Tisch für Zwei

Das Anziehende am Ausgezogensein

Der Kurzroman in Prisma

¿T?
Eigentlich mag ich es, wenn der Tag gemütlich beginnt. Tasse Kaffee, ein knuspriges Mohnbrötchen mit Tilsiter und dazu das Neueste aus der Zeitung. Heute verdarb mir Lena die Ruhe, indem sie unentwegt Stapel von Klamotten durchs Zimmer trug. Sie packte. "Unser Urlaub", sagte ich, "beginnt in zehn Tagen. Oder willst du vorher noch wohin?"

"Ich probiere ein neues System", erklärte sie gehetzt. "Ich sortiere meine Sachen nach Farben. Damit alles gut zusammenpasst."

"Soso", sagte ich, "und wie viele Farben sortierst du? Für jeden Tag eine?"

"Nein, mein Lieber, zwei Farben für 14 Tage. Wenn wir abends ausgehen, soll wenigstens einer von uns vernünftig aussehen."

"Lena", sagte ich genervt, "seit wann siehst du gut aus, wenn du Ton in Ton trägst? Das ist ätzend." "Ist das so?", fragte sie und hielt inne. Ihr System hakte. "Außer", fuhr ich fort, "wenn du gar nichts anhast. Dann finde ich Ton in Ton durchaus anziehend." rwo


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