Nach fast 20 Jahren zeigt die Bonner Bundeskunsthalle wieder eine groß angelegte Ausstellung zum Schweizer Ferdinand Hodler in Deutschland.

Um zu verstehen, was für ein Geist Ferdinand Hodler war, kann man sich eine Anekdote aus seinem an Anekdoten nicht armen Leben vor Augen halten: 1908, da ist Hodler Mitte 50, beauftragt ihn die Schweizer Nationalbank mit der Gestaltung einiger Banknoten. Und Hodler liefert – allerdings einen mehr als provokanten Entwurf: zwei Frauen, augenscheinlich Helvetias. Die Nationalbank lehnt die Entwürfe ab. Denn es sind nicht nur Helvetias, sondern zugleich Hodlers Ehefrau und seine Geliebte. Ein Skandal, den man in der Schweiz gerne vermeiden will.

Dass schlussendlich doch zwei Motive Hodlers auf Schweizer Banknoten landen, verdanken wir der motivischen Vielfalt des 1853 geborenen Malers. "Der Holzfäller" auf der 50-Franken- und "Der Mäher" auf der 100-Franken-Note gehören zu den vielen Darstellungen ländlichen Lebens, aber auch zu Hodlers ständiger Auseinandersetzung mit Sterben und Tod.

Durch Skandale zum Erfolg

Dabei wären die Banknoten nicht der erste Skandal gewesen. Schon sein Gemälde "Die Nacht" (1889– 1890) provoziert in Genf einen Eklat. Das Bild zeigt den Tod, der Hodler auf der Brust sitzt, umgeben von sieben schlafenden, vor allem aber nackten Frauen. Das Bild wird aus der kantonalen Genfer Ausstellung des Beaux Arts als sittenwidrig ausgeschlossen. Ein Problem? Keineswegs, mit dem Skandalbild setzt Hodlers Erfolg im Ausland ein, er findet Respekt bei Künstlerkollegen.

In Deutschland kennt man ihn vor allem als Landschaftsmaler, die letzte große Ausstellung in München und Wuppertal findet 1990 und 2000 statt. Nun zeigt die Bundeskunsthalle erneut das umfangreiche OEuvre – mit rund 100 Gemälden und mehr als 40 Zeichnungen. Dabei veranschaulicht sie vor allem, welche Ereignisse zu seinem Erfolg beigetragen haben.

Mehr als nur Landschaften

Wobei es nicht nur die Ereignisse sind, sondern vor allem Hodlers Strategien, mit denen er seine Karriere vorantreibt. Er nimmt an Wettbewerben teil, stellt umfänglich aus und malt Szenen und Sujets, die Aufmerksamkeit erregen.

Dazu kommt ein politisch aktives Leben, dessen Höhepunkt ein Protestbrief gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims durch Deutsche ist, den Hodler unterzeichnet. Er lebt kein widerstandsfreies Leben.

Dessen Facetten, aber auch die malerischen Strategien, sein persönliches Umfeld ebenso wie seine Kontakte zu Sammlern, zum Kunsthandel und zu Kunstvereinen, zeichnet die Ausstellung nach – und wirft so ein neues Licht auf einen Maler, der weit mehr war als nur der Maler von Landschaften und Menschen. Vielmehr entpuppt sich Hodler als politischer, mondäner, lustvoller und äußerst vielfältiger Maler – und genau dadurch als so wichtiger Einflüsterer der Moderne.