Götz George im Gespräch
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Für das Fernsehen mimt George in dem TV-Thriller "Racheengel" einen undurchsichtigen, diesmal jedoch fiktiven Arzt, in dessen psychiatrischer Klinik Menschen, unter Hypnose gesetzt, zu Mördern werden - schauen Sie auch mal bei Darstellerin Chiara Schoras vorbei. Prisma sprach mit George über das Böse im Menschen und Böses im Film.
Prisma: Götz George, zwei Ärzte der übelsten Sorte auf einen Streich. Wie kommen Sie an solche Rollen?
Götz George: Ich habe mich selbst darüber gewundert. Ich hatte mich immer geweigert, einen Arzt zu spielen. Doch gute Projekte sind altersbedingt schwer zu finden, weil die ja vorwiegend mit den Youngstern besetzt werden. Ich muss sehr darauf achten, dass ich nicht permanent die Väter spiele, sondern auch Figuren, bei denen ich den Menschen dahinter erforschen kann. Das war bei "Nichts als die Wahrheit" und "Racheengel" der Fall.
Prisma: Die übelsten Typen wie der serienkillende Psychologe in "Racheengel" haben im deutschen Fernsehen Konjunktur. Haben Sie eine Erklärung dafür?
George: Das könnte ein Trend sein. Was soll's? Wenn ich die Möglichkeit sehe, etwas daraus zu machen, dann nehme ich die Rolle schamlos an. Bei "Racheengel" war ich mir unsicher. Ich wollte immer mit dem Regisseur Thorsten Näter zusammen arbeiten, wusste aber nicht, wie fantasievoll er das Buch umsetzt. Es hat mich überrascht, und ich war glücklich, wie gut das gelungen ist.
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George: Ich habe mich immer dagegen gesträubt, weil ich mich nicht aus der Hand geben wollte. In Krankheitsfällen ist das sicherlich toll, aber ich würde eine große Scheu davor haben.
Prisma: Aus Angst, dass etwas aus Ihnen unkontrolliert herausbricht?
George: Nein. Diese Geheimnisse hat ein Schauspieler nicht ich zumindest nicht. Alles, was der Privatmensch Götz George mit sich herumträgt, kann er in seinem Beruf loswerden.
Prisma: Sie haben sich sehr für "Nichts als die Wahrheit" engagiert und sogar eine Million Mark in das Projekt investiert. Weshalb war es für Sie so wichtig?
George: Weil der Film etwas mit unserer Vergangenheit zu tun hat. Wir haben unsere Vergangenheit aus Scheu nie in die Hand genommen. Es waren die Amerikaner, die unsere Geschichte quasi mit viel Geld und Farbe ausgebeutet haben. Zuerst war es für mich nur ein Film unter vielen, doch dann drohte das Projekt zu kippen, weil Geldgeber abgesprungen waren. Da merkte ich auf einmal, wie wichtig es ist, wenn Menschen in unserem Land Angst vor der Vergangenheit haben. Da ist dieser Film nicht der erste Schritt, aber ein wichtiger.
Prisma: Was reizte Sie an der Rolle des KZ-Schurken Josef Mengele?
George: Ich wollte das Böse an sich spielen.
Prisma: Und, haben Sie etwas von sich in der Figur gefunden?
George: Nein. Das kann ich nur spielen, indem ich es in dieser absoluten Abgründigkeit und Schizophrenie kapiere. So habe ich auch Rudolf Höss, Lagerkommandant von Auschwitz, gespielt. Wenn man so will, immer dem Bösen auf der Spur.



