Die Erkältungszeit rückt näher und mit ihr die typischen Legenden um hilfreiche Hausmittel, das richtige Naseputzen und vieles mehr.

Der Hals kratzt, die Nase rinnt und das Taschentuch mutiert zum Dauerbegleiter. Erkältungen plagen die Deutschen durchschnittlich zwei- bis dreimal im Jahr. Da eine Erkältung in der Regel jedoch recht harmlos verläuft und auch bald wieder verflogen ist, kuriert der Großteil der Betroffenen die kleine Infektion meist ohne Arztbesuch aus.

Stattdessen setzt man auf Wunderheilmittel aus Großmutters Küche und befolgt weise Ratschläge, die seit Ewigkeiten zum Volkswissen zählen. Aber kann man diesen (Halb-) Wahrheiten wirklich Glauben schenken? Egal ob heiße Milch mit Honig, kräftiges Schwitzen in der Sauna oder auch eine Extradosis Vitamin C – wir gehen den sechs gängigsten Mythen auf den Grund und prüfen, wie viel heilende Wirkung wirklich dahintersteckt.

Heiße Milch mit Honig lindert Halsschmerzen

Ja! Sie schmeckt besser als jede Arznei und soll außerdem einen gereizten Hals beruhigen. Die heiße Milch mit Honig galt schon zu Großmutters Zeiten als wahres Wundermittel gegen Halsschmerzen. Tatsächlich tun warme Getränke dem Hals gut. Und auch der Honig an sich hat eine entzündungshemmende und leicht antibiotische Wirkung. Doch Vorsicht: Der Honig sollte erst dann in die Milch eingerührt werden, wenn sie auf Trinktemperatur abgekühlt ist. Die wertvollen Honigenzyme sind sehr temperaturempfindlich und werden bei Hitze zerstört. Also den Honig immer erst bei Trinktemperatur zugeben!

Kälte verursacht die Erkältung

Nein! Der Begriff Erkältung mag irreführend sein. Denn nicht Kälte an sich löst die Erkältung aus und auch Frieren allein reicht nicht. Trotzdem leiden in der nasskalten Jahreszeit eindeutig mehr Menschen an den Symptomen einer Verkühlung. Das liegt jedoch nicht an den niedrigen Temperaturen an sich, sondern daran, dass das körpereigene Immunsystem bei Kälte eher geschwächt wird als bei Wärme. Grund dafür sind unter anderem beheizte Räume, die ausgetrocknete Schleimhäute herbeiführen, wodurch wiederum deren Schutzfunktion behindert wird. Krankheitserreger können so leichter in den Körper vordringen und Infekte auslösen. In den warmen Sommermonaten können Klimaanlagen im Büro, Bus oder Auto zu ausgetrockneten Schleimhäuten führen. Erkältungssaison ist also das ganze Jahr über.

Nasehochziehen ist gesünder

Ja! Besonders schicklich ist es ja nicht, das Schnupfensekret in der Nase hochzuziehen. Doch aus wissenschaftlicher Sicht spricht eigentlich rein gar nichts dagegen, das Taschentuch beiseitezulassen. Denn zu häufiges Naseputzen greift die Nasenschleimhäute an und kann zu schmerzvollen Entzündungen führen. Vor allem wer zu kräftig ausschnaubt, drückt das Sekret, d. h. befördert es mit einem viermal so starken Druck wie beim Niesen, direkt in die Nasennebenhöhlen, wo sich die Krankheitserreger weiter ausbreiten. Letzteres passiert beim vorsichtigen Hochziehen eher nicht, hier wird das Sekret im Magen unschädlich gemacht. Wer trotzdem lieber schnäuzt, sollte sehr behutsam vorgehen, sich jeweils ein Nasenloch zuhalten und mit wenig Druck arbeiten.

Vitamin C beugt Erkältungen vor

Nein! Zwar braucht der Mensch Vitamin C für ein funktionierendes Immunsystem, auf eine Extradosis des wertvollen Nährstoffes kann jedoch verzichtet werden. Die Vitamin-Menge, die über die Nahrung aufgenommen wird, ist völlig ausreichend, um den Tagesbedarf zu decken. So füllt bereits ein Glas Orangensaft oder eine halbe Paprika am Tag die Vitamin-C-Speicher des Körpers gänzlich auf. Überschüssiges Vitamin C wird ungenutzt ausgeschieden. Im Kampf gegen die Erkältung schlägt eine ausgewogene Ernährung somit jede Vitamin-Pille.

Erkältung ausschwitzen

Nein! Ein bis zwei Saunagänge pro Woche halten den Kreislauf auf Trab und stärken die Abwehr – doch anderes gilt bei Krankheit: Bei einer Erkältung ist der Körper geschwächt und die ungewöhnlich hohen Temperaturen stellen zusätzlich eine extreme Belastung dar. Wohltuende Wärme kann hingegen ein 10- bis 15-minütiges Erkältungsbad spenden. Aber prinzipiell gilt: während einer Erkältung lieber unter der warmen Bettdecke statt in der heißen Sauna schwitzen.

In die Hand niesen schützt andere vor Ansteckung

Nein! Beim Niesen und Husten die Hand vorzuhalten, ist zwar gut gemeint, schützt aber andere nicht vor einer Erkältung. Die Viren bleiben in den Handflächen kleben und wandern somit überall dorthin, wo auch die Hände hingreifen. Türklinken, Wasserhähne, Treppengeländer – die Krankheitserreger verbreiten sich und gelangen auf diese Weise schnell auf die Schleimhäute anderer Personen. Wem also das Wohl seiner Mitmenschen am Herzen liegt, der sollte eher in die Ellenbeuge niesen oder ganz besonders oft den Gang zum Wasserhahn wagen.