Interview

Maria Schrader im Gespräch

Bei Woody Allen würde ich ungesehen mitmachen!

Maria Schrader mit Jürgen Vogel in der Beziehungskomödie "Stille Nacht"
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Maria Schrader gehört in den letzten Jahren zu den interessantesten Gesichtern des neuen deutschen Films. Ob sie bei Doris Dörrie in "Keiner liebt mich" oder beim Amerikaner Hal Hartley in "Flirt" zu sehen war, in Robert Dornheims österreichischem "Unfisch" oder in Dani Levys "Stille Nacht", immer spielte sie eine aufregende Perönlichkeit. Nach dem Erfolg mit "Aimée und Jaguar", für den sie gemeinsam mit ihrer Partnerin Juliane Köhler mit dem Berlinale-Bären als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, kommt jetzt Dani Levys "Meschugge" in die Kinos. Maria Schrader spielt die Hauptrolle und hat gemeinsam mit dem Regisseur das Drehbuch geschrieben.

Prisma Frau Schrader, was ist das für eine Figur, die sie in "Meschugge" spielen?
Maria Schrader Lena ist eine deutsche Jüdin, die nach New York gegangen ist, um im Modegeschäft Fuß zu fassen. Sie ist eigentlich eine sehr selbstbewusste, heutige Person, die frei ist, die sich ihr Leben da drüben gestaltet, die von den Eltern noch unterstützt wird in Deutschland. Sie ist auch noch ein bisschen auf der Suche. Sie weiß nicht genau, bleibt sie in New York oder geht sie zurück nach Deutschland? Sie hat in diesem Film eine schicksalshafte Begegnung, trifft jemanden, verliebt sich fast auf den ersten Blick. Über die Beziehung zu diesem Mann, und über eine Kriminalgeschichte, in die sie verwickelt wird, findet sie heraus, dass sie gar nicht die Person ist, die sie immer zu sein geglaubt hat, und so verliert sie ihre ganze Idendität und ihre Herkunft, findet aber jemanden, den sie wirklich liebt. Sie stolpert über eine schwer verletzte Frau in einem Hotel und tut eigentlich das, was wir alle tun würden: Sie bringt sie ins Krankenhaus, kümmert sich so ein bisschen um sie. Diese Frau stirbt aber in der gleichen Nacht und Lena muss herausfinden, dass ihre eigene Mutter, also ihre eigene Familie, mit dem Tod dieser Frau zu tun hat. Sie muss sich irgendwann im Laufe des Films die Frage stellen, helfe ich meiner Mutter, decke ich sie, die tatsächlich anscheinend jemanden umgebracht hat, oder muss ich für mich herausfinden, was die Wahrheit ist, muss mich unter Umständen sogar gegen meine eigene Mutter stellen.

Prisma Sie haben die Rolle der Lena mitentwickelt?
Schrader Also, hier war die Arbeit einfacher, weil ich mit Dani Levi das Drehbuch geschrieben habe. Wir konnten über ganz viele Dinge schon vorher sprechen, und mir war schon vieles klar, bevor wir überhaupt mit dem Dreh angefangen haben. Mit anderen Regisseuren ist das oft so, dass man sich eigentlich am Drehort erst richtig kennenlernt, dass man sich auch über viele Dinge streitet, bis man herausfindet, oh, der hat ja eine ganz andere Vorstellung davon als ich. Bei "Meschugge" war das so, da wir über viele Szenen ja schon vorher gesprochen haben, wusste ich schon vieles über die Figur.

Prisma Wie war der Unterschied in der Arbeit zwischn Färberböck und Levy?
Schrader Es ist ein großer Unterschied, wenn man 'nur als Schauspielerin' für ein Projekt engagiert wird. Dann kümmert man sich um seine Rolle, macht das so gut, wie man kann, und ist glücklich, wenn es funktioniert und ein schöner Film dabei rauskommt. Bei "Meschugge" war es ein großes Glück für mich, dass ich mir Dinge ausgedacht habe - nicht nur meine eigene Figur sondern auch andere Figuren - und die hat man in diesem Film so zum Leben erweckt. Ich hatte großen Einfluss auf die Geschichte und es ist auch ein wenig meine Geschichte, die da erzählt wird. Und dass dann so tolle Schauspieler wie David Strathairn und Nicole Heesters daran teilnehmen, das macht mich dann ganz besonders glücklich. Man steht anders für diesen Film ein, wenn man ihn sich mit ausgedacht hat und natürlich beeinflusst das auch die Arbeit. Dani und ich hatten schon eine große Geschichte (Maria Schrader und Dani Levy lebten bis vor kurzem zusammen), bevor es zu diesem Film kam. Max Färberböck habe ich ja eigentlich während der Dreharbeiten zu "Aimée und Jaguar" erst richtig kennengelernt.

Prisma Die Figur der Felice hat sich doch mehr auf Maria Schrader hinentwickelt?
Schrader Ich weiß gar nicht, ob ich das so sehen würde. Natürlich gibt es diesen Moment, wo man sich so eine Figur dann zu eigen machen muss und so hat jede Figur einen großen Anteil Maria Schrader, weil es mir persönlich auch darum geht, auch von mir selbst etwas herzugeben. Eigentlich geht es beim Spielen darum, dass man vor der laufenden Kamera echte Erlebnisse hat, und da kann ich dann auch nicht raus aus meiner Haut, ich kann mich neuen Dingen aussetzen, also in dieser Figur.

Prisma Wie ist das mit Nähe und Distanz zu einer Figur?
Schrader Es ist so bei allen Filmen, die ich mache, gibt es immer eine Vorarbeit, also auch bei "Aimée und Jaguar" habe ich mich natürlich mit der Frau beschäftigt, die ich da spiele. Ich konnte ja viel über sie erfahren, das ist eine ganz neue Sache für mich gewesen, dass ich jemanden spiele, der tatsächlich gelebt hat. Ich habe mich mit ihr auseinandergesetzt, habe ihre Briefe gelesen und mich selbst eigentlich darüber ganz vergessen. Auch bei "Meschugge" war es so, dass man viel vorbereitet hat. Ich habe die Figur mitgeschrieben, ich habe mir Dinge ausgedacht und hatte dadurch eine große Distanz zu der Figur. In dem Moment, wo ich dann spiele, muss ich das alles vergessen. Dann muss ich mich auf den Moment einlassen und letztendlich auch versuchen, zu vergessen, dass die Kamera läuft, versuchen, mich in diese Situation hineinzuversetzen und sie tatsächlich zu erleben. Also da gibt es dann keine Distanz mehr.

Fortsetzung


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