Thema der Woche

Hollywood entdeckt die Ostsee

Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern setzt auf die internationale Karte

Eine von 19: die Seebrücke von Sellin
¿T?
Wer hätte das gedacht. Ausgerechnet Holländer, im eigenen Land gesegnet mit Sand und Meer, stellen im Reiseland Mecklenburg-Vorpommern die stärkste Urlaubergruppe aus dem Ausland. Auf den Plätzen folgen Dänen, Schweden und die Schweizer. In diesem Jahr steht das Ostsee-Bundesland ganz im Zeichen der Zahl 20. Über die touristische Vergangenheit und Zukunft im Nordosten Deutschlands sprach Prisma zur Internationalen Tourismus-Börse in Berlin mit Mathias Löttge, Präsident des Tourismusverbandes .

Prisma: Herr Löttge, Urlaub in Deutschland liegt im Trend. Konnte Mecklenburg-Vorpommern profitieren?
Löttge: Ja, die Zahl der Übernachtungen in gewerblichen Betrieben ist 2009 um eine Million auf 28,4 Millionen gestiegen.

Prisma: Diesen Rekord hat das Land auch der Buga in Schwerin zu verdanken, die alle Erwartungen übertraf. Kommt jetzt der Rückschlag?
Löttge: Nein, wir sind für 2010 optimistisch, schließlich gibt es eine Reihe von Top-Events im Zeichen der 20.

Prisma: Was bedeutet das?
Löttge: Wir feiern 20 Jahre Urlaubsland, 20 Jahre Hanse Sail in Rostock, 20 Jahre Nationalparks und 20 Jahre Festspiele. Ein schlagkräftiges Quartett. Außerdem machen wir mit unserem Themenschwerpunkt '365 Entdeckungen' auf Kleinode aufmerksam. 200 Jahre Schlosspark Putbus oder der dendrologische Garten mit exotischen Pflanzen des Bonner Ornithologen Professor Alexander Koenig auf dem Blücherhof bei Müritz sind Beispiele.

Prisma: Ihre Trumpfkarte ist die Küste. Was macht sie so attraktiv?
Löttge: Im Gegensatz zur Nordsee blickt die Ostsee auf eine alte Bädertradition zurück. Davon profitieren wir noch heute. Heiligendamm wurde 1793 gegründet und ist das älteste Seebad in Deutschland. Wir haben 19 restaurierte Seebrücken und 600 denkmalgeschützte Bädervillen. Das ist einmalig. Zwei Drittel unserer Gäste machen Urlaub an der Küste, der Rest im Binnenland.

Mathias Löttge
¿T?
Prisma: Als die Ostsee-Autobahn fertiggestellt wurde, fürchteten viele, dass die Straße nicht nur Urlauber aus Deutschland schneller an die Küste, sondern auch gleich weiter nach Polen bringen würde. Ist das ein Problem?
Löttge: Polen wird touristisch aufschließen. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist ein Vorteil für uns. Und mit zunehmender Qualität werden auch die Preise im Nachbarland steigen.

Prisma: Arbeiten Sie mit den polnischen Touristikexperten zusammen?
Löttge: Natürlich, wir werden beispielsweise von Usedom bis ins polnische Swinemünde die längste Seepromenade Europas bauen. Und wir wollen gemeinsam die Ostsee als Marke etablieren.

Prisma: Und dabei hilft Ihnen jetzt auch Hollywood?
Löttge: In gewisser Weise ja. Der Polanski-Thriller "Der Ghostwriter" wurde in Peenemünde gedreht und der Warnemünder Leuchtturm schmückt das Plakat von "Shutter Island" mit Leonardo DiCaprio. Auch deutsche Produktionen wie "Die Flucht" oder "Das weiße Band" wurden bei uns gedreht. Wir sind filmreif!

Prisma: Wann machen die Filmstars bei ihnen Urlaub?
Löttge: Abwarten, die Warnemünder Gastronomen zum Beispiel haben ihre Einladungen schon verschickt. Franz Hünnekens

Trends & Termine

Mecklenburg-Vorpommern wird zum Trendziel für zwei Millionen Wanderer im Jahr. Als Wanderbotschafter entdeckten die Münsteraner "Tatort"-Ermittler Axel Prahl und Jan Josef Liefers den Nord­osten zu Fuß. Herausgekommen ist das Buch "Einsatzort Wanderweg", Hinstorff Verlag Rostock. Am 26. März begeben sich die Kommissare im NDR (20.15 Uhr) auf Spurensuche durch Mecklenburg-Vorpommern.

Schwerin feiert 850. Geburtstag. Höhepunkt wird das Wochenende 4. bis 6. Juni sein.
www.auf-nach-mv.de

Fotos: Haloorange/Wikipedia, privat


Werbung