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Das Wort zum Fernsehen | Freitag, 14. Oktober 2011 |
| Der Hans-Hoff-Blog |
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Einem Toten werden die Fußnägel gereinigt. Sorgsam. Beinahe liebevoll schält der Leichenwäscher den Dreck weg. Ein Bild, das man erst einmal aushalten muss. Mehrfach sind Leichen zu sehen in diesem Film. Michelberger hat beobachtet, wie sie gewaschen werden, wie man mit den leblosen Körpern umgeht, wie man sie beinahe zärtlich, noch als Teil des Lebens behandelt. "Ich merke seine Seele, wenn ich ihn wasche", sagt ein Leichenwäscher. An vielen Orten hat Michelberger den Umgang mit Toten beobachtet. Er hat bei Christen, Juden, Muslimen und Atheisten gefilmt, wie die Lebenden mit denen umgehen, die von ihnen gegangen sind. Der Filmemacher, der schon mit Bruno Ganz und Nam June Paik gearbeitet hat, forscht auf Friedhöfen, in Leichenhallen und in seiner eigenen Jugend. Schwarz-weiße Bilder von spielenden Messdienern, die über Schuld und das Auge Gottes sinnieren, zeigen sehr offensichtlich, wie Michelberger sozialisiert wurde.
Er zitiert viel Irrationales. Zu hören sind Theorien von Würmern, die unschuldige Tote nicht auffressen, von Knochen, die immer bleiben, wenn der Mensch zu Lebzeiten nur fromm war. Zu hören ist die Frage, ob muslimische Eltern das Herz ihres toten Kindes spenden dürfen, um ein jüdisches Kind zu retten. Zu sehen ist auch der "Körperwelten"-Macher Gunter von Hagen. Alles geht ein bisschen wirr durcheinander, Michelberger liefert an wie ein Schwertransporter, aber er vermeidet das eigentlich folgerichtige Chaos, weil er den teilweise abenteuerlichen Aussagen enorm viel Ruhe im Bild entgegensetzt.
Die Ruhe macht den Film indes nicht leichter verdaulich. Wenn man sieht, wie etwa die "Körperwelten"-Macher an Leichenteilen herum schnitzen, erfordert das vom Zuschauer genau jene Kraft, die dem Medium in diesen Tagen so oft abgesprochen wird. " LUS oder Geschmack am Leben" ist kein einfaches Dokumentarstück. Es ist optisch zudem ziemlich harter Tobak. So etwas sieht man nicht alle Tage. Es ist Fernsehen, das noch etwas wagt. Es ist Fernsehen, das berührt, das bewegt. Es ist nichts Alltägliches und gerade deshalb so besonders.
Foto: ZDF/Justyna Feicht
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