Spiel

Scotland Yard - Wie Mister X das Laufen lernte

Vom Brettspiel im Wohnzimmer zum Hightech-Game auf echten Straßen: Scotland Yard für aktive Spürnasen

Wo ist bloß Mister X?
¿T?
Rechts die Einbahnstraße hoch oder lieber über die Kreuzung und dann nach links verschwinden? Oder erst in Ruhe die Lage sondieren? Fehlanzeige! Dafür bleibt keine Zeit. Mister X muss schnell weg. Drei Detektive sind ihm schließlich dicht auf den Fersen.

Mister X auf der Flucht kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Dann haben Sie bestimmt schon mal Scotland Yard gespielt. Allerdings geht es in diesem Fall nicht um den Brettspielklassiker, den man in gemütlicher Runde im Wohnzimmer spielt, sondern um eine Variante, bei der Mister X auf echten Straßen vor realen Detektiven flüchten muss.

Holger Mügge, Tobias Rho und Kollegen vom Institut für angewandte Informatik der Uni Bonn haben Scotland Yard gemeinsam mit der Telekom vom Spielbrett auf die Straße geholt.

"Die Idee kam vor rund zwei Jahren im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts 'Adaptive Mobile Gaming' auf, das sich der Entwicklung von dynamisch anpassbaren mobilen Spielen widmet. Im damaligen Programmierpraktikum entstand schließlich Mister X mobile, der Prototyp für viele zukünftige mobile Spiele." Am Anfang hatte man mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So dauerte es bisweilen 30 Minuten bis eine Spieler-Position über GPS bestimmt war. Natürlich war kurz danach der Akku leer. Seitdem hat sich einiges getan, die Kinderkrankheiten sind behoben und Mister X mobile soll Ende des Jahres auf den Markt kommen.

Das braucht man Mister X und seine Verfolger benötigen ein Smartphone und natürlich das Spiel Mister X mobile. Das internet- und GPS-gestützte Spiel kommt als Application - das ist ein Programm fürs Handy - zunächst für iPhone So geht's Gespielt wird in Echtzeit. Wie lange das Spiel dauert, können die Mitspieler selbst entscheiden. In der Regel sind es 30 Minuten. Die Handys der Mitspieler werden per GPS geortet und erscheinen als Spielfiguren auf der Displaykarte. Mister X kann die Positionen seiner Verfolger ständig sehen, diese seine aber nur alle zwei Minuten. Beim Brettspiel konnte man Mister X schließlich auch nur alle fünf Züge sehen.

Der Radius wird ebenfalls vor dem Spiel festgelegt. Sind alle Spieler vor Ort, bekommt Mister X einen kleinen Vorsprung. Wer auch immer in die Rolle des Mister X schlüpft, sollte über gute Kondition und guten Orientierungssinn verfügen. Viel Zeit zum Überlegen, wie man das vom Spielbrett-Parcours kennt, bleibt nicht. Hier geht's um Schnelligkeit.

Gadgets Per Konferenzschaltung können die Detektive hin und wieder Strategien austauschen. Aber Vorsicht, Mister X könnte mithören. Auf dem virtuellen Spielfeld sind nämlich sogenannte Gadgets, kleine Hilfsmittel, verteilt. Die können eingesammelt und bei Bedarf benutzt werden. Ein Gadget ist zum Beispiel eine Wanze, mit deren Hilfe Mister X die Telefonkonferenz seiner Verfolger belauschen und sich auf deren Plan einstellen kann.

Außerdem gibt es eine Tarnkappe, die den Spieler, egal ob Mister X oder Detektiv, für 30 Sekunden unsichtbar macht. Wähnt man sich in unmittelbarer Nähe des Gejagten, kann der Detektiv den Screamer einsetzen. Aus dem Handy von Mister X dringt ein markerschütternder Schrei, da hilft auch das beste Versteck nichts. Hat Mister X eine Sanduhr eingesammelt, kann er damit die Zeit, bis er das nächste Mal auf der Karte sichtbar wird, verdoppeln.

Das Spiel-Ende Wie beim Brettspiel haben die Detektive gewonnen, wenn sie den Flüchtigen vor Ablauf der Zeit gefunden haben. Der muss dann eine virtuelle weiße Flagge hissen.

Bleibt Mister X unentdeckt, ist er natürlich der Sieger. Alexa Cöln

Das Original

1983 eroberte Scotland Yard die Spielewelt und wurde gleich zum Spiel des Jahres gekürt. Das Strategie-Spiel wurde mehr als vier Millionen Mal verkauft, erschien auch in englischer Sprache und bekam eine eigene Hörspiel-Serie. Im März dieses Jahres erschien Mister X, die aufwändig gemachte Fortsetzung des Klassikers.

Illustration: Photodisc


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