Reisen

Zu Fuß durch die Mongolei

Gespräch mit Extremwanderer Michael Giefer über seine Tour vom sibirischen Baikalsee bis in die mongolische Wüste

Vom sibirischen Baikalsee bis in die mongolische Wüste: Bildergalerie


Michael Giefer
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Prisma: Michael, was hat Dich an Deiner Extremtour vom Baikalsee bis in die Wüste Gobi gelockt?
Michael Giefer: In den Jahren vor dieser Wanderung im Jahr 2005 habe ich hauptsächlich Fahrradreise in Europa, den USA und in Asien unternommen. Schon im Jahre 1999 wollte ich zusammen mit meinem damaligen Reisepartner Sebastian Burger mit dem Rad in die Mongolei fahren. Wir haben uns dann aber doch für ein anderes Ziel entschieden und sind mit dem Fahrrad entlang der Seidenstraße bis nach Peking geradelt. Auf dieser Reise machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit Zentralasien und war sehr davon begeistert. Die Rückreise ging dann mit der Transsibirischen Eisenbahn durch die Mongolei. Zäune, Straßen und Städte suchte mein Auge nahezu vergebens. Weit und breit nichts als baumlose Steppe. Ich dachte mir, das müsste doch ein ideales Wanderland sein. Es dauerte dann aber weitere fünf Jahre, bis ich die Wanderschuhe schnürte, um meine langsam gewachsene Idee, den Baikalsee in Sibirien mit der Wüste Gobi in der Mongolei zu Fuß zu verbinden, in die Tat umzusetzen. Ich wollte mich auf die natürlichste Art und Weise des Menschen fortbewegen, um möglichst viel zu sehen und mich ganz auf Land und Leute einlassen zu können. Als ehemaliger Geschichtsstudent interessierte mich selbstverständlich auch die Geschichte und Kultur der Mongolen.

Prisma: Was reizt Dich an Asien, was speziell an Deiner Route?
Michael: Asien ist unbeschreiblich weit und wild, speziell Zentralasien und wird nur von wenigen Menschen bewohnt. Große Ballungsgebiete existieren kaum und die Infrastruktur steckt noch in den Kinderfüßen. Dort gibt es die höchsten Gebirge der Erde und riesige Trockengebiete. Zudem existiert in der Mongolei der höchste Anteil an Nomaden, Prozentual gesehen an der Bevölkerung. Uns Europäer reizt ja immer das archaische, was man in Ansätzen selbstverständlich in der Mongolei noch findet. Die Gers (Jurte = mongol. Wohnzelt) hat sich über Jahrtausende als ideale und transportable Behausung entwickelt und ohne das Ger ist die Mongolei geradezu unvorstellbar. Selbst in den Städten lebt ein riesiger Teil der Bevölkerung darin. Aber auch hier hat die Globalisierung Einzug erhalten. 70 Prozent der Bevölkerung nutzt mittlerweile ein Mobiltelefon, Solar- oder Windanlage zur Stromerzeugung sind auf dem Land keine Seltenheit mehr. Und auch Fernseher und DVD-Player dürfen dann nicht fehlen.

Prisma: Was war eines Deiner schönsten Erlebnisse?
Michael: Die schönsten Momente während dieser Wanderung waren die Begegnungen mit den außerordentlich gastfreundlichen Mongolen. Nahezu überall bin ich mit offenen Armen aufgenommen worden. Daher gab es viele Bewegende oder schöne Begegnungen. Einmal bin ich von einer überaus gastfreundlichen und netten Hirtenfamilie aufgenommen worden, als ich besonders starke Magen- Darmprobleme hatte und dazu noch Fieber bekam. Diese Familie hat mir einen Platz in ihrem Ger geben, solange ich bleiben wollte, ohne irgendeine Gegenleistung zu verlangen. Ich wurde wie ein sehr guter Freund oder Verwandter behandelt. Und das ist mir nicht nur einmal passiert.

Prisma: Durchfall, Hitze, Durst, Ungeziefer: Warum eigentlich tust Du Dir eine solche Gewalttour an?
Michael: Im Nachhinein betrachtet überwiegen die positiven Ereignisse und Empfindungen. Das ist mir bislang nach jeder Tour so gegangen und es ist wohl auch menschlich. Es ist eine Mischung aus sportlicher Herausforderung, dem großen Interesse an einer anderen Kultur mit seinen Menschen und deren Geschichte und Geschichten. Es sind die verschiedenen und für uns Mitteleuropäer teils absolut unbekannten Landschaften. Es ist eine Suche nach dem Sinn des Lebens, der wohl letztlich darin besteht, einfach nur zu leben. Es ist der Weg zurück, zurück zu unseren Wurzeln. Der Mensch ist zum Laufen geboren. Das steckt in unseren Genen. Unser Körper ist für enorme Strecken und Anstrengungen ausgelegt. Wir sind Ausdauertiere. Was ich tue ist im Grunde nichts Außergewöhnliches. Jeder kann es, aber der moderne Mensch ist bequem geworden. Allerhöchstens der schwere Rucksack stört da vielleicht ein wenig. Aber das bringt zweifelsohne die oft menschenleere und wasserlose Gegend mit sich, die ich durchwandere. Natürlich ist es auch ein Ausloten von eigenen Grenzen.

Fortsetzung

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Foto: privat


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