| Genießen! mit Cordula und Emile Zaragoza |
| Kolumne |
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Mein Mann Emile ist der Koch, ich bin die Gärtnerin. Ein Tütchen Zucchini-Samen bringt alles ins Rollen. Während mein Mann bereits Plantagen vor Augen hat, die den täglichen Bedarf auf Wochen hinaus decken sollen, trete ich – zweifelnd und hoffend – täglich an meine Saatschalen. Ich beäuge das Keimen, reguliere Wärme, Licht und Feuchtigkeit.
Die freudig begrüßten Sprösslinge wandern in Balkonkästen, in alte und neue Kübel sowie eilig umfunktionierte Apfelsinenkisten. Meine Aufgabe besteht neben dem täglichen Gießen darin, die anfeuernde, herrlich kindsköpfige Ungeduld meines Mannes zu bezähmen und auch sonst den Ball flach zu halten: nur keine falschen Versprechungen!
Die ersten Blüten führen dann umgehend zur Ehekrise: Gefüllte Zucchiniblüten sind eine Delikatesse – aber wie kann er denn gleich alles abrupfen?! Wir legen den Streit bei. Mein Mann kauft Zucchini samt Blüten auf dem Markt, ich darf entspannt auf eine reiche Ernte hoffen. Sie beginnt bereits im Juni mit hübschen kleinen vollaromatischen Exemplaren. Emile verwöhnt uns Tage und Wochen mit herrlichen nach Knoblauch und Kräutern duftenden Zucchinigerichten à la provençale.
Dann aber wird unser Projekt einer weiteren Belastungsprobe unterworfen: Wie oft erträgt der Mensch Zucchini? Wir haben alle denkbaren Varianten durchgespielt: – roh gerieben als Salat; – gerieben und in der Pfanne mit aufgeschlagenem Ei als Omelette gebacken; – in pikanter Tomatensauce gesotten; – im Ofen mit Ziegenkäse überbacken.
Mitte August haben wir wegen geschmacklicher Erschöpfung die Ernte eingestellt. Vorzeitig.
Inzwischen habe ich meine Beete umgepflügt und mit Kräutern und Blumen bepflanzt; die Gefahr, im Überfluss zu versinken, bleibt da gering.
Zucchini sind bis auf weiteres vom Speiseplan gestrichen; die letzten Früchte reifen zu unaromatischen Riesen heran. Unser Ehefrieden ist auch wiederhergestellt. Emile träumt schon wieder von neuen Plantagen, diesmal mit historischen Tomaten. Ich hingegen erwäge den Erwerb eines Einmachkessels. Ich habe da ein paar Rezepte gefunden, die ich ihm diskret über den Tisch geschoben habe: – Tomaten in Kräuter-Kapern-Sud eingekocht; – Tomaten-Paprika-Chutney mit Zwiebeln; – Tomaten-Chili-Konfitüre. Der Fantasie sind beim Einkochen kaum Grenzen gesetzt – dem Überfluss auch nicht. Und bald, da bin ich sicher, werden wir auch wieder Zucchini mögen; bergeweise Zucchini aus dem Garten. À bientôt!
Cordula Osthoff-Zaragoza & Emile Zaragoza führen in Münster, Spiekerhof, das Restaurant "Giverny".
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Fotos: privat; F1 online