Harald Götz (Peter Jordan) hat sich alles schon ausgemalt. Wie er Boerne umbringen, ihm "in sein kleines, selbstgerechtes Herz schießen" wird. "Ich will ihn krepieren sehen", sagt er seiner Therapeutin Corinna Adam (großartig: Oda Thormeyer). Doch "einen Mord zu begehen, ist nicht so einfach", weiß die – auch wenn Götz an nichts anderes mehr denken kann.

Der Grund: Boerne hat millionenschwere Fördermittel an Land gezogen, während Götz vergeblich seine Forschung gegen die Nervenkrankheit ALS vorantreibt. Kurze Zeit später: eine Leiche. Aber es ist nicht Boerne, sondern Götz' Frau – sie litt an ALS. Hat sie sich das Leben genommen, wie die Obduktion zeigt? Oder war es Mord, wie Kommissar Thiel glaubt?

Götz jedenfalls trauert nicht – er strahlt so viel Gefühl aus wie ein Roboter. Aber das mit der Empathie ist ohnehin so eine Sache. Selbst Thiel muss sich von Staatsanwältin Klemm fragen lassen: "Haben Sie eigentlich manchmal das Gefühl, dass diese vielen Jahre bei der Kripo auf Kosten Ihrer Menschlichkeit gegangen sind?" Die lapidare  Antwort: "Ich muss den Leuten ja nicht helfen, ich muss sie nur verhaften." Und Boerne? Der trifft sich, wie taktvoll, mit einigen Kollegen, um auf den neuen Etat anzustoßen.

Das Tempo, mit dem diese Feierstunde dann eskaliert, ist atemberaubend. Und auch, wenn der Tatort dieses Tempo nicht bis zum Ende halten kann, überzeugt er durchaus, vor allem durch seine Charakterwechsel. Und: Er hält sich in Sachen Klamauk wohltuend zurück. Wenn das Schule macht, ist Münster noch nicht verloren. Außer in Sachen Menschlichkeit vielleicht, aber da hat ausgerechnet Professor Boerne das letzte Wort.