Prisma-Doppel-CD: Die 50er im Spiegel ihrer Musik
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Das waren Zeiten, als der Hufschlag des Wilden Westens dem heimatlichen Schlager Rhythmus verlieh und Geschichten vom Eisenbahnbau oder von Mord und Totschlag erzählt wurden, als ob es nie einen Karl May mit seinen Romanen um Old Shatterhand und Winnetou gegeben hätte.
Tatsächlich, in den Fünfziger- und zum Teil auch noch in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts durfte sich Deutschland neu erfinden. Es war eine Lust, wieder ohne krause Ideologien von Paris zu träumen. Und es war wie ein Versprechen, das man sich selbst gab, wenn man von Amerika und grenzenloser Freiheit träumte, das Versprechen künftiger Fernflüge und Abenteuer in der Neuen Welt.
Die Schlagertexte konnten gar nicht verrückt genug sein, um nicht doch eine wichtige Funktion bei der Neubesinnung der Deutschen zu spielen. Nach Jahren der Fesselung in völkischem Mief galt diese Neubesinnung der Hinwendung zu den Reizen der großen Welt.
Als Fremdenführer für Paris fungieren auf der Prisma-Doppel-CD "Das waren Zeiten" der Amerikaner Bill Ramsey (Jahrgang 1931) und der Engländer Chris Howland (Jahrgang 1928). Ramseys "Pigalle" war ebenso wie seine "Souvernirs, Souvenirs" ein Riesenerfolg; Chris Howland war ein erfolgreicher Fernsehmoderator, der in seinem Song "Das hab' ich in Paris gelernt" überzeugend demonstriert, wie cool Sprechgesang schon Jahrzehnte vor Rap und HipHop wirken konnte.
Der Wilde Westen gelangt in zweifacher Form auf die Prisma-CD: In "Da sprach der alte Häuptling der Indianer" als Comedy (wie man heute sagen würde) bei Gus Backus (auch er ein Amerikaner, Jahrgang 1937) sowie als Melodram in der düsteren Ballade "Tom Dooley". Selbst wenn einem die Story, die hier erzählt wird, nicht gefällt, so ist die ausgefeilte Chorharmonie der Nilsen Brothers aller Ehren und des Hinhörens wert.
Das waren Zeiten bedeutet über alle 40 Lieder hinweg: Es ging locker zu, es herrschte eine gewisse Ausgelassenheit, die so ganz im Gegensatz zum politischen Erscheinungsbild der noch jungen westdeutschen Demokratie stand und gerade darum auf eine heute kaum noch nachvollziehbare Art politisch war. Fred Bertelmanns "Der lachende Vagabund" mag in seiner brusthaarigen Macho-Attitüde auf viele graue Eminenzen der Bonner Republik wie der oft beschworene "Untergang des Abendlandes" gewirkt haben; Hazy Osterwalds "Kriminal-Tango" wie eine ganz und gar ungehörige Gangster-Ballade, die vom Verfall der Sitten kündete.
Es war eine prüde, verklemmte Zeit, und die Leistung des deutschen Schlagers bestand darin, diese Verklemmungen unter der Tarnkappe kleiner, aber doch bewusster und manchmal sogar genialischer Albernheiten zu unterwandern.
Die beiden Prisma-CDs "Das waren Zeiten" widmen sich diesen Agenten der Entprüdisierung und des Wiederentdeckens der großen weiten Welt. So weht ein kleiner Hauch von Stuss durch die allermeisten Lieder, oft dick aufgetragen, manchmal hintergründig.
Eine Doppel-CD also mit einem roten Faden, oder, wie man heute sagen würde, eine "Themen-CD". Ich sage: Das ist eine Liedersammlung, die zu hören wahnsinnig viel Spaß bereitet.
Viel Vergnügen!
