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Das Drama der Impotenz

Potenzstörungen sind kein Schicksal: Viele Wege zu einer erfüllten Sexualität

Was wird aus dem Glühwürmchen, nachdem es Viagra eingenommen hat? Eine Stehlampe. - Frage an Radio Eriwan: "Können Karotten wirklich die Potenz steigern?" "Im Prinzip ja, aber sie sind schwer zu befestigen!"

Über Potenzstörungen lassen sich gut Witze machen. Doch darüber reden, wenn man selbst betroffen ist - bloß nicht. "Kaum ein Thema, das gründlicher verschwiegen wird als Störungen der männlichen Standfestigkeit, häufig sogar gegenüber der Partnerin", weiß Günther Steinmetz, Sprecher der bundesweiten Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion. Mehr als 4000 Ratsuchende haben sich bereits bei der Gruppe gemeldet, auch Jugendliche und viele Frauen.

Schon mit dem alltagssprachlichen Begriff beginnt das Drama: Impotenz. Der lateinische Ursprung impotentia steht für Machtlosigkeit und Unvermögen. Daher ist es nicht weit, mit dem Abhängen seines besten Stücks den ganzen Mann zum Versager zu stempeln.

Die Wissenschaft spricht von Erektiler Dysfunktion (ED). 4,5 Millionen Männer sollen in Deutschland betroffen sein, fast 20 Prozent aller 30- bis 80-Jährigen. "Erektionsstörungen kommen in jeder Altersgruppe vor, nehmen aber ab dem 40. Lebensjahr exponentiell zu", sagt der Hamburger Urologe Professor Hartmut Porst. "Etwa 30 Prozent der 60-Jährigen und 50 Prozent der 70-Jährigen haben damit zu tun."

Unter der Gürtellinie kann immer mal Flaute herrschen. Müdigkeit, Stress und Streit sind häufige Ursachen. Wenn jedoch über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens 70 Prozent der Versuche zum Geschlechtsverkehr erfolglos bleiben, liegt Impotenz vor, definiert die Deutsche Gesellschaft für Urologie. Dann ist der kleine Freund ein Fall für eine therapeutische Sonderbehandlung.

Potenzstörungen sind kein Problem des Alterns, das man schicksalsergeben hinzunehmen hätte. Es gibt viele Möglichkeiten, das Leiden erfolgreich anzugehen. Betroffene sollten ihm schon deshalb auf den Grund gehen, weil eine organische Erkrankung dahinter stecken könnte.

Bluthochdruck und Arterienverkalkung lassen die Manneskraft erlahmen. Mehr als die Hälfte aller Männer mit Diabetes entwickeln irgendwann Potenzprobleme. In diesen Fällen hat der Hänger sogar sein Gutes, nämlich als Warnsignal. "Da bei Männern im Alter über 40 Potenzstörungen häufig der erste Hinweis auf eine Gefäßerkrankung mit drohendem Herzinfarkt oder Schlaganfall sind, sollte immer eine genaue Diag-nostik erfolgen", rät Porst.

Der Weg zurück zur vertrauten Stärke folgt einem Dreistufen-Schema. Zeitplan und Behandlungsschritte richten sich nach der individuellen Störung.

Was viele Männer nicht wissen: Ein Orgasmus ohne Erektion - das geht!

1. Stufe Zunächst verschreibt der Urologe eine der neueren Potenzpillen. Dies sind die sogenannten PDE-5-Hemmer namens Viagra, Cialis und Levitra. Ihre Wirkung beruht darauf, den Abbau eines speziellen Enzyms in den Penis-Schwellkörpern zu blockieren, das die Erektion ermöglicht. Die Präparate unterscheiden sich durch die Schnelligkeit des Wirkeintritts und die Wirkdauer. Nebenwirkungen sind gelegentlich Kopfschmerzen, verstopfte Nase und Sodbrennen.

Zwar gelten Potenzpillen als Auslöser einer zweiten sexuellen Revolution, sie sind aber keine Allzweckwaffen. Ist die Störung psychisch bedingt, etwa durch Versagensangst, bedarf es einer begleitenden psychotherapeutischen Beratung. Herzpatienten sollten die Medikamente nur nach eingehender Beratung durch den Arzt nehmen.

2. Stufe Nach operativen Eingriffen, die Nervenbahnen oder Blutversorgung des Penis in Mitleidenschaft gezogen haben, können künstliche Erektionshilfen helfen. Bei der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) spritzt sich der Mann einen gefäßerweiternden Wirkstoff in die Schwellkörper. Bei der Vakuumpumpe, der ältesten Therapiemethode bei Impotenz, wird ein Plastikzylinder über den Penis gestülpt und dann ein Unterdruck mittels Hand- oder Elektropumpe erzeugt. Dadurch strömt Blut in die Schwellkörper, der Penis versteift sich.

3. Stufe Schwellkörper-Implantate kommen in schwersten Fällen zum Einsatz. Hierbei werden die Schwellkörper operativ durch Implantate ersetzt.

Selbst wenn eindeutige organische Ursache vorliegen, so kommen doch immer auch psychische Probleme dazu, die ebenfalls negativ auf die Erektionsfähigkeit einwirken. Das Gespräch mit der Partnerin kann die Situation entschärfen, wenn dabei auch Wünsche und Bedürfnisse ausgetauscht werden. "Offener Umgang mit der Sexualität ist aber in vielen Partnerschaften ein Tabu", berichtet Steinmetz. Potenzschwache Männer, die erniedrigende Situationen vermeiden wollen und deshalb rasch im Badezimmer verschwinden, um heimlich ihre Potenzpille zu schlucken, sind keine Seltenheit.

Ihre Partnerin nicht befriedigen zu können, ist für viele Männer gleichbedeutend mit schwerem Versagen. "Dabei scheitert der Wunsch der meisten Frauen nach Nähe und Intimität nicht an einer unzureichenden Erektion", weiß Steinmetz.

Das Gespräch macht Hilfsmittel oft sogar überflüssig. Wo es in der Partnerschaft nicht recht in Gang kommen will, bieten sich Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Ärzte und die Sprechstunden für Männergesundheit bzw. Erektile Dysfunktion in manchen Kliniken an.

Was viele Männer nicht wissen: Die Erektion ist keine zwingende Voraussetzung für einen Orgasmus. "Gesunde Männer erleben Sex als Dreiklang aus Erektion, Orgasmus und Ejakulation", beschreibt Steinmetz. Es geht aber auch anders, wie er selbst erfahren hat. Bei einer Prostata-Operation wurden bei ihm die für eine Erektion zuständigen Nerven durchtrennt. "Entscheidend für den Orgasmus sind Lustreize, die nicht auf eine Versteifung des Gliedes angewiesen sind." Sex ist fester Bestandteil seiner Partnerschaft, sagt Steinmetz, eben nur anders. Natürlich denkt er manchmal wehmütig an die Zeiten harter Fakten zurück. "Doch es gibt fast immer einen Weg zu einer befriedigenden Sexualität. Sogar bei schweren Potenzstörungen." bär

Potenzfördernde Informationen

Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz), Telefon 08142/ 597099
E-Mail: kontakt@impotenz-selbsthilfe.de, www.impotenz-selbsthilfe.de
Informationszentrum Sexualität und Gesundheit (ISG), c/o Uni Freiburg, Telefon 0180/5558484, www.isg-info.de

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