Hintergrund

Militarismus und Patriotismus im Hollywoodkino der Neunzigerjahre


Krieg als Vater aller Dinge? Tom Hanks in Spielbergs "Der Soldat James Ryan"
¿T?
Von Jürgen Wimmer

Ist Krieg keine prima Sache? Er macht aus Waschlappen Helden, aus Muttersöhnchen ganze Männer. Wer's noch nicht wußte, bekommt's seit geraumer Zeit vom Hollywoodkino fingerdick aufs Brot geschmiert. Zuletzt waren es unter anderen auch deutsche Regisseure, die sich ganz unbekümmert für den US- Patriotismus ins Zeug legten.

Als Mr. President höchstpersönlich steigt Bill Pullman in Roland Emmerichs "Independence Day" (1996) in die Pilotenkanzel, um den unerwünschten außerirdischen Eindringlingen Saures zu geben. Natürlich nicht ohne die heldische Aktion mit heldischen Reden zu rahmen. Wolfgang Petersen zeigt den (wie üblich) vietnamgestählten Präsidenten noch krasser als lupenreinen Actionhelden: In "Air Force One" (1997) liquidiert Harrison Ford in bewährter "Die Hard"-Manier eine bestens ausgebildete Truppe internationaler Terroristen. Patriotisches Gequassel frei Haus.

Wobei diese Spielart noch die harmloseste, weil offensichtlichste ist. Die Penetranz, mit der hier Mr. President abgefeiert wird, muß dennoch befremden. Man stelle sich nur ein deutsches Pendant vor, in dem ein an Helmut Kohl gemahnender Actionheld schlagfertigst mit Verbrechern aufräumt.

Daß sich patriotische Werte durchaus subtiler und sogar unpeinlich vermitteln lassen, lehrt dagegen ein Blick in die Filmgeschichte: Einige Werke von John Ford geben sich auch patriotisch, doch klatschen sie dem Zuschauer ihre Botschaft niemals mit dem Charme eines nassen Putzlappens um die Ohren. Wer sich Fords ambivalente Einstellung zur Armee in "Bis zum letzten Mann" (1948) ansieht, kann über die eindimensionale Sicht der allermeisten heutigen Produkte nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Fortsetzung


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