| Spaß für die ganze Familie |
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Mittendrin arbeitet Jens-Peter Schliemann, einer der erfolgreichsten Spiele- Erfinder Deutschlands. Das Schaufenster seines Studios zeigt allerhand Spielfiguren und Prototypen, drinnen auf den Regalen stapeln sich Brettspiele, Bastelmaterial und Bücher. "Spielen und Spiel-Entwicklung führt Menschen zusammen", findet er. "Das stille Kämmerlein wäre da völlig fehl am Platz." Passanten dürfen gerne hereinkommen, sich umschauen und auch mal eine Partie mit ihm spielen.
Viele tausend Menschen bis hin nach Indien und Thailand spielen inzwischen nach seinen Ideen. 18 Brett- und Kartenspiele fanden ihren Weg in den Handel, Spiele wie "Piranha Pedro" "Burg Appenzell" und "Nacht der Magier" brachten Schliemann in den letzten Jahren jede Menge Preise ein. Eine ebenfalls mehrfach ausgezeichnete Spezialität sind seine Spielanleitungen: keine ermüdenden Gebrauchsanweisungen, sondern kunstvoll gestaltete Comics und Bilderbücher.
Phantasievolle Story, Spannung, Variantenvielfalt und einfache Regeln, das ist für Schliemann das A und O eines guten, erfolgreichen Spiels. Er selbst möchte zur anstehenden Spielemesse in Essen wieder mit einem Coup nach dieser Machart aufwarten: "Vampire der Nacht", ein Geschicklichkeitsspiel, das er zusammen mit der Münsteraner Autorin Kirsten Becker entwickelt hat.
Zwar funktioniert das Spiel auch am hellichten Tag. Ein besonderer magischer Zauber stellt sich indes ein, wenn das Licht ausgeht. Das selbstleuchtende Material der Figuren lässt dann Vampire und Fledermäuse in der schaurigen Burg-ruine zur Hochform auflaufen. Ein raffiniert integrierter magnetischer Schiebemechanismus fordert Geschick bei der Entsorgung heimtückisch platzierter Knoblauchknollen.
Mit ihren Dunkelspielen besetzen die beiden Autoren eine originelle Nische in der ohnehin ideenreichen Branche. Vor drei Jahren verschafften sie diesem Spieletyp mit ihrer Erfindung "Nacht der Magier" erstmals breite Aufmerksamkeit und sicherten sich prompt den Branchen-Oscar, den Deutschen SpielePreis.
"Dunkelspiele stellen ganz spezielle Anforderungen an die Einfachheit der Regeln, ans Material und an das Vorgehen der Spieler", erläutert Schliemann. Letztlich aber dreht sich alles nur um das Erlebnis. Und davon bieten die lichtscheuen Vampire reichlich, ist Schliemann nach monatelanger Tüftelei, handwerklicher Optimierung des Spielbretts sowie unzähligen Testrunden mit kleinen und großen Spielern überzeugt. "Vor allem Kinder genießen die geheimnisvolle Atmosphäre. Das gemeinsame Spiel in der Dunkelheit holt sie häufig vom hohen Stresslevel ihres Alltags herunter."
Schliemann blickt gerne philosophisch über den Rand des Spielbretts hinaus. Im Spiel erkennt er manches aus unserem Leben wieder - wie es ist und wie es sein sollte. "Beim Spielen gibt es kein unten und oben, keine Hierarchie", sagt er. "Auf diese Weise bringt das Spielen ganz unterschiedlich begabte Menschen zusammen. Dieser gemeinschaftliche Kreativprozess setzt ungeahnte Ideen und Talente frei."
Überall im Alltag könnten solche Prozesse unbeschwerter Ideenfindung helfen, Probleme zu lösen und das Leben angenehmer zu gestalten, meint Schliemann. Und macht den Finanzämtern dieser Welt gleich einen Vorschlag für spielerische Alltagsbewältigung: "Warum muss die Steuererklärung immer so staubtrocken sein? Wer seine Unterlagen frühzeitig einreicht, nimmt zum Anreiz an einer Tombola mit Steuergutschrift fürs kommende Jahr teil." bär
Info: Spiel 09, Telefon 0201/7244-244
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Fotos: Hersteller