| Titelthema |
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Nach den ersten Meereseindrücken stoßen wir auf Dieter Pfaff. Zumindest auf jemanden, der aussieht wie Dieter Pfaff nach einer Woche ausgedehnter Strandspaziergänge und dem Verlust einiger Kilos.
Dieser Typ lehnt an einem dieser Holzpfähle, an denen hochseetaugliche Kutter festmachen können; unter Kennern werden sie als Duckdalben bezeichnet.
Nun sind Duckdalben und warum sie so heißen eine andere Geschichte. Wie der Mann heißt, erfahren wir nicht, das wird vorausgesetzt. Um es kurz zu machen: Herbert heißt er, Herbert Seckler, Erfinder und Wirt der Sansibar, einem weithin bekannten Restaurant in den Dünen.
Das Inhaltsverzeichnis verspricht auf Seite 324 - Überschrift: "ich bin Herbert" - nähere Auskünfte zur Person. Doch was findet sich? Ein Gedicht von des Meisters Hand: Und wenn du denkst,// mach dir Gedanken nicht zum Ziel ...// Wenn mit Triumph du umgehst -// wie mit Unglück,// und hältst von beiden Blendern nicht zu viel.
Nun ist das mit den Blendern so eine Sache. Großformatige Bildbände in der Preisklasse um 40 Euro werden nicht produziert, um die Schattenseiten eines Betriebes ins Auge zu fassen. Ganz ohne Subvention, von welcher Seite auch, kommen sie kaum zustande. Sie wollen und sollen leuchten, und nicht böse sein, wer sich dabei geblendet fühlt!
Die Autorin, Inka Griese, weist sich im Klappentext als Freundin und im Text als Fan des Sansibaristen und Co-Autors Seckler aus.
Das führt zu Sätzen, die nur geschrieben werden, wenn Inspiration und Himmelei in eins übergehen: "Eine neue Zigarette. Das typische heisere Lachen." Sprachen wir von Sätzen? Falsch, denn das war eben schon ein kompletter Absatz.
Und so geht das fort. Kostprobe: "Helga Seckler - die Innerliche. Durch dick und dünn, durch arm und reich mit Herbert. Seit mehr als dreißig Jahren. Sie, die besonders hübsche Schauspielschülerin, wollte nur mal jobben auf der Insel ..." Jo, den weiteren Lauf der Dinge kennen wir.
Oder Barbara Ibers-Seckler, unser Titelbild: "Die älteste Tochter. Hotelkauffrau. Schon in der Grundschule hatte sie keinen Zweifel: 'Ich werde Chefin vom Sansibar.'"
Was nun wieder die Frage aufwirft: Heißt es die Sansibar, oder, wie es Barbara Ibers-Secklers kluger Vorsatz vermuten ließe, das Sansibar.
In Billy Joels jazzigem Song Zanzibar ist das völlig egal: Dort ist es ein Ort, irgendwo in New York, an dem er gern versackt. Die Sylter Sansibar - wir bleiben doch bei der weiblichen Form - ist wohl eher dem kultivierten Versacken gewidmet - bei gutem Wein und edlem Fisch.
Warum zum Seeteufel stellen wir dieses Buch überhaupt vor? Weil es eben auch ein Kochbuch ist, und unter den Myriaden von Kochbüchern ist es gewiss kein schlechtes.
Außerdem sind die Fotos wirklich schick (der Fotograf, Marc Rehbeck wird allerdings nur dezent erwähnt). Die Fotos tragen eine winterliche Note. Wer noch nie auf Sylt gewesen ist, ahnt, wann die beste Jahreszeit für Insel und Sansibar sein könnte. Schnee in den Dünen, das gefällt. Nur Nicklas Seckler, der Sohn, versucht mit einem Bunsenbrenner den Schnee zum Schmelzen zu bringen - warum fragen wir lieber nicht. Detlef Hartlap
Herbert Secklers Gebratener Seeteufel auf Carpaccio vom US-Beef mit Rahmspinat und Parmesan
Inka Griese: "Das große Sansibar Buch" Collection Rolf Heyne, 39,90 €
Foto: Marc Rehbeck/Collection Rolf Heyne