit Markus Walther (46), Krimifan und Hobbyforscher aus Bildstock bei Neunkirchen.
Prisma: Warum fehlt den Hunsrück-Krimis die bundesweite Bekanntheit?
Markus Walther: Die Eifelkrimis setzten nunmal den Maßstab. Mit Jacques Berndorf, Ralf Kramp und einigen anderen Autoren kann das Genre mit ein paar Zugpferden trumpfen. Zudem hat die Region rasch erkannt, dass sich mit der Beliebtheit der Romane trefflich wuchern lässt. Lesungen und Events ziehen die Fans an, Einrichtungen wie das Kriminalhaus in Hillesheim, der Krimi-Wanderweg und jetzt wieder das Festival "Tatort Eifel" schaffen das dichte Netz einer lebendigen Krimilandschaft.
Prisma: Ein solcher Erfolg sollte im Hunsrück nicht möglich sein?
Walther: In den letzten Jahren hat sich dort eine kreative Autorenszene entwickelt. Nehmen Sie nur die Romane von Hannes Wildecker, Heinz-Peter Baecker und Christian Hartung. Sie alle bieten spannenden Erzählstoff und leben von Figuren und Milieus, die glaubwürdig regional verwoben sind. Was noch fehlt, ist der große überregionale Erfolg.
Prisma: Was macht den Hunsrück zur Krimi-Landschaft?
Walther: Jede Menge Stoff einer uralten Kulturlandschaft. Der Hunsrück war immer Durchzugsraum für allerhand Völkerscharen, von der antiken Römerroute über die Franzosen bis zu den US-Militärbasen der Moderne. Um das Treiben der Erzbischöfe von Trier, der Raubritter und Landsknechte ranken sich zahlreiche wilde Geschichten, berühmt ist auch der Mythos um Schinderhannes. Obendrein kann der Hunsrück seit jeher mit reicher Natur, mit Brauchtum und Landleben trumpfen, wie die Familiensaga "Heimat" von Edgar Reitz zeigt.
Prisma: Woran liegt es, dass der einst belächelte Regionalkrimi zum anerkannten Buch- und Filmgenre aufstieg?
Walther: Dazu gibt es unterschiedliche Erklärungen. Die eine setzt am Erfolg des "Tatort" seit den 70er-Jahren an: Diese Fernsehreihe macht deutlich, dass nicht nur die Bronx oder das englische Landhaus für Krimi-Spannung taugen, sondern auch Mord und dunkle Machenschaften vor unserer Haustür. Die andere, leicht boshafte Sichtweise behauptet, der Regionalkrimi sei so etwas wie der neue deutsche Heimatroman: Das Alpenglühen hat sich in den "Tatort" verlagert.
Prisma: Und was meinen Sie?
Walther: Ein wesentlicher Erfolg der regionalen Krimiliteratur besteht nun einmal darin, dass sich die Leute in den Akteuren und Milieus wiederfinden. Der Leser fragt sich gespannt: Ist etwas dabei, was ich schon kenne? Wenn Story und Personen stimmen, ist das doch sehr reizvoll - im Hunsrück und anderswo. Interview: Jörg Bärschneider
Lesung von Hannes Wildecker aus seinem vierten Buch "Teufelspakt" sowie Ausblick auf den neuesten Krimi "Cruciatus", Parkschenke Simon in Nonnenweiler, 15. 9., 19 Uhr, www.tatort-hunsrueck.de
Tatort Eifel 2009 u. a. mit Lesungen, Nacht für Kinder, Krimi-Wanderung und Premiere des RTL-Zweiteilers "Der Vulkan", vom 11. bis 20. September, Tickets: Telefon 06592/9513-0, www.tatort-eifel.de
Markus Walther betreibt eine Homepage zu Autoren, Büchern und Wissenswertem rund um den Krimi an Saar und Mosel: www.saarkrimi.de
Foto: privat