Kommentar der Woche

Casinodenken


Prisma-Chefredakteur Detlef Hartlap
¿T?
Vor Jahren, als der französische Staat beschloss, die Lottowette zuzulassen, unkte eine britische Zeitung: Für eine Nation von der Intelligenz der Franzosen müsse es eine Zumutung sein, sich mit einer solch profanen Wette abzugeben. Soll heißen: Es gibt Wettspiele, die des Einsatzes wert sind, und solche, die man besser mit Verachtung straft. Wetten, eine Frage des Stils.

Wir müssen nicht diskutieren, wie kultiviert es ist, auf Trainerentlassungen oder Fußballergebnisse mit gerader oder ungerader Torzahl zu wetten. Das ist Schnickschnack für Leute, denen sich das Zocken als Denkmuster ins Hirn gefräst hat. Der Schritt zur Manipulation, zum Betrug, wird in diesen Kreisen als clever erachtet.

Interessanter ist, dass wir gerade haben lernen müssen, wie sehr das Casinodenken auch in ganz anderen Kreisen verwurzelt ist, im ach so seriösen Bankgewerbe und in der Politik sowieso.

Offenbar wird die Gesellschaft in vielen ihrer Schattierungen von Geist und Reiz des Risikos gekitzelt, wenn nicht angetrieben. Gier ist kein wirklich zutreffender Begriff für dieses Verhalten.

Es steckt eine Antwort darin - auf ein kompliziert verzahntes, hoch technisiertes, zigfach versichertes Leben. Regelungen in vielfacher Bibelstärke halten es zusammen. Und das ist das Problem. Wetten sind einfacher; und bieten einen Hauch von Abgrund.


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