Philipp Winklers Roman "Hool" erzählt von gewaltbereiten Fußball-Fans und von der tristen Poesie eines Alltags, der verstört.

Nach zwölf Seiten gibt es das erste Mal was aufs Maul, wie Heiko Kolbe sagen würde. "Ein letzter Aufschrei. Der Wald verstummt. Dann prallen Körper aufeinander." Was folgt, ist Gewalt – körperliche und sprachliche Gewalt. Sätze wie Fausthiebe. 310 Seiten lang.

Der, von dem diese Sätze stammen, ist Philipp Winkler, Jahrgang 1986, geboren bei Hannover. Der, der damit beschrieben wird, ist Heiko Kolbe, Jahrgang unbekannt, in die Hannoveraner Hooligan-Szene geholt vom eigenen Onkel.

"Ich fühlte mich wie der Anführer einer verdammten Horde von Nashörnern", sagt dieser Kolbe von sich und seinen Jungs, und mit dieser Horde fährt er durch das Land, um sich mit anderen Hooligans zum Prügeln zu verabreden. "Match" nennen sie solche Dates. Klingt wie Sport, ist es für sie auch.

Davon handelt "Hool", nicht mehr und nicht weniger, ein Buch, das es 2016 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, eins, das der Leiter des FAZ-Ressorts "Literatur und literarisches Leben", Andreas Platthaus, zu den "schönsten Romanen des Herbstes" zählt. Dabei ist es eins nicht: schön.

Denn selbst da, wo es so etwas wie Schönheit gibt – Landschaften, Erinnerungen, Gefühle –, gelingt es Winkler, sie in einem Alltag versinken zu lassen, der so drastisch ist und eindringlich, dass nicht mal diese wenigen feinfühligen Szenen dem etwas entgegenzusetzen haben – zumal Winklers Sprache ausgerechnet in diesen Szenen immer wieder scheitert.

In den anderen Szenen aber ist sie dicht und hart und Rahmen einer Handlung, die deutsche Wirklichkeit widerspiegelt, die erschreckt, aber auch fesselt, die fasziniert und berührt. Ein eindrucksvolles Debüt.