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Zahnheilkunde - Nur der Mund kennt die Antwort

Wenn der Körper leidet, sind manchmal die Zähne schuld

Zahnarzt Olaf Oberhofer
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Häufig hat Zahnarzt Olaf Oberhofer (46) Patienten in seiner Praxis, denen mit Zahnfüllung, Krone oder Brücke nicht zu helfen ist. Es sind Menschen, die wegen allgemeiner Erkrankungen bereits von anderen Ärzten behandelt wurden, nur leider ohne Erfolg.

Neulich zum Beispiel der Sportler mit starker Leistungseinbuße und schlechten Blutwerten. Oder der Diabetiker mit extrem schwankendem Blutzuckerspiegel, obwohl er alle Vorgaben seines Internisten korrekt umgesetzt hatte. Der dritte Fall betrifft eine Frau mit chronischen Schmerzen im Schultergelenk. Der Schuhmacher-Meister, von dem sie sich orthopädische Einlagen anfertigen lassen wollte, schickte sie zum Zahnarzt, weil er eine Kiefergelenkerkrankung als wahre Schmerzursache vermutete.

Die Erklärung für diese rätselhaften Erscheinungen lieferten nicht Sportarzt, Internist oder Orthopäde, sondern der Zahnarzt - die Lösung lag im Mund. Der Athlet und der Diabetiker litten an einer Parodontitis, der Ansammlung entzündlicher Erreger in Zahnfleisch und Zahnbett. Bei der Schmerzpatientin lag eine Fehlfunktion des Kiefergelenks vor.

"Zahlreiche Erkrankungen allgemeiner Art haben ihre Ursache in der Mundhöhle", sagt Olaf Oberhofer, Zahnarzt in Erwitte und Experte für Parodontologie und minimalinvasive Therapie. "Erkrankungen im Mund können Erkrankungen im Körper auslösen und verstärken. Und umgekehrt: Die Mundhöhle ist Warnsystem für Allgemeinerkrankungen."

Die Parodontitis ist eine der häufigsten Erkrankungen der Mundhöhle. 70 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Schuld sind aggressive Bakterien im Zahnbelag, die Plaque. Die Übeltäter lassen das Zahnfleisch anschwellen und können den Knochen abbauen. Eine unbehandelte Parodontitis stellt einen ständigen Entzündungsherd dar, der Bakterien im ganzen Körper verbreiten und die Immunabwehr schwächen kann. Die Entzündungen machen sich durch Rötung, Schwellung und blutendes Zahnfleisch schon bei leichter Berührung bemerkbar.

Häufig wird Parodontitis mit Parodontose verwechselt. Während es sich hierbei jedoch um eine nichtentzündliche Erkrankung des Zahnbetts handelt, ist bei der Parodontitis der ganze Zahnhalteapparat entzündet.

Eine fortgeschrittene Parodontitis birgt das Risiko zahlreicher allgemeiner Erkrankungen und Komplikationen. So steht sie im Verdacht, das Risiko für Herzinfarkt- und Schlaganfall zu erhöhen. Bei Frauen mit Parodontitis besteht ein auffälliger Zusammenhang zur erhöhten Frühgeburtenrate. Bei parodontitiskranken Diabetikern ist die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels schwierig. Der Schutz von Zähnen und Zahnfleisch bietet eine wirkungsvolle Prophylaxe. Im ersten Schritt kommt es auf regelmäßige Pflege daheim an: nach jeder Mahlzeit Zähne putzen und einmal täglich die Zahnzwischenräume reinigen.

Zähne zeigen: Vorsorge und frühzeitiges Erkennen sind gerade in der Zahnheilkunde besonders erfolgreich

Optimale Vorsorge schließt auch die individuelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis ein, am besten zweimal jährlich. Allerdings bietet nicht jeder Zahnarzt eine umfassende Diagnose und Therapie - hier zählt der kritische Vergleich.

"Wichtig ist eine gründliche Behandlung", rät Oberhofer. Dazu gehört die Untersuchung des Mundraums, der Zahnfleischtaschen und deren Tiefe, außerdem werden Blutungsindex, Plaquebildung und Zahnfleischrückgang festgestellt. Reinigung aller Zahnflächen, Entfernung von Zahnstein und Erneuerung eventuell schadhafter Füllungen sind selbstverständlich. Eine Sitzung dauert bis zu 90 Minuten und kostet rund 120 Euro.

Zahn um Zahn hat ausgedient. Die Medizin hat erkannt, dass es nicht reicht, nur die Zähne gesund zu halten. Der ganze Mund ist Teil des Organismus.

Den drei Patienten konnte übrigens geholfen werden: Nach der parodontologischen Behandlung war der Sportler fit und der Diabetiker stabilisiert. Die Schmerzpatientin hatte keine Beschwerden mehr, nachdem sie eine Aufbissschiene erhalten hatte.

Vorausblickende Mediziner sehen das klassische Berufsbild des Zahnarztes durch den modernen Mundarzt ersetzt. "Die fachübergreifende Orientierung ist das A und O", sagt Oberhofer. "An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch." bär

Foto: privat


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