Buch-Tipp - Rezepte der Liebe
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Wir befinden uns derart im Hier und Jetzt - mit Wirtschaftskrise, Migrantenproblemen, Notgeilheit -, dass wir streckenweise eine Reportage zu lesen meinen. Zumal der Plot, wie bei Suter gewohnt, auch nicht schlechter als die Wirklichkeit ist. Am Ende stehen Kochrezepte; wie im Serviceteil von Illustrierten.
Es geht um Maravan, einen Tamilen, der von Kindesbeinen an auf den Umgang mit Gewürzen und Gerüchen trainiert wurde. Die Umwandlung von Materie in sinnlichen Genuss, wie es Essen sein kann, ist ihm zur Leidenschaft geworden.
Suter hätte rund um Maravan ein Drama des begabten Kindes stricken können: Ein Junge, der wahnsinnig viel kann, es aber nie zeigen darf. Zumal in der Schweiz nicht, wo die etablierten Köche sich von einem Immigranten nicht in ihr mangelhaftes Curry-Handwerk pfuschen lassen.
Aber Suter lässt Maravan zu einem gefragten Liebeskoch werden, der seine Zutaten potenzfördernd und gewinnbringend mixt. Kein Glück war je von Dauer - der Erfolg schlägt auf den Zauberer zurück.
Immerhin, am Ende gibt's die Rezepte, ganz so wie einst in Johannes Mario Simmels Erfolgsroman "Es muss nicht immer Kaviar sein". dh
Martin Suter: "Der Koch", Roman Diogenes, 309 Seiten, 21.90 Euro


