| Genießen! mit Cordula und Emile Zaragoza |
| Kolumne |
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Mein Mann Emile ist als Verfechter der "Ganzjahresregel" stets äußerst mitfühlend, wenn ein Gast berichtet, dass er trotz schönster Gelegenheit Verzicht geübt hat. Dabei kann man auch im Hochsommer ohne Gefahr für Leib und Leben rohe Austern essen. Emiles Credo lautet: Wie alles aus dem Meer schmecken auch Austern im Sommer nach mehr!
Giacomo Casanova soll täglich 50 Austern als "Ansporn für Geist und Liebe" verputzt haben
Die R-Regel wurde nicht zum Schutz der Gesundheit des Menschen ersonnen, sondern zu dem des Wildausternbestandes. Wegen der großen Nachfrage waren die Austernbestände im 18. Jahrhundert derart stark dezimiert, dass ein Dekret die Fischerei in den Monaten Mai bis August untersagte, damit sich die Bestände erholen könnten. Tatsächlich regt in der warmen Jahreszeit die erhöhte Wassertemperatur die Auster zur Fortpflanzung an. In dieser Zeit wird ihr Fleisch milchig und der Geschmack leidet. Mit dem Aufbau der kommerzialisierten Austernzucht wurde beiden Problemen abgeholfen. Zum einen ist der Nachschub in großen Stückzahlen gewährleistet, zum anderen bremsen Klärbecken mit gekühltem Meerwasser den Vermehrungseifer der Tiere.
Man muss nicht Urlaub in Frankreich machen, um in den Genuss der Königin der Schalentiere zu kommen. Deutschland gehört zu den Hauptimportländern. Emile hat natürlich seine Lieblingssorte, die er auch unseren Gästen anbietet: die Speciale de Claires von der Ile d'Oléron vom Züchter Gillardeau. Diese Sorte ist von ganz besonderem Geschmack. Ihr Aroma ist nussig, zartsüßlich. Dabei ist sie fest und vollfleischig. Ein Spritzer Zitrone ist als Würze statthaft, dazu Brot und leichtgesalzene Butter. Nicht zu vergessen das Gläschen Wein!
Wenn man als ungeübter Austernesser nicht dem ersten Reflex erliegt, die Auster unzerkaut einfach hinunterzuschlucken, sondern - nachdem man den Duft von Schale und Fleisch eingesogen hat - sie im Mund sanft zerkaut, dann kann sich das Aromenspiel dieser Köstlichkeit voll entfalten. Versuchen Sie es!
À bientôt!
Cordula Osthoff-Zaragoza & Emile Zaragoza führen in Münster, Spiekerhof, das Restaurant "Giverny".
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Foto: privat