| Die Luisen-Serie in Prisma (3) |
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"Gott sei Dank, dass ich in Berlin bin", schrieb Luise an die Zarin Elisabeth, die in Petersburg ihre Freundin geworden war. Dem künftigen Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg gegenüber bemerkte sie, ebenfalls in einem Brief: "Wir sind immer noch höchst unglücklich. Indessen ist das Leben hier in Berlin erträglicher als in Königsberg. Es ist wenigstens ein glänzendes Elend mit schönen Umgebungen, während es in Königsberg wirklich ein elendes Elend war." Napoleon und seine Reparationsforderungen liegen wolkendunkel auf dem preußischen Königshaus. Luise spricht von einem "Messer, das man uns wieder an die Kehle gesetzt hat".
Voller Tatendrang stürzt sie sich in Politik, nicht ohne die Vielzahl von Audienzen und Besprechungen bei jeder Gelegenheit zu beklagen. Skeptisch betrachtet sie die Ministerriege, die Friedrich Wilhelm III. um sich schart, ein mutloser Haufen, dem der Elan des vom König abservierten Freiherr vom Stein erkennbar fehlt und auch die kühle Umsicht eines Hardenberg abgeht. In dieser Situation greift Luise zur Feder und schreibt einen Brief, der in späteren, harmlosen Zeiten als "Ruckrede" gewertet worden wäre. Er widerlegt das später gemalte Luisen-Bild von der stillen Dulderin und der sich ihrer weiblichen Grenzen bewussten Königin: "Ein wahrer Staatsdiener muss von dem Geist beseelet sein, alle Mittel erstlich aufzufinden und zweitens in Gang zu bringen, um den Forderungen, die dem Staate gemacht werden und obliegen, Genüge zu leisten." Das allerdings auch aus einem nicht ganz uneigennützigen Grund: "... dass vor allen Dingen die Nationalität gerettet werden muss; dass der Nation alles daran liege, unter dem Zepter eines tugendhaften Königs vereinigt zu bleiben."
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Ein junger Dichter von altem preußischen Militäradel, Heinrich von Kleist, hatte als glühender Verehrer der Königin ein Gedicht verfasst. Angeblich soll er versucht haben, das Gedicht im Weißen Saal zu überreichen. Das ist ungewiss. Auch ob sie es gelesen hat, weiß man nicht. Und wenn, dann wohl erst einige Monate später, auf dem Totenbett.
Bald nach dem Geburtstag wurde Luise krank. Überforderung, Ärger, zu große Sorgen, so dachte man. "Meine Seele ist grau geworden durch Erfahrungen und Menschenkenntnis, aber mein Herz ist noch jung", schrieb sie.
Ihr Vater lud sie für den Sommer nach Mecklenburg. Der rechte Vorschlag zur rechten Zeit, Luise hüpfte wie ein junges Mädchen. "Bester Päp! Ich bin tull und varucky", ließ sie ihn wissen - ich bin toll und verrückt.
Und tatsächlich verlebte sie im Schlösschen Hohenzieritz, ungeachtet von Offizialterminen in Neustrelitz und Fürstenberg, eine Reihe recht unbeschwerter Tage. Aber der Husten wollte nicht nachlassen, Fieber kam hinzu, ihre Umgebung berichtete von Atemkrämpfen. Voller Angst brachen Friedrich Wilhelm und die beiden ältesten Söhne - Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinz Wilhelm, der spätere Deutsche Kaiser Wilhelm I. - nach Hohenzieritz auf. Luise wusste, wie es um sie stand. "Ich sterbe von oben herunter", soll sie gesagt haben. Am 19. Juli 1810, um 9 Uhr, trat der Tod ein. Friedrich Wilhelm drückte ihr die Augen zu.
Gräfin Voß, die "Madame Etiquette" am preußischen Königshof, notierte: "Die Ärzte sagen, der Polyp im Herzen sei eine Folge zu großen und anhaltenden Kummers".
Damit gab sie den Ton für mehr als 130 Jahre Luisen-Verehrung vor. Sie wurde zur Märtyrerin, "preußischen Madonna", zum "alldeutschen Weib". Heinrich von Kleist hatte all das, genial wie er war, schon in seinem Geburtstags-Sonett vorweggenommen:
O Herrscherin, die Zeit dann möchte ich segnen!
Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen,
wie groß du warst, das ahndeten wir nicht!
Er, Kleist, aber wohl doch. Detlef Hartlap
Teil 1 der Luisen-Serie: Hoffnungsträger
Teil 2 der Luisen-Serie: Russisch-deutsche Liebesgeschichten
Abbildungen: Wikipedia, Josef Maria Grassi