Einmal mehr möchte ich dafür plädieren, dass das Gespräch zwischen Arzt und Patient wieder in den Mittelpunkt der Therapie rückt. Heute sind Patienten durchschnittlich nur sieben Minuten lang im direkten Arztkontakt, wenn sie eine Praxis aufsuchen. In dieser Zeit kann der Arzt weder richtig zuhören, um zu erfahren, was den Patienten plagt, noch den Patienten darüber aufklären, was er eigentlich selbst tun kann und wie das verschriebene Medikament wirkt.

"Zuhörende" Medizin belohnen

Der Dialog zwischen Arzt und Patient in der heutigen Form ist nicht ausreichend. Denn erst aus dem vertieften Gespräch ergibt sich ein Vertrauensverhältnis und damit die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Gerade durch ein umfassendes Gespräch könnte eine Therapie viel zielgenauer gestaltet werden. So könnten beispielsweise bei der Zuckererkrankung Medikamente eingespart werden, wenn die Menschen sich mehr bewegen und einen individuellen Ernährungsplan einhalten würden.

Eine bedeutende Innovation im Gesundheitssystem wäre es, die "sprechende" und "zuhörende" Medizin endlich anders zu honorieren. Unter den Therapeuten brauchen wir eine viel stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedenster Fachdisziplinen, der Dogmatismus zwischen den einzelnen Schulen muss beendet werden. Wer heilt, hat meistens recht! Wir Schulmediziner können von den Naturheilkundlern lernen – und umgekehrt. Ich selbst bin offen für naturheilkundliche und komplementärmedizinische Ansätze, wie es in meiner Familie immer beide Ansätze gab. Auch möchte ich zu mehr Wissen anregen, damit sich Patienten in bestimmten Situationen auch selbst helfen können.

"Du selbst bist der beste Arzt, wir Ärzte sind nur deine Gehilfen", sagte Paracelsus. Ich halte es für entscheidend, den Präventionsgedanken in der Bevölkerung breit zu verankern und klar zu machen, dass Gesundheit nicht nur mit Geld verbunden, sondern dass Medizin eins der wichtigsten Kulturgüter ist!