Detlef Hartlap
Die Liedfolge der Prisma-Doppel-CD
CD 1| Nr. | Titel | Hörprobe |
|---|---|---|
| 1. | Bill Ramsey - Pigalle | hier klicken |
| 2. | Fred Bertelmann - Der lachende Vagabund (Dillo Gitarra) | hier klicken |
| 3. | Manuela - Schwimmen lernt man im See | hier klicken |
| 4. | Jürgen Drews - Ein Bett im Kornfeld (Let Your Love Flow) | hier klicken |
| 5. | Gitte - So schön kann doch kein Mann sein | hier klicken |
| 6. | Hazy Osterwald Sextett - Kriminal-Tango | hier klicken |
| 7. | Dorthe - Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben | hier klicken |
| 8. | Rex Gildo - Fiesta Mexicana | hier klicken |
| 9. | Wencke Myhre - Er steht im Tor | hier klicken |
| 10. | Bill Ramsey - Wumba-Tumba Schokoladeneisverkäufer | hier klicken |
| 11. | Lena Valaitis - Ob es so oder so oder anders kommt | hier klicken |
| 12. | Gus Backus - Da sprach der alte Häuptling | hier klicken |
| 13. | Nilsen Brothers - Tom Dooley | hier klicken |
| 14. | Heinz Erhardt - Immer wenn ich traurig bin | hier klicken |
| 15. | Heinz Rühmann - So ein Regenwurm hat's gut | hier klicken |
| 16. | Bill Ramsey - Zuckerpuppe (Aus der Bauchtanzgruppe) | hier klicken |
| 17. | Chris Howland - Das hab' ich in Paris gelernt | hier klicken |
| 18. | Graham Bonney - Wähle 3-3-3 | hier klicken |
| 19. | Liesbeth List - Der Herr Marquis | hier klicken |
| 20. | Marianne Rosenberg - Mr. Paul McCartney | hier klicken |
CD 2
| Nr. | Titel | Hörprobe |
|---|---|---|
| 1. | Marlene Dietrich - Ich hab' noch einen Koffer in Berlin | hier klicken |
| 2. | Palast Orchester mit seinem Sänger Max Raabe - Kein Schwein ruft mich an | hier klicken |
| 3. | Rita Paul - Das ist nichts für kleine Mädchen | hier klicken |
| 4. | Paul Kuhn - Es gibt kein Bier auf Hawaii | hier klicken |
| 5. | Caterina Valente - Tipitipitipso | hier klicken |
| 6. | Graham Bonney - Papa Joe | hier klicken |
| 7. | Gerd Böttcher - Für Gaby tu' ich alles | hier klicken |
| 8. | Gerhard Wendland - Tanze mit mir in den Morgen (Mitternachts-Tango) | hier klicken |
| 9. | Alexandra - Sehnsucht (Das Lied der Taiga) | hier klicken |
| 10. | Bata Illic - Ich möcht' der Knopf an deiner Bluse sein | hier klicken |
| 11. | Marion Maerz - Er ist wieder da | hier klicken |
| 12. | Udo Jürgens - Immer wieder geht die Sonne auf | hier klicken |
| 13. | Heinz Erhardt - Fährt der alte Lord fort | hier klicken |
| 14. | Roy Black & Anita - Schön ist es auf der Welt zu sein | hier klicken |
| 15. | Gus Backus - Bohnen in die Ohren | hier klicken |
| 16. | Renate und Werner Leismann - Ein Schlafsack und eine Gitarre | hier klicken |
| 17. | Kirsti - Ein Student aus Uppsala | hier klicken |
| 18. | Hans Blum - Charly Brown | hier klicken |
| 19. | Bully Buhlan und Mona Baptiste - Es liegt was in der Luft | hier klicken |
| 20. | Bill Ramsey - Souvenirs | hier klicken |
| Beschreibung: | Preis: | |
|---|---|---|
| Das waren Zeiten - Schlagerraritäten (Doppel-CD) | EUR 19.90* | bestellen |
*Alle unsere Preise enthalten 7% bzw. 19% Mehrwertsteuer.


