Tisch für Zwei

Knallharte Erwiderung auf eine doppelte Unterstellung

Der Kurzroman in prisma

¿T?
"Du hast bloß noch dein ewiges Joggen im Kopf", schimpfte Lena, "für wen rackerst du dich eigentlich so ab?"

Das fiel, da ich Lena zu kennen glaubte, in die Kategorie der gefährlicheren Fragen. Als gelernter Kaffeesatzleser in den Stimmungen meiner Frau wusste ich: Erstens unterstellte sie, ich würde zu viel Kraft an falscher Stelle vergeuden; zweitens unterstellte sie, dass eine (noch) unbekannte Dritte meiner Eitelkeit die Sporen gab.

Puh! Darauf hätte ich eine Menge antworten können, leider fiel mir gerade nichts ein. Ich stand, zurück vom Laufen, schweißtriefend vor dem Bad und wollte nur noch duschen.

"Die Ehe zweier Menschen, die einander in Liebe verbunden sind", hat ein weiser Mann gesagt, "kommt nie zur Ruhe; sie lebt von elementarer Uneinigkeit." Sollte ich Lena entgegenhalten, dass mir ihre ständige Internet-Shopperei auf den Geist ging? Oder dass ich das Joggen brauche, um meine Gedanken zu ordnen? Dass Läufer länger können? Ich ging unter die Dusche und sagte nichts. rwo


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