| Genießen! mit Cordula und Emile Zaragoza |
| Kolumne |
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Nun soll hier nicht die Not des Genießers beschrieben werden, der sich hilfesuchend nach seinem verloren gegangenen Glas umschaut. Vielmehr wollen wir den Blick in Richtung Küche wenden und Emiles Not in Augenschein nehmen, der seine Kleinodien bereits im Vorfeld gegen die höchst interessierten Service-Mitarbeiter verteidigen muss. Sie haben aus durchsichtigen Gründen plötzlich alle in der Küche zu tun: Milch für die Kaffeemaschine wird offenbar Tüte für Tüte aus dem Kühlhaus geholt, Orangen und Zitronen können ebenfalls nur stückweise die Küche verlassen ...
Der Begriff "Fingerfood" nimmt eine unheilvolle Bedeutung an - es wird im Vorbeigehen genascht, sobald die Köche den Rücken kehren. Hier ist es eine Olive, da ein Stückchen Bayonner Schinken, dort eine Tranche Rehrücken. Waren nicht schon dreißig von den kleinen Lebercrème-Türmchen fertig? Emile schlägt Alarm: "Wenn ich noch einmal einen Kellner in der Küche sehe, ...!"
Der Service geht in Deckung und widmet sich mit quälendem Appetit seinen Vorbereitungen, bis ich beladen mit Blumen zur Tür hereinkomme. Während der kurzen Besprechung bemerke ich verwundert die leicht betretenen Mienen meiner Truppe. Ohne gewarnt zu sein, werfe ich die Schwingtür zur Küche auf - in der Hoffnung, umgehend zu einer kleinen "Qualitätskontrolle" aufgefordert zu werden. Da erschallt ein entnervtes: "Raus hier und Finger weg von meinen Tartelettes!"
Wie vom Donner gerührt verschlucke ich mich an meiner Vorfreude und lasse dann ein unschuldiges "Wie, sind die etwa abgezählt?" vernehmen, um anschließend ohne jede Beute die Flucht zu ergreifen. Mein Magen knurrt - verflixt, hätte ich doch gefrühstückt.
Die Küchencrew setzt gerade diese entzückenden Häppchen auf Platten, da geht die Türe auf und die Gäste für den Empfang kommen herein. Mäntel und Jacken werden entgegengenommen und verstaut. "Bitte, wo sind die Toiletten? Haben Sie Wasser für meinen Hund? Ich möchte nichts Alkoholisches, bitte, könnte ich einen frisch gepreßten Orangensaft haben?" Wir erfüllen alle Wünsche.
Dann wird das Sperrgebiet Küche freigegeben. Es kommen die Platten mit den Gourmandisen! Emile drückt mir ein Tablett mit Rauchforellenmousse und Keta-Kaviar im Vol au Vent in die Hände. Ooohhhh, wie schade, denke ich, da gehen sie dahin! Und ich konnte keine noch so kleine "Qualitätskontrolle" durchführen. Schmeckt der Linsenschaum mit den Gänseleberwürfelchen wohl so hinreißend wie er aussieht? Und diese kleinen Tartelettes, das sind doch die mit dem Thunfischtatar! Und das Erbsenschaumsüppchen mit sautierter Crevette! Ach, und nie werde ich wissen, ob die Miniblinis mit Lachs auf Wa-sabi-Crème fraîche tatsächlich so sensationell sind. Oh, wie ungerecht ist diese Welt!
Nachdem die Schlacht geschlagen und alles wieder aufgeräumt ist, hat ein versöhnlicher Emile ein kräftiges Essen für die Servicemannschaft zubereitet. Es gibt Kaninchenkeule in Senfsauce. Obwohl sich das ganz vorzüglich anhört, verzichte ich. All den Köstlichkeiten habe ich tapfer hinterhergeschaut, jetzt gehe ich ins Kühlhaus und schaue mal, ob da nicht doch ein kleiner Rest vom Fest auf mich wartet. À bientôt!
Cordula Osthoff-Zaragoza & Emile Zaragoza führen in Münster, Spiekerhof, das Restaurant "Giverny".
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Foto: privat