Titelthema

Lachhaft: die Komödie des Lebens

Von guten, schlechten und schlichtweg zynischen Witzen

Das schönste Lachen Hollywoods: Julia Roberts in Pretty Woman
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"Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte", sagt man. Was zu beweisen wäre. Das Lächeln hat einen guten Ruf. Anders als das Lachen. Lachen ist verdächtig. In unserer Gesellschaft der Spaßdiktatoren und Humor-Blockwarte wird schnell die moralinsaure Witzbremse gezogen. Politisch korrekt muss er sein, der Scherz, was ein Widerspruch in sich ist.

Büttenreden, die dieser Tage im Fernsehen gesendet werden, sind zuvor auf ihre Unanstößigkeit geprüft worden. Ein Witz, das. Als ob der Witz nicht dazu da wäre, Regeln und Redeverbote zu unterwandern. Ganz besonders im Karneval.

Wenn in der DDR gescherzt wurde "Hier gibt es kein Fleisch, keine Tomaten gibt es nebenan", war dies einerseits ein Frustventil, andererseits ein nicht ungefährlicher Affront gegen das Politbüro.

Im wiedervereinigten Deutschland entstand eine bierernste Debatte, ob erlaubt sei, was sich Harald Schmidt erlaubte, nämlich Witze über Polen zu machen.

Mit Klassikern des Humors und gut abgehangenen Witzen tut man sich leichter. Wenn Filmkomiker Groucho Marx einem Kranken den Puls misst und sagt: "Entweder ist meine Uhr stehengeblieben oder dieser Mann ist tot", ist das ein schlichter Lacher, der niemandem wehtut.

Ebenso, wenn ein allseits anerkannter Scherzkeks wie Woody Allen witzelt: "Obwohl ich keine Angst vor dem Tod habe, bin ich lieber woanders, wenn er eintritt."

Im Grundsatz ist sich alle Welt über die Tugend des Humors einig. Denn der Ernst, der stets und oft unerträglich auf sich selbst bezogen bleibt, darf unter jene Laster gezählt werden, die das Leben trist und schwer machen. Alles, was nicht tragisch ist, ist lächerlich. Das lehrt uns der klare Verstand. Und der Humor erkennt mit einem Lachen an, dass auch das Tragische nur eine Variante der Komödie des Lebens ist.

Der Witz fungiert als technische Grundform des Humors, als Handwerk, das gezielt auf die Pointe hinarbeitet. Der Humor darf dagegen als eine Geisteshaltung angesehen werden, die, um es mit Freud zu sagen, den bitteren "Anspruch der Realität" abweist. Humor ist situationsbedingt, geistesgegenwärtig. Er erfordert Mut und Schlagfertigkeit. Als humorlos zu gelten, zeugt nicht von geistiger Frische.

Wer würde auch von sich behaupten, humorlos zu sein?

Dummerweise bedeutet das alles nicht, dass jeder Lacher eitel Sonnenschein wäre und Humor immer und überall von der besten aller Welten kündet.

Die Nazi-Schergen in den Konzentrationslagern lachten über ihre Opfer und rissen Witze, die sie als üble Zyniker auswiesen.

Einige der erfolgreichsten deutschen Filme des letzten Jahrzehnts waren auf jenem Niveau witzig, auf dem Zoten zum Lachen reizen. Bully Herbigs "Der Schuh des Manitu" oder Til Schweigers "Keinohrhasen" gaben sich mit Wonne und Kalkül ordinär.

Schlimm? Das zu sagen wäre humorlos. Aber dass in Deutschland der eher witzarme Ich-bin-doch-nicht-blöd-Klamauk am besten gedeiht, darf festgestellt werden.

Es geht auch anders. Der Publizist Karl Heinz Bohrer berichtet von einem jungen deutschen Gastprofessor, der unmittelbar nach dem Krieg nach England kam. Dort wurde er, blond und groß wie er war, gefragt, ob auch er in der SS gewesen sei.

"Natürlich", antwortete er, "sonst wäre ich nicht hier!" Mit einer solch trockenen Form von Sarkasmus schlug er seine englischen Gastgeber auf deren ureigenstem Terrain, der witzigen Bemerkung in jeder Lebenslage.

Die Verneinung der Frage hätte den Deutschen der Fragwürdigkeit ausgesetzt. Ihre schlagfertige Bejahung zog hingegen die Frage ins Lächerliche. Das ist Humor in seiner gekonntesten Form. Detlef Hartlap

Foto: Warner


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