13. Oktober 1761: Tuchhändler Jean Calas findet den toten Körper seines Sohnes Marc-Antoine - Selbstmord. Als sich herausstellt, dass die Familie Calas hugenottisch ist und sich das Gerücht entspinnt, dass Marc-Antoine zum Katholizismus konvertieren wollte, werden sie unverzüglich unter Mordverdacht festgenommen. Jean Calas anfängliche Lüge, die dem Sohn die entwürdigende Verscharrung als Selbstmörder ersparen sollte, wird ihm zum Verhängnis. Selbst ein ärztliches Attest kann die Familie nicht retten - die katholische Justiz entscheidet für Tod durch den Strang - und Folter, falls das Geständnis des vermeintlichen Mordes nicht freiwillig erfolgt. Bis in den Tod beteuert Jean Calas verzweifelt seine Unschuld. Voltaire, der die Gerichtsverhandlung aus der Ferne beobachtet hat, erfährt von der brutalen Folter und schließlich von der Hinrichtung Jean Calas. Voll Entsetzen begreift er, dass er zu lange gewartet hat, einzuschreiten. Er schwört nun, Gerechtigkeit walten zu lassen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um zumindest Mutter und Sohn Calas vor dem Tod zu retten ...

1763 veröffentlichte der französische Schriftsteller und Philosoph François Marie Arouet (1694-1778), besser bekannt als Voltaire, seine religionskritische und moralphilosophische Kampfschrift "Traktat über die Toleranz anlässlich des Todes von Jean Calas". In der Folgezeit sollte die Schrift eines der Grundwerke werden, auf das sich die Gegner des Ancien Regime am Vorabend der Französischen Revolution beriefen. Ausgehend von diesem historischen Stoff drehte Regisseur Françis Reusser nach dem Buch von Alain Moreau dieses aufrüttelnde und opulent ausgestattete Justizdrama, in dem Claude Rich als alternder Voltaire eines Paradevorstellung seiner Schauspielkunst gibt. Achten Sie auf die attraktive Barbara Schulz in der Rolle seiner Pflegetochter Marie. Die 1972 in Bordeaux geborene Theater-, TV- und Filmschauspielerin dürfte deutschen Zuschauern aus Werken wie "Casanova - Ich liebe alle Frauen", "Die Spur meiner Tochter" und "French Kiss" bekannt sein.

Foto: ARTE/SSR/Philippe Christin