Anrüchig und dennoch heiß geliebt: Wie Klatsch und Tratsch unseren Alltag beleben
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Und dann schon wieder Ernst August, diesmal mit einer exotischen Geliebten: erst Prügelei in Kenia, jetzt Staatskrise in Monaco. Verlangt Caroline nun die Scheidung?
Nicht zu vergessen Petra Schürmann: Erst nach dem Tod der einstigen Miss World wird das ganze Ausmaß der Tragödie bekannt. Ihre Trauer, Einsamkeit und Krankheit. So viel Glamour einst, so viele Freunde! Doch in der größten Not war niemand da ...
Klatsch, das süße Gift. So wie er in den bunten Blättern blüht, gedeiht er auch unter Freunden, Kollegen und Nachbarn. Klatschen, tratschen, lästern - das ist so anrüchig und unwiderstehlich wie ein Blick durchs Schlüsselloch. Jeder tut es und rührt schon mal lustvoll in der Gerüchteküche, angetrieben von Neugier, Wichtigtuerei, Schadenfreude und dick aufgetragenem Mitgefühl.
Obwohl der Klatsch nicht nur edelsten menschlichen Antrieben entspringt, brauchen wir uns seiner nicht zu schämen, meint der Soziologe und Autor Christian Schuldt (Klatsch! Vom Geschwätz im Dorf zum Gezwitscher im Netz, Insel, 18 Euro): "Klatsch ist ein wichtiger Motor der Evolution, ein unverzichtbares Gleitmittel des sozialen Lebens."
Schon in der Antike lästerte Klatschgöttin Fama über ihre olympischen Kollegen. So gesehen hat sich seit den frühesten Tagen der Menschheit nichts geändert. "Mit dem Klatsch stiftet der Mensch soziale Netzwerke. Der Klatsch entscheidet, wer dazugehört und wer nicht, er verleiht den Eingeweihten Ansehen und Macht."
Wer selbst schon mal zum Gegenstand des Klatsches wird, sollte sich nicht ärgern, rät Schuldt. Im Gegenteil: "Menschen, über die niemals getuschelt wird, gelten schnell als langweilig." Oder sie gehören eben nicht dazu.
Je wichtiger die beklatschte Person ist und je brisanter die Story, desto höher notiert ihr Wert an der Klatschbörse. Daher ist Klatsch eine wertvolle Währung. Er verschafft einen Informationsvorsprung, der sich in Alltag und Karriere vorteilhaft nutzen lässt. Klatschen ist auch ein Beleg für soziales Lernen, findet Klatschexperte Schuldt: "Wir zapfen die Lebenserfahrung anderer an, um das eigene Leben besser zu meistern." Die dritte Ehe der Kollegin, der Seitensprung des Nachbarn - das ist spannender Lehrstoff. Doch Vorsicht: Neugier und Frust über eigene Unerfülltheit liegen manchmal nahe beieinander.
Klatsch und Tratsch als Lebenselixier, das werden die Klatschtanten dieser Welt gern hören. Allerdings gilt auch hier: Die Dosis macht's. Wer nicht aufpasst, überschreitet die Grenzen hin zu übler Nachrede oder Mobbing. Beim nächsten Kaffeeklatsch ist so jemand unerwünscht. bär
Wo bleiben nur die Klatschkerle?
Es gibt jede Menge Tratschtanten und Klatschweiber, Männer jedoch können nur Plaudertaschen sein. Die Ursache dafür liegt in der Geschichte, begründet Klatschforscher Schuldt. Frauen hatten in der Öffentlickkeit nicht viel zu sagen und tauschten daher ihre Neuigkeiten an besonderen Orten aus. Zum Beispiel an den Waschplätzen im Dorf. Beim Klatschen der Wäsche waren sie unter sich und konnten ungezügelt tuscheln. Vor allem eine besondere Art von schmutziger Wäsche verriet den aufmerksamen Frauen, was hinter den verschlossenen Türen der Herrschaften vorgefallen sein mochte.Fünf goldene Klatschregeln
Klatschen will gelernt sein. Auch wenn der Alltag ohne Klatsch nicht vorstellbar ist, so kann man doch viel falsch machen. Was als Lästern beginnt, kann leicht in übler Nachrede enden. Und überhaupt: Wer möchte schon selbst das nächste Klatschopfer sein? Klatschexperte Christian Schuldt weiß Rat.
- Bilden Sie Klatschzirkel: Nie wahllos in alle Richtungen klatschen. Bilden Sie einen Klatschzirkel, der Ihr Vertrauen hat. Natürlich dürfen sie nicht immer nur vom dort geäußerten Insiderwissen profitieren. Sie müssen auch selbst Interessantes beisteuern, damit man Sie ernst nimmt.
- Mensch bleiben! Achten Sie darauf, die beklatschte Person nicht zu stark abzuwerten, gehen Sie nicht jedem Gerücht auf den Leim. Klatsch darf nie zu Rufmord oder Ausgrenzung führen.
- Machen Sie Klatschkarriere: Wer klug klatscht, kann es weit bringen. 70 Prozent unseres Job-Wissens erhalten wir über den Flurfunk, und beruflicher Erfolg beruht zu einem hohen Maß auf Bekanntheit und Beliebtheit. Also: Klatschen Sie – mit dem Chef, mit den Kollegen, mit der Sekretärin. Aber bleiben sie loyal.
- Seien Sie Entertainer: Beim Klatsch kommt es nicht nur auf die pure Nachricht an, es sei denn, sie wäre sensationell. Die meisten Begebenheiten sind schnell erzählt. Lernen Sie stattdessen, Ihren Klatsch auf unterhaltsame Weise weiterzugeben. Dabei zählen genaue Beobachtung, wörtliche Rede, überraschende Wendung und dramaturgische Spannungsmomente ("Ich denke, morgen weiß ich mehr").
- Vorsicht im Netz: Im Internet hinterlassen Sie digitale Spuren – die im Zweifelsfall nur schwer wieder löschbar sind. Auch bei facebook, Twitter & Co. gilt daher: Weniger ist im Zweifelsfall mehr.
Foto: f1 online


